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Kultur Der amerikanische Traum durch die 3-D-Brille
Nachrichten Kultur Der amerikanische Traum durch die 3-D-Brille
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20:30 18.01.2013
BERLIN

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Dass dieser Abend sich ganz nah am Kino bewegt, ist aber keine Modemasche, sondern passt zur Thematik. Das Stück handelt von amerikanischen Mythen, die schließlich von Hollywood und somit von der Leinwand geprägt sind: Der 78-jährige Schauspieler Ulli Lommel (Regie, Text, Kamera und Darsteller), der die Hauptrollen in zahlreichen Fassbinder-Filmen spielte, erzählt in einer collageartigen Revue von seiner ambivalenten Verehrung des Landes der unbegrenzten Freiheit und McDonalds.

Lommel lässt amerikanische Helden wie Marilyn Monroe, Mickey Mouse, Al Capone, Angela Davis und die Pilotin und Frauenrechtlerin Amelia Earhart auf und diesseits der Leinwand aufmarschieren, erzählt als Moderator Anekdoten, wie er etwa einst mit einem betrunkenen Truman Capote vor Tiffanys kampierte, bis die Polizei anrückte. Bert Neumann schuf die Bühne für dieses Spektakel in Form einer riesigen Horror-Mickey-Mouse-Maske.

Und dann ein Perspektivwechsel, als Lommel dazu auffordert, die 3-D-Brillen aufzusetzen. Die Filmepisoden in 3-D-Technik sind von so großer Zahl, dass man die Brille gleich auflassen kann. Sie erwecken Lommels Geschichten auf der Leinwand zum Leben: wie Maria Callas mit Blick auf ein Foto ihrer Nebenbuhlerin Jackie O. Selbstmord begeht, wie Marilyn Monroe mit John F. Kennedy turtelt, wie Andy Warhol einen Burger isst.

Durch die 3-D-Brille betrachtet, fügen sich die Filmeinspielungen weit mehr als bei anderen Theaterinszenierungen ins Bühnenspiel ein. Wenn etwa Bonnie und Clyde auf der Leinwand wie in einem Tarantino-Film von Kugeln durchlöchert werden und Bonnie zugleich live auf der Bühne „Bang bang, my baby shot me down“ singt, entwickelt das eine ganz ungewöhnliche, rauschhafte Dynamik. Zeitweise hat man den Eindruck, die amerikanischen Helden stehen tatsächlich mehrfach auf der Bühne, vervielfacht wie in einem Warhol-Gemälde. Das Ganze ist so kurzweilig, dass die vierte Dimension – die Zeit – beinahe in Vergessenheit gerät. Und das, obwohl Lommels Moderationen teils recht langatmig geraten.

Die Schauspieler sind durchweg grandios, von Sophie Rois als dem Schlaf verfallene Ingeborg Bachmann über Katrin Angerer als hauchende Marilyn und Jackie O. bis zu Maximilian Brauer als Angerers wechselnder Partner.

Lommel selbst mimt einen Michael-Jackson-Zombie. Superman beerdigt ihn gleich zu Beginn wie einen gefallenen Soldaten. Und flüstert ihm ins Ohr, als Toter seien seine Rechte mehr wert. Man kann nicht sagen, dass Lommels Betrachtung von amerikanischer Freiheit eindimensional wäre. (Von Nina May)

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