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Kultur „Der gestiefelte Kater“ handelt von Liebe und Personalabbau
Nachrichten Kultur „Der gestiefelte Kater“ handelt von Liebe und Personalabbau
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21:43 16.11.2016
Der König (Julian Mehne), die Prinzessin (Juliane Götz), Müllerssohn Hans (Gregor Knop) und der Gestiefelte Kater (David Kramer). Quelle: FOTO: HL Böhme
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Potsdam

Das diesjährige Weihnachtsmärchen am Potsdamer Hans-Otto-Theater (HOT) parodiert das Ausquetschen der menschlichen Arbeitskraft, das in der kapitalistischen Arbeitswelt derzeit viele Mamas und Papas am eigenen Leib erfahren. Weil der König meint, sparen zu müssen, entlässt er seinen Hofstaat. Bis auf den Vertrauten Gustav, der nun die Arbeit des Jägers, des Kochs, des Hoffnarren, des Erziehers usw. mit erledigen soll. Als der „Alleskümmerer“ dann kollabiert, wird er vom König wegen Unfähigkeit auch noch gefeuert.

Thomas Freyer hat das Grimms Märchen „Der gestiefelte Kater“ in munteren Dialogen für neoliberale Zeiten neu erzählt. Am Mittwochvormittag folgten die Kinder ab sechs der Premieren-Vorstellung gebannt, obwohl das Stück weniger auf eine Identifikationsfigur setzt. Für Faszination sorgen zunächst die klug gewählten Kulissen und die skurrilen Kostüme von Iris Kraft. Ein großes quergelegtes Mühlrad erstreckt sich als Raumteiler über die halbe, oft rotierende Drehbühne. In der Mitte befindet sich das Schloss. In der Geschichte geht es ja darum, dass ein Müllerssohn durch die List seines merkwürdigen Katers die Prinzessin zur Frau bekommt.

Hausregisseurin Kerstin Kusch lässt die fünf Schauspieler, von denen keiner dem 25-köpfigen HOT-Ensemble angehört, zur Einstimmung musizieren. Mit Saxophon und Akkordeon, Klavier und Trompete, Flöten und Schlagzeug erzeugen sie eine spritzige Grundstimmung. Mit den Instrumenten begleiten sie zwei, drei Lieder. Nur leider verfügt der Kater (David Kramer) über keine charismatische Stimme. Das ist aber auch schon das Einzige, was sich an den jungen Schauspielern bekritteln lässt. Im gestischen Spiel gelingen ihnen groteske Überzeichnungen. An Feinsinn sticht Julian Mehne als König heraus. Gregor Knop zeigt einen Hans, der wirklich nicht weiß, wie ihm geschieht. Und Jan Kersjes als komischer Diener Gustav hat die Lacher schnell auf seiner Seite. Juliane Götz als verwöhnte, aber lernfähige, also gar nicht dumme Prinzessin tröstet darüber hinweg, dass es nur diese eine weibliche Rolle in Aufführung gibt.

Doch irgendwie gelingt es der Regie nicht, dass sich am Ende ein Glücksgefühl einstellt, wenn sich die Prinzessin und der Müllersohn kriegen. Die Intention, das Wort mit musikalischen Mitteln zu unterstützen, bleibt auf der Strecke. Am Ende muss es irgendwie schnell gehen. Ein exotisches „Hakuna Matata“ („alles in bester Ordnung“) sorgt kurz für einen etwas rätselhaften Stimmungsumschwung. Und die Selbstverwandlung des bösen Zauberers in Elefant, Löwe und Maus wird dann nicht mit theatralen Mittel dargestellt, sondern unoriginell als kleines technisches Spektakel.

Der Alleskümmerer Gustav wird zu seinem Leidwesen vom König dann doch wieder eingestellt. Dabei war er gerade dabei, die schönen Seiten der Freizeit zu entdecken. Nun beginnt sich der Diener erneut wie ein Hamster im Rad zu drehen und sagt bizarre Sätze wie „Ich bin ein Huhn, bringe mich an den Tisch und lasse mich essen, bringe mich als Teller zurück in die Küche...“

Eigentliches Happyend der Inszenierung ist eine Ankleide-Szene. Gustav bringt dem nackten Müller einen vornehmen Mantel und „die wunderbaren Schühchen, in denen hat mein Vater schon seinen Tritt gefunden“. Da das Potsdamer Theater über eine eigene Schusterei verfügt, lohnt sich ein Blick auf das Schuhwerk der Figuren.

Bis zum 26. Dezember wird die 70-minütige Inszenierung etwa 30 Mal gespielt. Für das Hans-Otto-Theater ist das Weihnachtsmärchen im großen Haus traditionell ein wichtiger Quotenbringer für die Besucherstatistik.

Karten unter 0331/98 11 8.

Von Karim Saab

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