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Der Sound von Sex, Drugs, Synthie-Pop und Donnerwetter

Depeche Mode im ausverkauften Berliner Olympiastadion Der Sound von Sex, Drugs, Synthie-Pop und Donnerwetter

Die Songtexte von Depeche Mode waren immer dann am besten, wenn sie in die Hose gingen. Die britische Synthie-Pop-Band besingt, was so schwer zu bereden ist: Sex. Unsere Konzertkritik vom verregneten, aber umjubelten Auftritt im Berliner Olympiastadion.

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Depeche Mode am Donnerstag in Berlin

Quelle: POP-EYE

Berlin. Bei Depeche Mode bekämen selbst Pandas Bock auf Beischlaf. Wie Dave Gahan sich bei „World In My Eyes“ breit lächelnd in den Schritt greift, später vom süßen Schmerz gerührt ein Bein vom anderen spreizt und den Blick senkt. Wie er vom Sex als Reise ohne Landkarte singt, bei dem alleine die Bewegungen seines Körpers die Richtung weisen. Wie er dabei mit der linken Hand den Mikroständer auf und ab reibt. Und dann: ein verschmitztes Lächeln.

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Ein Donnerwetter war das am Donnerstagabend im Berliner Olympiastadion, ein Donnerwetter aus Synthie-Pop: Wir zeigen Bilder vom Depeche-Mode-Konzert.

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Depeche Mode – das war schon immer ziemlich versextes Zeug. Auch beim ausverkauften Konzert am Donnerstagabend im Berliner Olympiastadion ist die britische Synthie-Pop-Band dann am besten, wenn sie besingt, über was so schwer zu reden ist. Es heißt ja, über Sex ließe sich nur auf Englisch singen, Depeche Mode ist fast 40 Jahre nach Gründung der Band ein quicklebendiger Beweis dafür. „A Question Of Lust“, „Stripped“, „Strangelove“ – das sind Songs, deren Texte, nun ja, in die Hose gehen, und von den mehr als 70.000 Zuschauern besonders laut mitgesungen werden.

Die auf politisch getrimmten Stücke ihres aktuellen Albums „Spirit“ wirken dagegen wie Spaßbremsen. Sie stehen der Band nicht, es ist, als würde Dave Gahan statt der Samtweste über seiner nackten Haut einen Blaumann tragen. Die Holzhammer-Lyrik von Revoluzzer-Songs à la „Where’s The Revolution“ ist auch deshalb so unnötig, weil Depeche Mode in ihren Songs schon immer erkundeten, wie sich Macht verteilt. Mit Blick auf die Liebe und menschliche Beziehungen beschrieben sie das Verhältnis von Anführern und Geknechteten. Und sie erforschten den Schmerz. Wer jedes Mal, wenn Gahan vom „Pain“ singt, einen Schnaps trinken sollte, wäre nach wenigen Songs reif fürs Sanitäter-Zelt.

Die Fans verzeihen der Band, dass sie fast die Hälfte aller Songs von „Spirit“ spielt und ignorieren den Starkregen, der über sie einbricht, als die größten Hits erklingen. Beim von Martin Gore gesungenen „A Question Of Lust“ verwandeln sie das Olympiastadion in ein Handy-Lichter-Meer. Als Gahan nach dem ohnehin anrührenden „Home“ zu Gore geht und in den Arm nimmt, mischt sich bei manchen ein Tränchen zwischen die Regentropfen im Gesicht. Vom schnellen Durchbruch bis zu Daves fast lebensvernichten Drogenexzessen – die beiden und ihr Keyboarder Andy Fletcher haben durchgehalten. Das feiern die Fans lautstark, nach gut zwei Stunden werden sie mit „I Feel You“ als eine der Zugaben belohnt. Jawohl, wir fühlen uns noch. Riesenapplaus.

Von Maurice Wojach

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