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Kultur Die Götter sind auf dem Theaterschiff
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21:52 26.04.2018
„Brandneue Götter“ nach Kate Tempests preisgekröntem Langgedicht setzt auf Verfremdung. Quelle: Uwe Berner
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Berliner Vorstadt

„Brandneue Götter“ feiert Freitag auf dem Theaterschiff in Potsdam Premiere. Damit ist es das bisher einzige Haus, dass das preisgekrönte Langgedicht „Brand New Ancients“ der Ausnahme-Lyrikerin Kate Tempest aus Großbritannien aufführen darf – in lediglich sechs Vorstellungen.

Susanne Laser hat die Theaterfassung als Regisseurin erarbeitet. Es geht um die tragische Geschichte zweier benachbarter Familien und ihrer Kinder. In einer trostlosen, götterlosen Gesellschaft werden die Figuren zu Göttern. „Denn die Götter sind in uns“, heißt es im Stück. Sie stecken in einer Spirale, aus der sie nicht entfliehen können. „Unglückliche Erwachsene bekommen unglückliche Kinder. Aus diesen werden unglückliche Erwachsene – ein Teufelskreis“, sagt Laser.

Susanne Laser liefert mit "Brandneue Götter" nach Kate Tempest preisgekröntem Langgedicht ihre zweite Regiearbeit. Quelle: Christin Iffert

Gewalt, Nöte, Hoffnungen und Enttäuschungen: In den beschiedenen Verhältnissen der neuen Götter und der Enge ihres Lebens wird der Gleichgültigkeit einer kapitalistischen Gesellschaft Humanismus und Einfühlungsvermögen gegenüber gestellt. Man könnte es auch „romantisierenden Kitsch“ nennen, der auf harte Gesellschaftskritik trifft. Ein Widerspruch, mit dem sich die Regisseurin theatralisch auseinander setzt und sich zunächst selbst die Frage stellte: „Wie kann ich das Publikum dazu bringen, ein Gefühl zu entwickeln?“ Denn das Thema selbst ist nicht bahnbrechend, die Umsetzung das Entscheidende.

Unterschiedliche Ansätze zum Hervorrufen von Emotionen

Also schuf Susanne Laser mit den vier Schauspielern Rüdiger Braun, Karen Schneeweiß-Voigt, Jördis Borak und Stefan Reschke eine gekürzte Fassung. Mehr eine Collage, denn eine Geschichte, die durch einen roten dramaturgischen Faden verbunden sei. „Es geht um die Schicksale, die Figuren und die Kräfte, die walten“, sagt die 30-Jährige. Laser lotet mit einer Wucht des Textes, wie ihn Kate Tempest bereits vorgab aus, was bei Menschen Emotionen hervorlockt.

Die klassische Tragödie soll die Menschen reinigen durch Schrecken und Tod. Aber braucht es Sensation und Brisanz? „Können wir auch über echtes Mitgefühl erreichen, dass die Leute am Ball bleiben?“, fragt Susanne Laser. Deshalb bietet sie in„Brandneue Götter“ den Zuschauern unterschiedliche Zugänge und lässt die Moral der Geschichte unangetastet. „Darüber kann man sich wirklich endlos streiten“, sagt Laser. Selbst im Team sei man sich uneins. Die Mehrdeutigkeit einzelner Aussagen bei Gedichten zu zerstückeln sei schwierig, außerdem hoch subjektiv.

Überreizt durch Bilder

Diesen ungewöhnlichen Weg, das Stück aufzubrechen und verschiedene Strategien einzusetzen, geht die Regisseurin auch, weil sie die Erfahrung gemacht hat, dass immer weniger Menschen ins Theater gehen. „Wir alle sind durch Bilder überreizt. Vielen ist das Theater zu langsam, zu unspektakulär geworden“, schätzt sie. Dass ein antikes Epos ein schwieriges Thema sei, um Zuschauer vor die Bühne zu locken, ist Laser bewusst. „Es ist schwer verdaulich, weil wir den Stoff eigentlich faszinierend finden, uns aber oft nicht damit identifizieren können.“ Das Interessante an „Brandneue Götter“ ist nun die Übertragung in die Moderne – optisch mit Lichtreizen und Verfremdung.

Von Christin Iffert

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