Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Kultur Rockmusiker Bryan Adams zeigt Fotos in Berlin
Nachrichten Kultur Rockmusiker Bryan Adams zeigt Fotos in Berlin
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:54 07.12.2018
Wie immer hochagil: Mick Jagger fotografiert von Bryan Adams 2008 in New York . Quelle: BRYAN ADAMS
Berlin

Von Weitem sieht er aus wie ein Popstar. Die Brust tätowiert, beide Arme lässig über den Kopf gelegt, den Blick cool zur Seite gerichtet. Doch Karl Hinett ist kein Popstar. Er war Soldat und wurde bei seinem ersten Einsatz in Basra, Irak, von einer Benzinbombe getroffen. Ein Drittel seines Körpers erlitt Verbrennungen dritten Grades, 16 Operationen musste der junge Brite über sich ergehen lassen. Die Narben, die nach diesen Strapazen zurückblieben, sieht man erst, wenn man ganz nah an das großformatige Foto herantritt. Die Nahaufnahme des Bauchs zeigt die Folgen einer Hauttransplantation. „Unscarred“ steht auf dem Tattoo unter dem Bauchnabel, und das bedeutet „narbenlos“.

Vom Krieg verstümmelte Soldaten

Auch Craig Lundberg kämpfte im Irak-Krieg bis er nach einem Raketenbeschuss erblindete. Das Foto zeigt ihn mit seinem Blindenhund Hugo.

Der kanadische Rockmusiker Bryan Adams hat vor Jahren diese Fotoserie mit dem Titel „Wounded“ gemacht, über englische Soldaten, die verstümmelt aus dem Krieg zurückkehrten. Einige dieser Fotos sind jetzt in der Berliner Galerie Camera Work zu sehen. Die Ausstellung „Exposed“ zeigt insgesamt 40 Werke, darunter auch viele Porträts prominenter Persönlichkeiten.

Insgesamt 40 Werke von Bryan Adams sind derzeit in der Ausstelllung „Exposed“ in der Berliner Galerie Camera Work zu sehen. Die MAZ zeigt eine kleine Auswahl.

Bryan Adams, mit rund 70 Millionen verkaufter Platten absoluter Megastar, kann nicht nur mit seiner Gitarre und seiner Stimme gut umgehen. Ende der 1990er Jahre beginnt er nach einer langen Welttournee zu fotografieren. Mit großer Leidenschaft. Zunächst porträtiert er Schauspieler, Models und Musiker. Berühmtheiten, mit denen er befreundet ist: Man sieht Kate Moss, nur mit Netzstrümpfen bekleidet. Mickey Rourke, Rammstein und Christoph Waltz. Amy Winehouse im Profil und einen hüpfenden Mick Jagger. Lindsay Lohan mit einer Zigarette im Mundwinkel und eine Aktfotografie der Sängerin Pink.

Die Stars werden als Ikonen inszeniert

Adams inszeniert die Stars als Ikonen. Die Fotos zeigen eine klassische Ästhetik, orientieren sich an Vorbildern wie Peter Lindbergh, Herb Ritts und Annie Leibowitz. Sie sind kühl, perfekt, geheimnislos, stets mit einem puristischen Hintergrund, der nicht von der Person ablenkt. Das hat vermutlich auch mit seinen Auftraggebern zu tun: Seine Arbeiten werden in Magazinen wie „Vogue“, „Vanity Fair“, „Harper’s Bazar“, „GQ“ und anderen veröffentlicht. Und was dort nicht gezeigt wird, erscheint in dem von ihm vor 15 Jahren in Berlin gegründeten Magazin „Zoo“. „Seine Spielwiese“, wie es heißt.

Viele Fotos in der Ausstellung spielen mit Erotik, Sex und Voyeurismus. Etwa wenn die Sängerin Lana Del Rey lasziv in einen Spiegel haucht oder der Tokio-Hotel-Sänger Bill Kaulitz sich in High Heels und Seidenstrümpfen ablichten lässt.

Selbst die Queen ließ sich von Adams fotografieren

Der Kontrast zu den Aufnahmen verstümmelter Soldaten könnte nicht größer sein und gerade diese Mischung macht die Ausstellung so sehenswert. Hier der schöne Schein, da die Spuren, die das Leben eingegraben hat. Wie bei Ricky Furgusson, der in Afghanistan seine Beine, ein Auge und Finger verlor. Aber stolz steht er da in seiner Uniform. Er und auch die anderen Männer drücken in ihrer Haltung einen Optimismus aus, der verstörend wirkt. „Keiner hatte das Gefühl geschlagen zu sein. Sie lassen nicht zu, dass ihre Behinderung sie vom Leben trennt“, sagt Bryan Adams. Er richtet sein Objektiv auf ihre Narben, ihre Verletzungen und Verstümmelungen. Aufgrund dieser bedrückenden Unmittelbarkeit sind die Porträts eine Herausforderung für den Betrachter. Lange bekommt man sie nicht aus dem Kopf.

Bryan Adams hat es mit seiner Fotokunst weit gebracht – bis in den Buckingham Palast. 2008 wurde er ausgewählt, Queen Elizabeth II. anlässlich ihres goldenen Thronjubiläums zu porträtieren. Man sieht eine - für ihre Verhältnisse – gelöste, lächelnde Königin auf einem Stuhl. Daneben zwei Paar nicht ganz saubere Gummistiefel und einen Regenschirm. Ein hinreißendes Foto, weil es auch eine schelmische Seite dieses Fotokünstlers zeigt.

Bryan Adams: Exposed, ab 8. Dezember. Camera Work, Kantstraße 149, Berlin. Geöffnet Dienstag bis Sonnabend 11 bis 18 Uhr. Zu sehen bis 9. Februar 2019

Von Claudia Palma

Jede Menge Melancholie und ein bisschen Protest: „Schlagschatten“ ist das neue Album von AnnenMayKantereit, das an diesem Freitag erscheint. Wir haben schon einmal hineingehört.

07.12.2018

Der Sänger der legendären, britischen Punkband, Pete Shelley, ist gestorben. Er wurde 63 Jahre alt.

07.12.2018

Die Academy muss einen neuen Moderator für die Oscars 2019 suchen. Weil Kevin Hart Witze gemacht hat, die als schwulenfeindlich empfunden wurden, sagt er als Host der Verleihung 2019 ab.

07.12.2018