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Die Berliner Philharmoniker geben ein Konzert der Extreme

Musik Die Berliner Philharmoniker geben ein Konzert der Extreme

Béla Bartóks einzige Oper „Herzog Blaubarts Burg“ lässt sich getrost als „Thriller“ charakterisieren. Das „Seelendrama“ lotet die Abgründe eines Serienmörders aus. Davor grooven die Berliner Philharmoniker eine zeitgenössische Kompostion von HK Gruber. wie das?

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Sir Simon Rattle mit den Berliner Philharmonikern.

Quelle: foto: dpa

Berlin. Wer sich am heutigen Samstagabend in die Berliner Philharmonie aufmacht, um die dritte Ausgabe des neusten Husarenstücks von Sir Simon Rattle zu erleben, sollte auf einen extremen Stimmungsumschwung gefasst sein. So beschwingt und groovig das Konzert beginnt, so grausam und beklemmend klingt es aus. In beiden Fällen laufen Orchester und Solisten zur Bestform auf. Meister Rattle achtet darauf, dass die ganz großen Gefühle nicht mit ausuferndem Pathos intoniert werden.

HK Gruber, ein 74-jähriger Komponist aus Österreich, widmete sein Konzert für Klavier und Orchester dem sechs Jahre jüngeren Emanuel Ax. Der US-Amerikaner machte sich vor allem als Interpret von Schönberg und Hindemith einen Namen und spielte das Auftragswerk erstmals im Januar in New York. Dass die E-Musik der Moderne stets von den Entwicklungen im Jazz profitiert hat, ist bekannt. Doch mit einem so jazzigen Gestus dürfte Emanuel Ax vorher noch nie in die Tasten gehauen haben. Jede Volte, jede launige rhythmische und harmonische Verschiebung sind ihm vorgegeben und ausnotiert. Mit einer enormen Detailfreude bringt er die perlenden Motive oft auch gegen die satten Klangbögen des Orchesters zum Klingen. Das war eine großartige Leistung, auch wenn sein Swing dem weißen, akademischen Korsett verhaftet bleibt. Jazzmusiker wird man eben nicht über Nacht.

Nach der Pause stehen dann zwei Sänger im Zentrum. Die Mezzosopranistin Rinat Shaham aus Israel und der Bass Gábor Bretz aus Ungarn gestalten „Herzog Blaubarts Burg“ von Béla Bartók. Sie singen in ungarischer Sprache. Die deutsche Übesetzung ihres Dialogs, der starke poetische Bilder aufruft, wird in Schriftbändern über dem Orchester eingeblendet. Bartóks einzige Oper lässt sich getrost als „Thriller“ charakterisieren, das „Seelendrama“ lotet die Abgründe eines Serienmörders aus. Die Handlung und die Orchestermusik sind so emotional aufwühlend, dass sich eine szenische Umsetzung fast verbietet.

Die Frau ist verliebt in ein Monster von Mann und will das lange nicht wahrhaben. In seiner dunklen Festung möchte sie alle Türen aufreißen. Doch dahinter finden sich jedes Mal trügerische Schönheiten, an denen viel Blut klebt. Am Ende wird sie eine der vielen Frauen, die dieser Mann bereits auf dem Gewissen hatt. Hoffnungen und Horror werden durch ein gewaltiges Orchester mit Harfen, Pauken und Orgel ausgeschmückt. Die Sänger brillieren durch Understatement.

Aufführung: 18. März, 19 Uhr, Philharmonie, Berlin-Tiergarten.

Von Karim Saab

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