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„Die Defa war eine große Familie“

Filmstudio vor 70 Jahren gegründet „Die Defa war eine große Familie“

„Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ oder „Die Legende von Paul und Paula“ - bis heute haben die größten DEFA-Erfolge ihren Platz im TV-Programm. Vor 70 Jahren wurde die DDR-Filmgesellschaft gegründet – zwei Altgediente erinnern sich.

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Ex-Defa-Kollegen Werner Teichmann (l.) und Frank May.

Quelle: Julian Stähle

Potsdam. Luther, Lenin, Liebknecht – Frank May hatte sie alle. In der Maske. Der Stahnsdorfer war langjähriger Chef-Maskenbildner der Defa. Das volkseigene Filmstudio wurde am 17. Mai 1946, also kommenden Dienstag vor 70 Jahren gegründet. Der erste Film nach dem Zweiten Weltkrieg hieß „Die Mörder sind unter uns“ – und kam 1946 aus Potsdam-Babelsberg.

Ende der 1950er kam May zur Defa, war irgendwann auf historische Filme spezialisiert. Allein für Kinostar Rolf Hoppe („Mephisto“) fertigte er im Laufe der Zeit wohl etwa 40 Masken. „Wir sind noch heute befreundet“, sagt der 76-Jährige und schwärmt: „Die Defa war eine große Familie. Wir brauchten keine Ellenbogen. So eine Kollegialität habe ich nie wieder erlebt. Ich möchte diese gute, sinnvolle Lebenszeit nicht missen.“ Als Maskenbildner hatte May nicht nur die verantwortungsvolle Aufgabe, Schauspieler in Filmcharaktere zu verwandeln, sondern sei oft genug auch „Blitzableiter und Eheberater“ gewesen. „Die Maske war die Keimzelle des Drehtages: War morgens dort schon Krach, ging der Tag schief.“

Kinoplakat des ersten Defa-Films

Kinoplakat des ersten Defa-Films: „Die Mörder sind unter uns“. (1946)

Quelle: Defa-Stiftung

Für einen bis auf die Minute durchgetakteten Drehplan sorgte wiederum Werner Teichmann (83) als „disponierender Aufnahmeleiter“. Die ersten Schritte bei der Defa machte der gelernte Elektriker ab 1951 als Beleuchter, war seit „Sterne“ (1959) an nahezu allen Filmen des großen Regisseurs Konrad Wolf (1925–1982) beteiligt. „Ein wunderbarer Mensch.“ Die beiden ehemaligen Mitarbeiter der Defa, die wir zum Gespräch in einem Café in Potsdams historischer Mitte treffen, haben sich lange Zeit nicht gesehen. Sie sprudeln über vor Anekdoten. Herrlich diese, die Teichmann ausplaudert. Beim Dreh zu Wolfs „Der nackte Mann auf dem Sportplatz“ habe ihn Schauspieler Kurt Böwe (1929– 2000) gebeten, seine tägliche Gage zu verwahren. „Er wollte das Geld in sicheren Händen wissen, anstatt es in Berlin auf den Kopp zu hauen“, sagt der Potsdamer. „Am letzten Drehtag habe ich ihm die Mäuse dann mitgebracht.“ May steuert eine weitere Böwe-Story bei: „Morgens um sechs schmetterten Kurt und Rolf Ludwig ein Duett – da war Stimmung in der Bude!“ In Babelsberg habe „jeder Fünfte“ dem DDR-Filmstudio angehört, schätzt Teichmann. Mehr als 2000 Filmschaffende produzierten auf dem Gelände zwischen August-Bebel-Straße und Großbeerenstraße Augenfutter, manchmal bis zu 50 Projekte jährlich. Es war eine eigene kleine Welt mit Konsum, Kindergarten, Friseur, Betriebssportgemeinschaften, Sauna.

1Juli 1990

1.Juli 1990: Der volkseigene Betrieb Defa wird in die Defa-Studio Babelsberg GmbH umgewandelt. Einer der letzten Defa-Spielfilme ist „Die Architekten“ von Regisseur Peter Kahane. 1992 wurde das Filmstudio an den französischen Mischkonzern Compagnie Générale des Eaux verkauft. Geschäftsführer wurde Regisseur Volker Schlöndorff, der Zusatz „Defa“ aus dem Namen gestrichen.

Quelle: dpa-Zentralbild

Teichmann und May haben auch nach dem Aus der Defa 1992 in ihren Berufen gearbeitet. Einen Nachwende-Job lehnte er jedoch ab. „Ben Becker sollte Luther spielen. Ein Blonder! Das konnte nur eine schlimme Maske werden – aber bitte ohne mich!“ May freut sich über die internationalen Produktionen, die heutzutage im Studio Babelsberg entstehen: „Das hilft beim Überleben. Mit der kreativen Filmleistung der Defa – die Kulissenbauer ausgenommen – hat das nichts mehr zu tun. Das sind reine Dienstleistungen.“

Info: Am 1. Juni um 14.30 Uhr treffen sich ehemalige Defa-Kollegen zum Plausch im Potsdamer Café Matschke.

Von Ricarda Nowak

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