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Kultur Der flämische Romancier Kris van Steenberge auf Lesereise in Brandenburg
Nachrichten Kultur Der flämische Romancier Kris van Steenberge auf Lesereise in Brandenburg
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17:41 28.08.2018
Kris van Steenberge kommt nach Zossen, Potsdam und Premnitz. Quelle: Quelle: Klaas Koppe
Potsdam

„In unserem kleinen Dorf haben sich die Bewohner an unseren Anblick gewöhnt, aber hier in der Stadt fällt auf, was für ein seltsames Duo wir sind, ein Beinloser im Rollstuhl, der von einem Mönch mit tief ins Gesicht gezogener Kapuze geschoben wird“, heißt es auf den letzten Seiten des Romanes „Verlangen“ über ein Zwillingspaar, das gerade den Ersten Weltkrieg überlebt hat.

Für das Familienepos hat Kris Van Steenberge eine recht reißerische Ausgangssituation gewählt. Valentijn kam als wohl geratener Sunnyboy auf die Welt, während sein Bruder von Geburt an ein dermaßen verwachsenes Gesicht hat, dass ihn die Familie versteckt hielt und nicht einmal mit einem Namen bedachte. Er wird nur der „Namenlose“ genannt.

Das gefeierte Debüt des 1963 geborenen Autors erschien 2013 in Antwerpen und 2016 bei Klett-Cotta in Stuttgart. Anlass für die Übersetzung war der Niederlande-Schwerpunkt der Frankfurter Buchmesse, der die flämische Literatur aus Belgien einbezog. Die Kulturpolitik der Regionalregierung Flandern ist so nachhaltig ausgerichtet, dass sie dem Autor jetzt noch einmal drei Lesungen in Brandenburg ermöglicht. Kris van Steenberge, von Hause aus Lehrer und Regisseur, wird heute, morgen und übermorgen das Buch in Zossen, Potsdam und Premnitz vorstellen.

Zweifellos ist ihm ein komplexes, stark psychologisierendes, faszinierend düsteres Epochengemälde von hoher sprachlicher Qualität gelungen. Jeden Menschen treibt ein Verlangen. Die Prägungen reichen zurück bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts, auch die Kindheit der Zwillings-Eltern wird ausgeleuchtet. Die Welt der vierköpfigen Familie wird dem Leser Kaleidoskop-artig näher gebracht, da Steenberge keinen allwissenden Erzähler einsetzt, sondern die Sicht der Dinge den vier Erzählfiguren überlässt. So kommt es, dass manche Vorkommnisse mehrfach geschildert werden.

Elisabeth, die Tochter eines Schmieds, und Guillaume, der Sohn eines Seifenfabrikanten, führen eine unglückselige Ehe. Das Scheitern ihrer Verbindung ist ein Sinnbild für die Illusion, die Klassenschranken ließen sich so einfach einreißen. Und auch die Hoffnung auf einen Frieden zwischen den Völkern zerstiebt, denn dem deutschen Herrn Funke, also einem Fremden, der Elisabeth wiederholt den Hof macht, schlägt viel Hass entgegen.

Da, wo die fiktive Handlung anfängt und endet, in dem schönen Dorf Woesten nahe der Stadt Ypern, wurde im Ersten Weltkrieg so ziemlich alles zerstört. Der Roman bringt die Grausamkeiten intensiv, aber nüchtern analysierend zur Sprache. Er greift nicht zu expressiven Wendungen, wenn von Giftgas oder zerschossenen Gesichtern die Rede ist. Er erzählt, wie sich individuelle und gesellschaftlich verursachte Schicksalsschläge ähneln können und dass sich Lebenswege nicht voraussagen lassen. Einmal sagt der schöne über den hässlichen Zwilling: „Mir sein Gesicht vor Augen zu rufen, ist nicht schwer. Einzig an der Front habe ich Menschen gesehen, die noch grauenhafter entstellt waren, aber die hatten wenigstens ein Glück: sie schafften es nicht.“

Kern der Handlung ist aber der Mord an der Mutter, der am Ende sogar aufgeklärt wird. Auf die unglücklich verheiratete Ehefrau, hatten auch noch andere Männer ein Auge geworfen. Der Roman wird, wie es heißt, derzeit verfilmt. Wie und von wem sollte man den Autor bei den Lesungen fragen.

Kris Van Steenberge präsentiert sein Buch „Verlangen“. Heute: 19.30 Uhr. Zossen, Kirchplatz 7, Altes Haus. Morgen: 20 Uhr. Potsdam. Große Weinmeisterstraße 46/47, Villa Quandt. Freitag: 19.30 Uhr. Premnitz, Mozartstraße 1, Villa am See.

 

Von Karim Saab

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