Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Kultur Die Früchte ihrer Arbeit
Nachrichten Kultur Die Früchte ihrer Arbeit
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:47 08.05.2018
In ihrer ersten Ausstellung in Potsdam zeigt Katharina Leubner Stillleben und figürliche Gemälde, die Pomonas Geschichte erzählen. Quelle: Fotos: B. Gartenschläger
Anzeige
Potsdam

Katharina Leubners Bilder leuchten. Da sind zuallererst die dominanten Farben: Farben, die nach vorne gehen, direkt auf den Betrachter zu. Schwer zu kombinieren mit anderen Ölgemälden. Die Malerin nennt ihre Bilder: laut. Nicht eine bestimmte Szenerie, sondern ein Blau oder ein Gelb malen wollen, das ist meistens ihre erste Intuition. „Ich habe immer noch die Hoffnung, neue Farben zu entdecken, so was wie Smaragdgelb oder Ultramarinrot. Alles andere macht mir keinen Spaß“, sagt die Künstlerin.

Arbeitsmaterial der Künstlerin Quelle: Bernd Gartenschläger

Vertumnus umgarnt Pomona – chancenlos

Vor einem Jahr war der Prozess ein anderer. Katharina Leubner entdeckte den Pomonatempel auf dem Pfingstberg, die Geschichte um die namengebende Baumfruchtgöttin begann sie gleich ins Bild zu setzen. Frauen und Freiheit, das sind für sie Kernthemen. „Pomona hat diesen schönen Garten und ist damit völlig zufrieden. Sie braucht nichts weiter, lässt Männer links liegen“, beschreibt die Malerin den Mythos in ihrem Atelier in Nedlitz, wo sie seit Dezember wohnt. Vertumnus umgarnt Pomona – chancenlos. Dann seine List: Er erzählt ihr in Gestalt einer alten Frau ein Gleichnis von einer Weinrebe und einer Ulme. Beide Pflanzen gehen eine Gemeinschaft ein. Sie stärken sich. Gegenseitig. Pomona nimmt sich das zu Herzen und Vertumnus an.

In Leubners Bilderreihe gibt es zwei hochformatige Porträts: Vertumnus’ aufrechter Kopf, dahinter flächiges Hellgelb, das bei der Brust noch einmal aufscheint, im Blick hat er ein fernes Ziel, ein Rahmen von Ulmenblättern um die Haare. Und das Porträt Pomonas: ihr Blick zu ihrem Bauch, vor dem sie ihre Hände hält, darin sind Trauben über Trauben, wie in einem Schoß. Die Früchte ihrer Arbeit. Nutzen und Zierde ganz nah beinander. Die Bilder stellt Katharina Leubner unter dem Titel „Schöpfung und Verlangen. Wie Pomona vom Reiz der Symbiose überzeugt wurde“ ab 31. März im Pomonatempel aus.

Die Künstlerin in ihrem Atelier in Nedlitz mit Zeichnungen aus ihrem Skizzenbuch, im Hintergrund: Bilder für die Ausstellung „Schöpfung und Verlangen. Wie Pomona vom Reiz der Symbiose überzeugt wurde“ Quelle: Bernd Gartenschläger

So eine beschworene Symbiose kann auch bedrohlich sein. Zwei andere, zusammengehörige Bilder zeigen einen liegenden „Vertumnus, sich anschleichend“. Pomonas Gelenke wirken gliederpuppenhaft, ihre Knie, Schultern, Knöchel wie von Extramuskeln oder Protektoren geschont.

Was zwischen Menschen stattfindet

Auf einem anderen Motiv lacht oder spricht Pomona zum Betrachter. Vertumnus hält sich am Spalier. Die beiden befinden sich mit Abstand Rücken an Rücken zueinander. „Und trotzdem haben sie diese Verbundenheit, ohne sich anschauen zu müssen“, sagt ihre Schöpferin. „In meiner Malerei geht es fast immer darum, was zwischen zwei Menschen stattfindet. Das ist bei Stillleben dasselbe. Es geht ums Korrespondieren, um den bestimmten Charakter, der sich dabei zeigt. Kontaktaufnahme, Nähe, Distanz. Vor allem reizt mich der Punkt, wenn eine Beziehung anfängt. Wie reagiere ich, was lerne ich kennen.“ Vertumnus, der sich wie Pak Choi entblättert. Pomona, die konzentriert am Boden arbeitet, von Früchten umhüllt, wie selbst in einer Fruchthülle, eine Zitrone vielleicht. Bananen, Basilikum, Tomaten. Eingetopft, aufgetischt, frei.

Das Skizzenbuch hat sie sich selbst genäht. Hier im Bild: Figuren für das buddhistische Wandgemälde, das Katharina Leubner derzeit mit Kollegen restauriert. Quelle: Bernd Gartenschläger

„Ich habe den Pinsel in der Hand, seit ich ihn halten kann“, sagt Leubner, die 1965 in Halle als Kind einer Kunsterzieherin und eines Architekten geboren wurde und in Wolfen aufwuchs. „Ich bin jeden Tag zum Zeichenzirkel gegangen, hab später Tischtennis gespielt, Leichtathletik und Musik gemacht. Für Kinder war das damals alles möglich. Das könnte man sich heute gar nicht leisten.“

Seit ihrem Dresdner Studienabschluss 1989 an der Hochschule für bildende Kunst arbeitet sie freiberuflich als Malerin und Restauratorin. „Ich konnte danach nur noch nach Berlin. Alles andere wäre piefiger gewesen.“ Zumal es Ende September und plötzlich viel mehr möglich war.

Ihre künstlerische Entwicklung begann während der Studienzeit mit Kohlezeichnungen von italienischen Stadtlandschaften und Orchestern, gefertigt aus dem Gedächtnis heraus. Erst später kam die Farbigkeit, kamen die Geschichten, eine Reihe mit Männern und Frauen im Gewächshaus beispielsweise. 1995 kaufte Katharina Leubner ein altes Haus mit großem Garten im Oderbruch. Drinnen malte sie und draußen spielten ihre beiden Töchter wochenendenlang. Eine fruchtbare Stelle, bis heute.

„Ganz schön viel Arbeit alleene“

Kunst, das war für sie auch immer harte Arbeit, vor allem als die Kinder kamen. Ihr Arbeitsrhythmus wurde anders, der Handlungsbogen ständig unterbrochen. Bei ihren Männern, die sich abends Kreuzworträtseln oder anderweitig sich selbst widmeten während Leubner die Wäsche legte, spürte sie eine Eifersucht auf ihre Kunst. Die meiste Zeit alleinerziehend hat die Mutter, wenn das familiäre Tagwerk erledigt und die Kinder im Bett waren, nachts bis halb zwei an der Staffelei gesessen und stand halb sieben wieder auf. „Das war ganz schön viel Arbeit alleene.“ Alle großen Künstlerinnen, die ihr einfallen, „sind kinderlos oder unter der Geburt gestorben“. Leubner arbeitete während ihre männlichen Kollegen Kontakte knüpften, aber sie tat das reuelos. Sie habe sich ausprobiert und hat ausgestellt: in Leipzig, Frankfurt, Dresden, Bonn, Karlsruhe, Bochum, Berlin. 1999 erhielt sie einen von der IG-Metall gestifteten Kunstpreis.

Als Restauratorin arbeitet Leubner aktuell ein buddhistisches Wandgemälde für ein Berliner Museum auf, sonst polychromierte Holzfiguren, zuletzt einige Taufengel, Wandmalerei, Gemälde. Auch Gutachten für denkmalgeschützte Häuser gehören zu ihrem Repertoire. „Die Restauration erfordert, dass ich mich vollständig zurücknehme. In der Malerei dagegen muss ich mich voll rausholen. Der Künstler beutet sozusagen seine persönliche Mythologie aus und breitet sie aus.“ Ihr aktuelles Kunstprojekt, zumindest das volumenmäßig größte, ist ein Marienaltar. Maria im Rosengarten im Mittelpunkt, umrahmt von vier großen Gemälden heiliger Frauen an den Seiten, darunter Magdalena, Dorothea, Barbara. Ob und wo dieser einem Publikum gezeigt werden könnte, ist noch offen, aber auch nicht entscheidend. In ihrem Atelier finden sich auch Leporellos, die noch nie öffentlich zu sehen war. In den kleinformatigen Faltbüchern illustriert die Künstlerin Geschichten, eines zeigt zum Beispiel ein Gedicht der US-amerikanischen Lyrikerin Anne Sexton. Goethes „West-östlicher Divan“ ist auf einem Stapel alten Transparentpapiers verewigt.

Das unabdingbare Spiel mit Kontrasten

Dass sie katholisch groß geworden ist im Osten, erwähnt Katharina Leubner beiläufig. Die Prägung beschreibt sie als antrainiert, ihren Glauben als „etwas, das alles bündelt, wo man die Energie hinlenken kann“. Für sie gibt es ganz klar ein Oben und ein Unten. Dualismen. Positionen. Ein Spektrum, in dem etwas passiert. Ihre Bilder tragen Titel wie „Flucht in die Wolken“. Ein Spiel mit Kontrasten, unabdingbar für die Malerei.

Tagsüber entstehen bei ihr Skizzen. „Es ist unerlässlich zu üben. Ich zeichne jeden Tag“, sagt die Künstlerin. Ein kunstvoll-buntes Skizzenbuch mit Aquarellstiften hat sie sich dafür selbst genäht. Darin: Figurstudien, Details aus Gemälden anderer, Cezanne zum Beispiel, und Porträts. Wenn sich das Licht neigt draußen, kommen ihr die richtigen Ideen. Die sogenannte blaue Stunde, die letzte, die den Tag verdunkelt, ist Leubners liebste. Es geht dann besser, sich zu konzentrieren. Und wenn sie dann nicht weiterkommt an einem Werk, löscht sie das Licht. Dann scheinen nur noch die Konturen und Katharina Leubner sieht, was wichtig ist in ihren Bildern, was sich beim Malen erst im Kern herausgebildet hat.

Die Vernissage zu „Schöpfung und Verlangen. Wie Pomona vom Reiz der Symbiose überzeugt wurde“ findet am Samstag, 14 Uhr, statt. Die Ausstellung im Pomonatempel ist an Wochenenden von 14 bis 17 Uhr bis 21. Mai zu sehen. Am 6. Mai nimmt Katharina Leubner am Tag der offenen Ateliers teil.

Von Michaela Grimm

Der Bau der Potsdamer Garnisonkirche geht weiter voran. Um das Zehn-Millionen-Loch beim Bauetat zu füllen, hat die Stiftung einen Spendenkatalog aufgelegt. Für 2500 oder 5000 Euro können auch die 365 Stufen des Turmes symbolisch erworben werden. Kaufmann Siegfried Grube hat zu seinem 79. Geburtstag zugegriffen.

01.04.2018

Eigentlich wollte Brad sich mit seinem Sohn nur ein paar Colleges anschauen. Die Reise in Troys Zukunft wird zur zermürbenden Auseinandersetzung mit den eigenen verpassten Chancen. Ben Stiller macht die Tragikomödie „Im Zweifel glücklich“ (Kinostart am 29. März) sehenswert.

29.03.2018

Ein Junge kapselt sich von der Welt ab, seine Familie versucht, zu ihm vorzudringen und bleibt in der emotionalen Falle hängen: „1000 Arten, Regen zu beschreiben“ (Kinostart am 29. Mai) ist ein intensives Familiendrama über ein aktuelles gesellschaftliches Phänomen – mit Bjarne Mädel und Bibiana Beglau.

28.03.2018
Anzeige