Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Kultur Potsdamer Hannes Schilling hofft auf kleine Lola
Nachrichten Kultur Potsdamer Hannes Schilling hofft auf kleine Lola
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
01:15 30.11.2018
Andi Retzlaff und Christa Ostolski in einer Szene aus dem Film „Nach dem Fest“ von Hannes Schilling Quelle:  
Potsdam

Andi sitzt in der Essensausgabe einer kirchlichen Einrichtung und schlürft seine Suppe. Abgekämpft und müde sieht er aus, das Leben auf der Straße hat Spuren in seinem Gesicht hinterlassen. Nach der Stärkung zieht er weiter, läuft einsam durch die Stadt, immer auf der Suche nach etwas Verwertbarem. Bis er am Abend Sandra trifft. Auch sie ist wohnungslos, hat aber zunächst kein Interesse, mit Andi zusammen nach einem Unterschlupf für die kalte Nacht zu suchen. Schließlich landen die beiden doch in einer Laube. Andi erhofft sich ein bisschen Liebe, er bedrängt Sandra und es beginnt ein Ringen um Nähe und Distanz.

Andi und Sandra sind die Protagonisten in dem Film „Nach dem Fest“ von Hannes Schilling, mit dem der Regie-Student der Babelsberger Filmuni ins Rennen um den Deutschen Kurzfilmpreis geht, der Mittwoch im Potsdamer Waschhaus vergeben wird. Ebenfalls nominiert ist die Filmuni-Studentin Sophia Bösch mit ihrem Film „Rå“, der eine Initiationsgeschichte erzählt.

Hannes Schilling hat in Hilfseinrichtungen recherchiert

In knapp 15 bewegenden Minuten zeigt der 29-Jährige, wie sich zwei Menschen zwar nach Nähe und Zärtlichkeit sehnen, aber das Vertrauen dafür am Ende nicht reicht. Regisseur Hannes Schilling weiß, wovon er erzählt. Mehrere Wochen hospitierte er in Übergangshäusern für Wohnungslose, recherchierte in Hilfseinrichtungen wie der Creso in Potsdam, in der Berliner Stadtmission Lehrter Straße und am Zoo. Und er war in der Stadt unterwegs. „Ich habe viele einsame Leute gesehen, die sich nach Wärme sehnen. Aber das Leben auf der Straße ist geprägt von Gewalt. Diese Erfahrung macht es schwer, sich auf jemanden einzulassen“, sagt der gebürtige Erfurter. Ein Zündstoff, der ihn zu diesem Film angetrieben habe.

Beide Hauptdarsteller lebten auf der Straße

Zunächst entwickelte er eine dramaturgische Skizze. „Wir wollten kein Drehbuch, in dem stand, wie wir uns das Leben von Obdachlosen vorstellen.“ Authentisch sollte es sein, deshalb hat er die Rollen auch mit Betroffenen besetzt. Die beiden Hauptdarsteller Andi Retzlaff und Christa Ostolski haben lange auf der Straße gelebt und gerade erst eine feste Bleibe gefunden. Mit ihnen zusammen hat er das Drehbuch und die Szenen erarbeitet. „Beide hatten viele tolle Einfälle und große Lust zu spielen“, erzählt Hannes Schilling. Da gibt es einen Tanz zu dem Schlager „Schreib es mir in den Sand“ von Frank Schöbel und lustige Wortspiele. Dann wieder herrscht ein rauer Ton, Andi wird übergriffig, will Sandra berühren. „Es war schwierig, diese Szenen zu drehen, weil Christa schon Gewalt auf der Straße erlebt hat.“ Sehr behutsam und mit viel Geduld habe man sich herangetastet.

Experimente mit Super-8-Kameras

„Nach dem Fest“ ist ein großartiges Beispiel dafür, wie intensiv und aufwühlend man eine Geschichte in kurzer Zeit erzählen kann. Bislang hat Hannes Schilling sich auf Dokumentarfilme konzentriert, die aber nicht weniger eindringlich sind. Stets beobachtet er Menschen, beiläufig und ohne zu urteilen. Wie in dem Kurzfilm „Stilles Örtchen“, in dem er die 62-jährige Ingrid porträtiert, die sich um die Toiletten eines Einkaufszentrums kümmert. Oder in „Mister James“, der einen Pilger in Jerusalem zeigt, von dem man am Ende nicht weiß, ob er ein echter Gläubiger oder ein Schnorrer ist.

Seit 2015 Regiestudium an der Filmuni Babelsberg

Hannes Schilling hat schon als Jugendlicher begonnen, mit den analogen Kameras seines Vaters zu fotografieren. „Als ich wusste, wie man Filme einlegt, ging es los.“ Kurz darauf kaufte er sich Super-8-Kameras und experimentierte mit bewegten Bildern. Mit 17 verließ er Erfurt, ging nach Wien, um bei einem Praktikum in einer Postproduktionsfirma das Montieren zu lernen. „Ich wollte eigentlich Fotograf oder Kameramann werden, aber dann entdeckte ich die Regiearbeit.“ Nach einem Studium der Audiovisuellen Medien in Berlin begann er 2015 noch ein Regiestudium an der Filmuni Babelsberg.

Das nächste Projekt steht schon fest

Das nächste Filmprojekt ist eine Langzeitbeobachtung über den Bau der ersten Moschee in Thüringen. Wie gehen die Anwohner damit um? Welche Probleme hat die muslimische Gemeinde, dort eine Heimat zu finden? Hannes Schilling wird sich wieder Zeit nehmen für die Menschen. Und genau hinsehen.

Von Claudia Palma

Die Band hat mit ihrem Konzertveranstalter eine einstweilige Verfügung gegen die Ticketbörse durchgesetzt – doch Karten werden bei Viagogo noch immer angeboten. Warum?

27.11.2018

Er wurde nur 53 Jahre alt und starb nach kurzer schwerer Krankheit. Rolf Hentrichs Radierungen bleiben.

30.11.2018

Generationen von Kindern haben die Abenteuer der „Fünf Freunde“, der „Schwarzen Sieben“ und die Internatsgeschichten über Dolly sowie Hanni und Nanni verschlungen. Vor einem halben Jahrhundert starb die britische Bestseller-Autorin.

27.11.2018