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Kultur Sophia Bösch: Die Zukunft ist weiblich!
Nachrichten Kultur Sophia Bösch: Die Zukunft ist weiblich!
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15:06 29.11.2018
Die Gewinnerin Sophia Bösch ist Regie-Studentin an der Filmuniversität Babelsberg. Quelle: Bernd Gartenschläger
Potsdam

Die Babelsberger Regie-Studentin Sophia Bösch konnte am Mittwochabend im Waschhaus die Korken knallen lassen. Sie gewinnt mit ihrem Film „Rå“ den Deutschen Kurzfilmpreis und kann sich über ein Preisgeld von 30.000 Euro freuen. „Ich bin so aufgeregt, dass ich nicht denken kann“, sagte sie in ihrer Dankesrede.

Ein bisschen Gold, ein bisschen Glitzer. Auf dem rotem Teppich bei der Gala der kleinen Lola strahlte die Deutsche Film-Prominenz. Die MAZ war dabei.

Der Film „Rå“ erzählt die Coming-of-Age-Geschichte der 16-Jährigen Linn. Bei ihrer ersten Elchjagd in den Wäldern Schweden will sie in den Kreis der eingeschworenen Jagdfreunde ihres Vaters aufgenommen werden. Mit dem Schuss auf eine Elchkuh, läuft die Jagd aus dem Ruder. Sophia Bösch thematisiert in „Rå“ ungerechte geschlechtsspezifische Rollenzuweisungen von Frauen, Selbstbestimmung und letztlich auch Machtkämpfe.

Selbstbewusste Frauen in Filmbranche

Erstmalig hält bei der von der Filmuniversität Babelsberg veranstalteten Preisverleihung der kleinen Lola kein Jury-Mitglied, sondern Film-Prominenz die Laudatio auf die Gewinner. So passt die bekannte Tatort-Schauspielerin Maria Furtwängler besonders gut zur Gewinnerin. Denn Furtwängler ist Aktivistin für Frauenrechte und Diversität. „Der Film zeigt, wie sich Linn in einer Gruppe von Männern einen Platz erkämpfen muss“, sagt sie. „Sie haben es drauf! Dieses Selbstbewusstsein von Linn wünsche ich auch Ihnen.“

Furtwängler wies darauf hin, dass die fehlende Diversität auch „für unsere männerdominierte Branche“ gelte. Fast die Hälfte der Regie-Absolventen in Deutschland sei weiblich, aber nur jeder fünfte Film wird von einer Frau gedreht. „Gerade dieser Film ist in seiner Zusammensetzung für die Filmbranche unüblich“, sagt Bösch. Ihr Team besteht aus 80 Prozent Frauen. „Wir sind die Zukunft“, sagte sie abschließend.

Überraschende Förderung

Bösch bedankte sich sehr persönlich bei allen Mitwirkenden und grüßte ihre Großmutter auf schwedisch. Die von etwa 400 Gästen besuchte Gala wurde von Pegah Ferydoni kurzweilig moderiert. Überraschend flirtete sie Daniel Popat, Gewinner der Kategorie Spielfilm bis zehn Minuten, in seiner Dankesrede an. „Ich habe dich gestern auf Instagram gefragt, ob wir ein Eis essen gehen“, sagte er. Besonderen Beifall bekam das musikalische Duo „Lilly Among Clouds“ für ihre sentimentalen Pop-Balladen.

Aus 288 Einreichungen wurden insgesamt zwölf Kurzfilme in fünf Kategorien nominiert. Unter den Nominierten war auch ein zweiter Babelsberger Filmstudent: Hannes Schilling mit seinem Kurzfilm über Obdachlosigkeit „Nach dem Fest“. Die Gesamtförderung der Nominierten von 250.000 Euro verdoppele sich im nächsten Jahr, verkündete Monika Grütters (CDU). Das Preisgeld ist für eine Filmproduktion vorgesehen. In Böschs Fall wird es einen Langspielfilm mit ihrer Protagonistin Linn geben. „Der Langfilm ist noch in der Entwicklung, für mich ist dieser Kosmos noch nicht zu Ende erzählt. Ich will noch mehr darüber nachdenken, was es heißt, sich als Mädchen in dieser Welt zu beweisen“, sagt Sophia Bösch.

Von Jan Russezki

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