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Kultur Der Schauspieler Hermann Beyer wird 75
Nachrichten Kultur Der Schauspieler Hermann Beyer wird 75
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00:39 01.06.2018
Hermann Beyer Quelle: Ina Voigt
Berlin

Ein älterer Herr mit kariertem Jackett und Fliege sitzt auf der Parkbank, verschüttete Brause fließt ihm unbemerkt übers Hosenbein, die Gedanken sind auf Wanderschaft. Mit müde blinzelnden grün-blauen Augen versucht der an Alzheimer erkrankte Mann zu fassen, was nicht mehr zu begreifen ist: die Welt und wie sie funktioniert. „Alt werden macht keinen Spaß“, sagt er mit ruhiger Stimme zu dem neben ihm sitzenden Kommissar, schiebt den Unterkiefer nach vorne und zurück, sammelt sich und setzt fort: „Man lebt noch, aber es ist, als wenn dir einer das Gehirn ausradiert mit Schleifpapier.“

Wenn Hermann Beyer zeigt, was er kann, dann wird selbst die Nebenrolle in einer ZDF-Vorabendserie zur beeindruckenden Charakterfigur. In der „Soko Leipzig“-Folge von 2008 spielt er einen Rentner, der zwischenzeitig unter Mordverdacht gerät. Die Handlung ist bemüht aber krude, die Fähigkeit mancher Schauspieler limitiert. Gibt es was zu grübeln, kneten sie sich die Stirn, in spannenden Momenten halten sie den Atem an und blicken ernst zur Seite wie ein Bruce-Willis-Verschnitt. Die Figur des bemitleidenswerten Opas aber hält alles zusammen, die Rührung strahlt aus auf die anderen Darsteller. Auch wenn die Krimi-Folge für Beyers filmisches Werk so bedeutend ist wie einem Bäcker die Brötchen von gestern, sagt sie doch einiges über sein Handwerk aus. Er verzichtet auf große Gesten, spricht selbst die Wut im Bauch meist leise aus, sein Blick vermittelt die Botschaft. Wirklich große Schauspieler erkennt man daran, dass sie stark wirken, ohne sichtbar viel zu tun.

Zur Person

Hermann Beyer hat nach der Schauspielausbildung in Berlin unter anderem an der Volksbühne gespielt und war von 1983 bis 1999 Mitglied vom Berliner Ensemble. Er hat in einigen der bekanntesten DEFA-Filme mitgespielt, unter anderem in „Ich war neunzehn“ von Konrad Wolf und „Jakob, der Lügner“ von seinem Bruder Frank Beyer.

Seit der Wende spielt Beyer immer wieder in Fernsehserien, wie etwa im ZDF in der „Spreewaldkrimi“-Reihe und in der ARD im „Polizeiruf 110“, mit. Außerdem war er in Kinofilmen, wie etwa „Elementarteilchen“ (2006), „Vergiss dein Ende“ (2011) und „Bornholmer Straße“ (2014), zu sehen.

Das Filmmuseum Potsdam ehrt Hermann Beyer anlässlich seines 75. Geburtstags mit einer besonderen Veranstaltung am Donnerstag. Ab 18.15 Uhr werden zwei Filme mit dem Schauspieler gezeigt, zuerst „Der Kontrolleur“ (1995) von Stefan Trampe und um 20.30 Uhr „Treffen in Travers“ (1989) von Michael Gwisdek. Dazwischen wird es um 19.30 Uhr ein von Filmkritiker Knut Elstermann moderiertes Gespräch mit Hermann Beyer geben. Außerdem laufen die Filme im RBB am Donnerstag ab 23.45 Uhr.

Der Bruder des legendären DEFA-Regisseurs Frank Beyers kam am 30. Mai 1943 im thüringischen Altenburg zur Welt. Sein Vater kämpfte als Soldat in der Sowjetunion und starb zwei Wochen vor der Geburt. Der elf Jahre ältere Bruder gründete früh eine Familie, zog nach Kleinmachnow und nahm Hermann mit. Er entwickelte sich zu dessen Förderer, unterstützte ihn mit 20 Mark pro Monat. Hermann schloss die Schauspielausbildung ab und emanzipierte sich vom Werk des berühmten Bruders als Theaterschauspieler, unter anderem am Hans Otto Theater in Potsdam und der Volksbühne Berlin. Trotz unterschiedlicher Wege entwickelte sich keine feindschaftliche Beziehung wie bei manch anderen Brüdern im selben Metier.

Frank Beyer besetzte Herman Beyer etwa 1974 in „Jakob, der Lügner“, der einzigen jemals für einen Oscar nominierten Filmproduktion aus der DDR, und 1997 in „Der Hauptmann von Köpenick“. In beiden Filmen spielt Hermann Beyer Figuren, die in der deutschen Sprache fieserweise als „Nebenrollen“ marginalisiert werden. Viel besser passt der englische Ausdruck vom „Supporting Actor“, dem unterstützenden Schauspieler. „Wenn er in Amerika spielen würde, hätte er schon drei Mal den Oscar dafür gewonnen“, sagt auch der Radio-Eins-Filmkritiker Knut Elstermann. Tatsächlich. Geht man die Liste der Oscar-Preisträger in der Nebendarsteler-Kategorie durch, ist es erstaunlich, wie sehr sie ihre Filme geprägt haben, etwa Meryl Streep in „Kramer gegen Kramer“, Robin Williams in „Good Will Hunting“ und Javier Bardem in „No Country for Old Men“. Dieselbe Qualität, als Counterpart der vermeintlich gewichtigeren Hauptrollen einen Film zu prägen, beherrscht auch Hermann Beyer.

„Er ist eine Figur, an der man sich reiben kann“, sagt Elstermann der sich insbesondere mit DEFA-Filmen auskennt, und weist auf zwei Filme hin, in denen Beyer anders als in früheren und wesentlich späteren Filmen Hauptfiguren spielt: In „Märkische Forschungen“ (1982) ist er ein eigenbrötlerischer Dorflehrer, in „Treffen in Travers“ (1989) der Revolutionär Georg Forster, dessen Frau sich von ihm scheiden lassen will. Die Geschichte ist im späten 19. Jahrhunderts angelegt, spielt aber immer wieder auf die Verhältnisse in der DDR kurz vor ihrem Ende an. In einer Szene sagt Beyer alias Forster: „Es ist besser, frei zu sein oder sagen wir mal, nach Freiheit zu streben, als um Brot zu betteln bei einem Despoten.“ In der Konfrontation mit seiner von Corinna Harfouch gespielten Ehefrau entfaltet Beyer sein ganzes Können. Sie brüllt, ist erschöpft, schlägt um sich, er dagegen bleibt starr im Blick, seine Hände klammern im Kampf an ihr.

Beyer sieht sich bis heute nicht als Star sondern Teil des Teams, das er gern „Horde“ nennt. Auch nach der Wende hat er seinen Platz darin gefunden, wurde nicht wie manch ein Kollege aus der DDR aussortiert. Immer wieder findet sich ein Regisseur, der sich von seiner ungekünstelten Art des Spiels beeindrucken lässt. Oder wie Heiner Müller sagte: „Hermann Beyer ist kein Schauspieler, er ist eine Existenz.“

Von Maurice Wojach

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