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Nachrichten Kultur Dem Orchester fehlt bei Tourneen die Legitimation als „Kulturbotschafter“
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01:17 10.09.2018
Geschäftsführer Alexander Hollensteiner mit dem aktuellen Saisonprogramm. Quelle: mueller_m
Potsdam

An der Orchesterlandschaft in Deutschland lässt sich die gesellschaftliche Entwicklung ablesen. „Spitzenorchester und Topsolisten erzielen immer höhere Preise. In der Mitte aber dünnt sich die Pyramide aus – die Mittelschicht bricht weg“, sagt Geschäftsführer Alexander Hollensteiner. Er sitzt im lauschigen Innenhof des Nikolaisaals, dem Sitz der Kammerakademie Potsdam, und denkt darüber nach, wo die KAP steht und wie es weiter gehen könnte. „Wir wollen in die Spitze“, sagt er unmissverständlich.

Nach den Einspielungen der Schubert-Sinfonien, die 2015 mit dem Klassik-Echo belohnt wurden, stehen derzeit Konzerte und Aufnahmen von Mendelssohn-Bartholdy-Kompositionen auf der Agenda. Dirigent Antonello Manacorda setzt auch bei großen Orchesterwerken, die sonst gern füllig und wuchtig intoniert werden, auf Transparenz und Dynamik – Eigenschaften, die den Potsdamern hoch angerechnet werden. Eine Südamerika-Tournee sowie Gastspiele in der Hamburger Elbphilharmonie brachten dem Klangkörper 2017 neues Renommee ein. Erfolgsrezept war hier die gewachsene Zusammenarbeit mit international hoch gehandelten Stars wie dem Flötisten Emmanuel Pahud oder dem Pianisten Fazil Say, die allerdings auch beträchtliche Gagen kosten.

„Bei den Tourneen müssen wir bisher finanziell bei Null rauskommen, was nicht ganz einfach ist. Dafür, dass wir bei Gastspielen auch als Kulturbotschafter der Landeshauptstadt auftreten, fehlt uns bisher die politische Legitimation der Zuwendungsgeber“, sagt der 41-jährige Manager. Die KAP wird von Stadt und Land etwa zur Hälfte finanziert und unterscheidet sich in ihrer Konstruktion von Staatsorchestern, die bis zu 90 Prozent von der öffentlichen Hand bekommen. Die Mitglieder der KAP sind keine Angestellten, sondern bilden als freie Unternehmer eine gemeinnützige GmbH.

In der Tat ist es eine kulturpolitische Frage, ob für die Konzerte außerhalb von Potsdam und Brandenburg Steuermittel von Potsdamern und Brandenburgern eingesetzt werden dürfen. In dieser Saison, die bereits am 24. August im Nikolaisaal mit Schuberts 8. Sinfonie eröffnet wurde, ist eine Tour durch zehn tonangebende deutsche Konzertsäle geplant, darunter die Elbphilharmonie, die Philharmonie Köln und die Tonhalle Düsseldorf. Zugpferd diesmal ist die Klarinettistin Sabine Meyer, die gern als Primadonna assoluta bezeichnet wird. Sie spielt Mendelssohn Bartholdys Klarinettenkonzert – in Potsdam am 3. November.

Alexander Hollensteiner nimmt aber auch die Bildungsarbeit vor Ort sehr ernst. Das „Projekt Stadtteil macht Oper“ im Neubaugebiet Drewitz bleibt eine Herzensangelegenheit. Auch in den nächsten Monaten werden wieder zahlreiche Konzerte eigens für Kinder aufgelegt. „Dass Jugendliche in der Pubertät in der Regel nicht in die Sinfoniekonzerte kommen, erachte ich als normal. Studien besagen, wer im Kindesalter mit klassischer Musik vertraut gemacht wurde, kommt nach der Pubertät wieder“, sagt der dreifache Vater. Gemeinsam mit zwei Potsdamer Professoren, der Marketingspezialistin Uta Herbst und dem Musikwissenschaftler Christian Thorau, plant Hollensteiner eine Nichtbesucherstudie. „Wir wollen wissenschaftlich untersuchen, warum Besucher wegbleiben und wie ein Konzert auf sie wirkt, wenn wir sie überreden.“

Auf Seiten der Musiker gibt es keine Nachwuchssorgen. Dank einer Stiftung des Rechtsanwaltes Jochim Sedemund, der 2001 die KAP mit gegründet hat, ist die KAP für junge Absolventen der Musikhochschulen ab sofort eine attraktive Adresse. Die Weichen in Richtung musikalische Spitze gestellt.

Von Karim Saab

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