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Kultur Die Angst im Nacken
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12:23 22.02.2018
Auf der Flucht: Kaja (Andrea Berntzen) in dem Film „Utøya“. Quelle: Foto: Agnete Brun
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Berlin

„Alles gut, Mama“, sagt Kaja in ihr Handy. „Wir sind hier auf einer Insel, der sicherste Ort der Welt.“ Weniger als zwei Stunden zuvor ist eine Autobombe in Oslos Innenstadt hochgegangen. Kajas Mama macht sich Sorgen. Auf der Leinwand haben wir dokumentarische Explosionsbilder von Überwachungskameras gesehen.

Dann fallen die ersten Schüsse im Feriencamp auf Utøya am 22. Juli 2011. Sekunden später hetzen schreiende Jugendliche durch den Nadelwald. An diesem Tag sterben auf der kleinen Insel 69 Menschen, ermordet vom Rechtsterroristen Anders Behring Breivik.

Ohne Schnitt gedreht

Hoch spannend ist der Berlinale-Wettbwerbsbeitrag „Utøya 22. Juli“ von Erik Poppe - und es ist der bislang am heftigsten diskutierte. Will man, muss man sich so etwas anschauen? Der Regisseur meint schon. Er hat Überlebende beim Schreiben des Drehbuchs einbezogen und drei von ihnen nach Berlin mitgebracht. Poppe will den Opfern ihre Geschichte zurückgeben. Wir erleben den Anschlag an der Seite der tapferen Kaja (Andrea Berntzen), einer aus der Wirklichkeit destillierten Figur, um die Gefühle von Angehörigen nicht zu verletzen. Immer wieder peitschen Schüsse, hasten Kinder vor Kajas Augen vorüber. Ohne einen einzigen Schnitt verfolgen wir 72 Minuten lang Kajas Flucht zu den schützenden Felsen am Wasser. 72 Minuten hat das Morden gedauert. „Utøya 22. Juli“ ist ein Echtzeit-Thriller.

Viel näher dran am Terror kann man sich im Kino kaum fühlen. Das Problem ist nur: Wo wir sonst die Sicherheit der Fiktion genießen, wissen wir hier, dass es so gewesen muss. Darf man einem Film vorwerfen, dass er zu gut unterhält? Diesem hier schon.

Berlinale hat auch Kontrastprogramm zu bieten

Selbstverständlich hat ein Filmfestival, das auf sich hält, auch ein Gegenmittel parat: Der philippinische „Slowfilmer“ Lav Diaz belässt es dieses Mal bei knapp vier Stunden. Nun erzählt er „In Zeiten des Teufels“ von der Angst, die paramilitärische Einheiten während der Marcos-Diktatur in einem kleinen Dorf verbreiten. Für westliche Augen ist die Handlung jedoch kaum zu entschlüsseln. Gewalttaten werden in langen Einstellungen nur angedeutet. Das eigentlich Verwunderliche ist: Täter und Opfer singen gemeinsam, um sie herum zirpen die Grillen. Verglichen mit „Utøya“ kommt dieses Musical einer heilenden Kinokur gleich.

Zwischen diesen beiden Extremfilmen lieferte „7 Tage in Entebbe“ ordentlich gemachtes Unterhaltungskino: Deutsche und palästinensische Terroristen entführen 1973 eine Air-France-Maschine mit vielen israelischen Passagieren nach Uganda, um Gefangene freizupressen. Der brasilianische Regisseur José Padilha beobachtet die Täter (Daniel Brühl und Rosamund Pike) und genauso den israelischen Krisenstab, der zum (erfolgreichen) Gegenschlag ausholt - und schneidet das Ganze gegen die Bilder einer Ballettgruppe, in der die Freundin eines der israelischen Elitesoldaten tanzt.

Von Stefan Stosch

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