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Kultur Die Kammerakademie Potsdam spielt alte Raritäten
Nachrichten Kultur Die Kammerakademie Potsdam spielt alte Raritäten
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02:16 22.08.2015
Kammerakademie Potsdam Quelle: PR
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Potsdam

„Wie klingt ein Land oder eine Landschaft?“ Die Abonnenten der Sinfoniekonzerte der Kammerakademie Potsdam werden in der nächsten Saison mehrere durchkomponierte Antworten zu hören bekommen. 2015/16 stehen die Tschechische Suite von Antonín Dvořák, die Rheinische Sinfonie von Robert Schumann und die Italienische Sinfonie von Felix Mendelssohn Bartholdy im Programm. „Wir wollen nicht nur tolle Konzerte geben, sondern schlagen erstmals auch einen thematischen Bogen“, erläutert Alexander Hollensteiner, der seit einem Jahr die Strippen als Geschäftsführer zieht. Als Leitgedanke soll die Natur dienen, ein Begriff, der sich allerdings recht weit und fast beliebig auslegen lässt. Für Hollensteiner und seine Dramaturgin Solveig Schneider ist so ziemlich alles von der Natur durchdrungen, sei es die menschliche Stimme (die amerikanische Sopranistin Robin Johannsen singt deshalb Mozart-Arien), die Zeit (Joseph Haydn widmete dem „Morgen“ und dem „Mittag“ jeweils eine Sinfonie) oder auch die Familienbande (Beispiel Bach-Sippe, was sonst).

Aber es geht ja weniger um die Verpackung als um musikalische Inhalte. Kerngeschäft ist und bleibt die Pflege des Repertoires aus Barock, Klassik und Romantik. Einzelne Kompositionen von Zoltán Kodály, Igor Strawinski, Ernest Bloch oder Wolfgang Rihm schlagen die Brücke vom 19. ins 21. Jahrhundert. „Wir wollen keine obskuren Werke der Neuen Musik aufführen, entscheiden uns aber gern für Kompositionen, die nicht überall hoch- und runtergespielt werden“, sagt Hollensteiner. „So nutzen wir etwa die Popularität des Oboisten Albrecht Mayer, um von Johann Nepomuk Hummel (1778-1837) und Ignaz Moscheles (1794-1870) nahezu unbekannte Werke aufzuführen.“

Wie wird sich die Kammerakademie Potsdam (KAP) in den nächsten Jahren entwickeln? Chefdirigent Antonello Manacorda führt das Orchester seit 2010 mit ruhiger, fester Hand. Hollensteiner hofft, den gefragten Italiener halten zu können, der sich 17 Wochen im Jahr dem Hausorchester des Nikolaisaals widmet. „Unsere Kernkompetenz ist und bleibt die frühe Klassik – Haydn und Mozart. Dann gibt es aber auch noch die romantische Schubert-Linie“, erklärt Hollensteiner. Im Herbst erscheint bei Sony Classical die letzte CD mit den KAP-Einspielungen aller Sinfonien von Franz Schubert. Ein Zyklus mit Mendelssohns Streicher-Sinfonien könnte irgendwann folgen, deutet der Musikwissenschaftler an. Einen Kraftakt wie die Aufführung aller Beethoven-Sinfonien an vier aufeinanderfolgenden Abenden, wofür sich das Kammerorchester im Februar 2014 deutlich verstärkte, schließt Hollensteiner aus. „Unsere Leuchtturmmarke ist die Winteroper geworden“, sagt der 38-jährige Vater dreier Kinder und spielt damit auf den Erfolg der letzten Produktion „Betulia liberata“ an. Mozarts Jugendwerk wurde im Mai zu den Wiener Festwochen eingeladen. Für dieses Jahr übertrug er die musikalische Leitung an Bernhard Forck. Mit dem Spezialisten für Alte Musik hat sich Hollensteiner 15 nahezu unbekannte Werke angehört, um sich am Ende für Alessandro Scarlattis Oratorium „Cain und Abel“ zu entscheiden, das nun Ende November in der Friedenskirche Sanssouci szenisch aufbereitet wird.

In der abgelaufenen Saison stellten die Musiker der Kammerakademie, die sich in einer GbR (Gesellschaft bürgerlichen Rechts) zusammengeschlosssen haben, 75 Projekte auf die Beine und führten 125 Aufführungen durch. „Der Eigenfinanzierungsanteil liegt bei uns trotz der relativ geringen Eintrittspreise bei 40 Prozent, andere Orchester kommen da nur auf 15 bis 20 Prozent“, sagt er. „Das liegt daran, dass wir viel auf Gastspielreisen gehen, aber auch an unserer extrem schlanken Verwaltungsstruktur“, so Hollensteiner. Fünf volle Stellen müssen für die Organisation reichen, während die Musiker alle als Ich-AGs agieren. Für sie gibt es keinen Arbeitgeber, der sich an den Krankheits- oder Rentenkosten beteiligt. Hier sieht sich Hollensteiner in der Pflicht. „Wir müssen mit unseren Zuschussgebern darüber verhandeln, was sich tun lässt, um unsere Künstler sozial besser abzusichern.“

Von Karim Saab

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