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Desirée Nick: Darum lebe ich in Brandenburg

MAZ-Interview Desirée Nick: Darum lebe ich in Brandenburg

Gerade ist sie mit ihrer Show „Retro-Muschi“ in der Berliner Bar jeder Vernunft zu sehen. Im MAZ-Interview sagt Desirée Nick, was es damit auf sich hat. Und sie sagt, warum sie seit Neuestem in Brandenburg wohnt und was sie an den Märkern schätzt.

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Desirée Nick lebt jetzt in Brandenburg.

Quelle: dpa-Zentralbild

Potsdam. Desirée Nick, 58, wurde als Dschungelkönigin bekannt. Die Frau mit den vielen Talenten hat in den vergangenen Jahren viel Theater gespielt. Jetzt schwingt sie in der Berliner Bar jeder Vernunft die Peitsche.

MAZ: Frau Nick, Sie sind jetzt Brandenburgerin. Was hat Sie denn ins Havelland gezogen?

Desirée Nick: Ich habe nach einem schönen Haus mit einem großen Garten gesucht und das habe ich in Falkensee gefunden. Der Ort ist nicht so weit entfernt von Berlin, so dass ich nach meinen Vorstellungen abends immer wieder nach Hause fahren kann, ohne das es eine große Reise wird. Jetzt lebe ich seit knapp einem halben Jahr dort und fühle mich dort wirklich heimisch. Mit Berlin verbindet mich aber immer noch mein Büro am Gendarmenmarkt.

Im Ort ist es ja sicher niemandem verborgen geblieben, dass Sie dort wohnen...

Nick: Ach, der Brandenburger ist doch unheimlich entspannt. Und wissen Sie was? Ich bin ja vom Blute her eine Ostlerin, meine Mutter ist aus Weimar, mein Vater aus Dresden, eine Oma kam allerdings aus dem Rheinland. Ich habe eine ordentliche Ladung abbekommen von jeder Region Deutschlands, in der Humor groß geschrieben wird: Berliner, rheinischer und sächsischer Humor. Diese Mischung ist unschlagbar und davon lebe ich. Hier steckt nicht das Geld eines Mannes drin oder ein Erbe, sondern das Geld, das ich in vielen Vorstellungen, Tourneen, zahlreichen Lesungen und vielen Shows und Theaterauftritten verdient habe.

Sie haben sich als Alleinerziehende durchgeschlagen und durchgesetzt.

Nick: Ich habe nicht vergessen, wie schlecht damals über mich gesprochen wurde. Um Gottes Willen, dieser windige Beruf! Wer wird denn heutzutage Schauspielerin? Und dann auch noch einen unehelichen Sohn! Das kann ja nur schiefgehen, so lautete die Prognose. Nun sind 20 Jahre vergangen und ich bin den Weg gegangen und ich weiß, wie schwer er war. Was mir immer den Rücken gestärkt und Kraft gegeben hat und worauf ich mich immer gestützt habe, sind meine Fans. Die waren immer da. Es ist mittlerweile eine ganze Community entstanden, da kommen manche ja schon mit ihren eigenen Kindern. Und das ist toll.

Frau Nick, Sie sind sehr umtriebig, in vielen Genres und auf unterschiedlichen Bühnen zu Hause.

Nick: Ja, ich will mich doch nicht langweilen! Ich mache immer wieder etwas Neues. Im Dezember trete ich an der Komischen Oper auf, in Emmerich Kálmáns Operette „Die Zirkusprinzessin“ bin ich die Zirkusdirektorin Stanislawski, Der Intendant Barrie Kosky führt Regie. Gerade habe ich die Wirtin im „Weißen Rössl“ in Bremen am Theater gespielt, nächstes Jahr stehe ich mit Manon Straché in dem zwei-Personen-Stück „Bette and Joan“ auf der Bühne des Ernst-Deutsch-Theaters in Hamburg. Die künstlerische Entwicklung geht immer weiter.

Vielseitige Künstlerin

Desirée Nick hat zunächst eine klassische Ballettausbildung absolviert und war Mitglied im Ensemble der Deutschen Oper in Berlin. Später studierte sie katholische Theologie für das Lehramt, entschied sich dann doch für eine Laufbahn als provokante Entertainerin.

Ende 2004 nahm sie an der RTL-Produktion „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“ teil und wurde per Zuschauervotum zur Dschungelkönigin gewählt.

Ihr Buch „Eva go home!“ war die Antwort auf „Das Eva-Prinzip“ von Eva Herman und wurde über 300 000-mal verkauft.

Mit Heinrich Prinz von Hannover war die gebürtige Berlinerin liiert. Sie haben einen gemeinsamen Sohn.

Sie mögen das Kontrastprogramm, Sie haben keine Berührungsängste mit populärer Kultur, Sie waren im Dschungelcamp und im August gehen Sie in den Promi-Big-Brother-Container.

Nick: Was Barrie Kosky predigt und wofür er an der Komischen Oper umjubelt wird, mache ich schon seit 35 Jahren. Für mich gibt es keinen Unterschied zwischen e und u, es gibt populäre Kunst und es gibt traditionelles, klassisches Material. Man kann Theater doch auch nicht mit Fernsehen vergleichen. Das ist genauso als ob man eine Currywurst mit einem Drei-Sterne-Dinner vergleicht. Es sind zwei unterschiedliche Baustellen. Ich habe schon immer Trash mit Hochkultur verknüpft. Meine Jugend habe ich schließlich im Ballett-Ensemble in der Deutschen Oper Berlin verbracht. Das darf man nicht vergessen. Und wenn ich jetzt an der Komischen Oper auftrete, kehre ich dorthin zurück, wo ich herkomme.

Das Programm, mit dem Sie ab Dienstag in der Bar jeder Vernunft auftreten, heißt Retro-Muschi. Was ist das denn für ein Titel?

Nick: In Brandenburg heißt doch jede dritte Katze Muschi und auch der ehemalige bayerische Ministerpräsident Stoiber nennt seine Ehefrau so. Das ist ein etablierter Name. Und Retro bezieht sich auf das Liedgut. Ich singe Lieder aus der Zeit der Goldenen Zwanziger und ich sage mir, was damals als frech und frivol gegolten hat, kann es 100 Jahre später nicht immer noch sein! Die Welt ist eine andere geworden und deshalb stelle ich die Lieder von Kurt Weill oder Friedrich Hollaender in einen neuen Kontext und transportiere sie ins Hier und Jetzt. Die Musik ist Vintage, und die Frivolität ist Avantgarde.

Sie schreiben Ihre Texte selber. Eines ist Ihrer Lieblingsthemen ist das weibliche Geschlecht.

Nick: Ich habe immer schon alle meine Texte selber geschrieben. Ich brauche keinen Schreiber, ich könnte für andere schreiben! Und meine Themen sind immer aktuell. Aber die Wahrnehmung von Frauen heutzutage ist natürlich eine Steilvorlage. Wie werden Frauen dargestellt, 40 Jahre nach der Frauenbewegung? In Lila Latzhosen gingen Frauen damals auf die Straße und verbrannten ihre BHs. Und ? ist Kim Kardashian in. Das wirft natürlich Fragen auf: Warum zurück zur Fantasyfigur Frau? Und auch dieser Optimierungszwang, unter dem Frauen stehen. Man muss sich dafür entschuldigen, wenn man ungeschminkt herumläuft.

„Retro-Muschi“ läuft vom 28. Juli bis 11. August in der Bar jeder Vernunft, Schaperstraße 24 in Berlin-Wilmersdorf. Karten: 030/883 15 82.

Von Claudia Palma

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