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Der Schriftsteller und Drehbuchautor Benito Wogatzki ist mit 83 Jahren gestorben

Nachruf Der Schriftsteller und Drehbuchautor Benito Wogatzki ist mit 83 Jahren gestorben

Mit den Romanen „Romanze mit Amélie” (1977) und „Narrenfell” (1982) machte sich Benito Wogatzki in der DDR als Schriftsteller einen Namen. Wogatzki wuchs in der Nähe von Jüterbog auf. Zunächst wurde er Journalist und schrieb für die FDJ-Zeitschrift „Forum”. Später verfasste er Drehbücher und Filme für das DDR-Fernsehen, in den 90er Jahren dann für ZDF, SAT1 und RTL.

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Benito Wogatzki

Quelle: Privat

Potsdam. Er hat einen Arbeiter erfunden, der in den 60ern zum TV-Super-Helden der Produktion wurde: Meister Falk. Hakte es irgendwo in der Produktion, an den Maschinen, in der Forschung, in der Werkleitung – Meister Falk wusste immer für alles eine Lösung. So wurde Wolf Kaiser zum Fernseh-Star. So wurde „Meine besten Freunde/Die Zeichen der Ersten“ zur Illustration der zweiten Etappe des Neuen Ökonomischen Systems von Walter Ulbricht. Sein Autor hieß Benito Wogatzki, ein 30-Jähriger, der in Luckenwalde das Tuchmacher-Handwerk gelernt und zuvor in Potsdam Abitur gemacht hat, der durch die ABF zum Journalistik-Studium in Leipzig kam und neben anderen Publikationen zwölf Jahre fürs „Forum“ arbeitete, die quasitheoretische FDJ-Monatszeitung – als bereits freier Autor.

Mit Meister Falk schrieb er sich, gleich nach dem kulturell verheerenden 11. Plenum des ZK der SED, in die erste Garde der TV-Autoren. Arbeiterfiguren wurden sein Thema, allerdings waren die Nachfolger weitaus weniger lupenrein klassenbewusst. Was für „Broddi“ (Dreiteiler), die Waise, die aus Liebe von der NVA in die Industrie wechselt, ebenso zutrifft wie für „Tull“. 1971 verfasste Benito Wogatzki für Egon Günther „Anlauf“, wieder eine Liebes- und Produktionsgeschichte. Für die Defa bearbeitete er dann 1981 seinen Roman-Erstling „Romanze mit Amélie“ (junger Hirte verliebt sich in Wirren von Kriegsende und Neuzeit in Grafentochter). Die Adaption von Ulrich Thein (wohl Wogatzkis Lieblings-Regisseur) ließ allerdings einige Erwartungen unerfüllt.

War Benito Wogatzki, den weder Lobgedicht noch gusseiserne Proletarier vor der Stasi-Überwachung (zwölf IM sollen es gewesen sein) bewahrten, eher Drehbuchautor oder mehr Romancier? Antwort: Er war beides. Er beherrschte die Nüchternheit des Filmgenres und die blühende Fantasie des Fabulierers. Man lese nur „Flieh mit dem Löwen“ (2007), eine Gesellschaftssatire, die noch auf ihre Entdeckung wartet. Bereits 1988 schrieb Wogatzki fürs DDR-Fernsehen an der 13-teiligen TV-Serie „Tiere machen Leute“. Bei Serien blieb er nach der Wende – von „Sylter Geschichten“ (RTL) über „Gezeiten der Liebe“ (ZDF) und „Krabbenfischer“ (ZDF) bis zu „Für alle Fälle Stefanie“ (SAT.1). Nun ist Benito Wogatzki, der zahlreiche DDR-Auszeichnungen erhielt und Ende der 90er Jahre nach Südfrankreich zog, nur im Sommer lebte er im Dorf Siethen (Teltow-Fläming), nach Angaben seiner Ehefrau gestorben – mit 83 Jahren.

Von Norbert Wehrstedt

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