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11:42 09.03.2018
Das russische Klavierduo Maria Ivanova und Alexander Zagarinskiy aus Kleinmachnow. Quelle: Florian Ahatli
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Kleinmachnow

Maria Ivanova sagt, wenn man zu zweit an einem einzigen Klavier sitzt, muss man das Eheleben ausschalten. „Es ist nicht leicht, die Tastatur zu teilen“, sagt sei und lächelt: „Mit einer Geige ist das einfacher, sie gehört dir immer ganz alleine.“ Doch Ivanova findet mühelos das Argument für ihren Flügel als das beste aller Instrumente, einen Bechstein, der in Kleinmachnow (Potsdam-Mittelmark) steht: „Zu zweit lotest du die Resonanz des Instruments vollkommen aus.“ Das ist eine Herausforderung. Für die Musik. Und für die Partnerschaft.

Vier Hände für Diskant und Bass

Ohne Probleme haben sie und ihr Mann, Alexander Zagarinskiy, die Arbeitsteilung an der Tastatur gefunden. Maria Ivanova, 47 Jahre alt, spielt die hohen Töne, den Diskant, „ich dringe eher durch.“ Ihr Mann greift den Bass, „er ist geerdet“. Wenn die Probe vorbei ist, „kehren wir zurück ins normale Leben“ – wo es nicht mehr um Diskant und Bass geht, sondern um Balance.

Ja, es sei leichter, mit dem Ehepartner vierhändig zu spielen, man könne häufig üben, man sehe sich ja ständig. Ein musikalischer Partner, engagiert für ein Projekt, könne diese Feinjustierung nicht so leicht entwickeln. Ivanova und Zagarinskiy proben oft, die Musik ist ihr Zusammenleben ohne Worte, auch das kann einer Ehe helfen. Sie spielen gerne nachts, „das hat sich so ergeben“, erzählt Ivanova, „der Rhythmus von Berufsmusikern zielt auf die Abendstunden, wenn Konzerte stattfinden.“ Schleichend hat sich auch das Proben in die Dunkelheit verlagert. „Musiker sind keine guten Nachbarn“, sie macht sich da nichts vor. Musiker sind laut. Und gehen spät ins Bett.

In Brandenburg sind die Menschen noch nicht wund gescheuert

Darum hat sie sich mit ihrem Mann in Brandenburg umgeschaut, wo das Land weit ist und die Menschen noch nicht wund gescheuert von der Nähe zu den Nachbarn sind – wie in der Großstadt, wo man sich nicht kennt, aber das Leben der anderen durch dünne Wände zu hören ist. Seit 2015 leben sie in Kleinmachnow. „Wir haben unseren Übungsraum gewissenhaft gedämmt, niemand hört etwas“, sagt Ivanova.

Live in Konzert und Radio

Maria Ivanova und Alexander Zagarinskiy wurden in Moskau geboren. Sie studierten am dortigen Tschaikowsky-Konservatorium und setzten ihre Ausbildung an der Universität der Künste Berlin und am Salzburger Mozarteum fort.

Das Paar wohnt seit 2015 in Kleinmachnow.

Ihr neues Album „César Cui: Piano Transcriptions“ erscheint am 16. März.

Live treten sie an diesem Samstag um 18 Uhr in der Johannes-Kirche in Berlin-Schlachtensee, Matterhornstraße 37/38 auf. Karten vorzubestellen unter 30/80902250.

Im Deutschlandfunk Kultur ist das Paar ebenfalls an diesem Samstag von 22-23 Uhr zu hören.

Vielleicht ist diese gute Isolierung für den Ort auch ein Verlust, denn was die beiden Russen spielen, zählt technisch zur ersten Liga – vor allem ist es musikalisch originell. „Wir haben uns in der Musikbibliothek umgeschaut, welche Stücke für vier Hände am Klavier noch nicht so häufig aufgenommen wurden“, erzählt Ivanova. Sie sind auf einen Landsmann gestoßen. César Cui ist kaum bekannt, er starb vor 100 Jahren und zählte zum „Mächtigen Häuflein“ in Russland, wie ein Kritiker sie damals nannte. Einen Kreis, zu dem auch die Komponisten Mili Balakirew, Alexander Borodin, Modest Mussorgski und Nikolai Rimski-Korsakow gehörten.

Der Romantiker César Cui passte nicht zur Russischen Revolution

Cuis Vater war Franzose, seine Mutter Litauerin, er sagte von sich selbst, „in mir fließt kein russisches Blut“. Der Tod für seine Karriere war die Russische Revolution von 1917, die vehement auf die russische Seele setzte, genau das, was Cui weder bieten konnte noch wollte.

Dieser Cui hat seine musikalischen Wurzeln in der Romantik, man hört Schumann heraus, auch Chopin. „Die Richtung entspricht meinem Temperament“, glaubt Maria Ivanova. Sie mag es, wenn es in der Musik ein bisschen zündelt und die Läufe perlen.

Klavierspielenlernen in Moskau

Sie durchlief in Moskau die russische Klavierschule, die weltweit als führende gilt. Mit sechs Jahren nahm sie Unterricht, „das genügt, man soll das Spielerische der Kindheit genießen, es ergibt keinen Sinn, schon mit vier zu beginnen“, sagt sie. In Russland sei der Unterricht preiswert, es gebe für Kinder zweimal in der Woche Unterricht, häufiger als in Deutschland. Und es werde eine ausgewogene Ausbildung geboten, die sich auf Theorie, Chor und Kammermusik stützt. Mit 14 Jahren war Ivanova sicher: Ich mache das Klavier zu meinem Beruf.

Ihr Talent fiel auf, über die Kontakte eines Professors erhielt sie ein Stipendium in Berlin. Und spürte, wie unterschiedlich dort Musik verstanden wird. „In Russland habe ich vor allem intuitiv gespielt, aus dem Bauch heraus. In Deutschland habe ich gelernt, den Klang zu analysieren und ihn passend zum jeweiligen Werk zu gestalten“, erzählt sie. Welcher Ansatz hat sich bei ihr durchgesetzt? „Heute spiele ich eine Mischung aus beidem, das ist das Optimum!“ Sie lacht.

In Kleinmachnow kehrt die internationale Klavierwelt ein

Mit ihrem Mann bringt sie die Klavierwelt nach Kleinmachnow. Schüler kommen aus allen Himmelsrichtungen, neulich hat sie jemanden aus Korea unterrichtet. Bisher hat es zu einem Konzert im Ort rein zeitlich nicht gereicht, doch ein Auftritt in der neuen Wahlheimat ist vorgesehen. Wenn auch noch nicht fixiert. Auch die Kleinmachnower sollen mitbekommen, wie sich in einer Ehe musizieren lässt. „Im besten Falle“, erzählt Maria Ivanova, „schöpft man zu zweit die Tasten derart aus, dass es orchestral klingt.“ Zwei Menschen, die sich zur Dynamik eines Ensembles aufschwingen. Die Ehe kann Flügel verleihen.

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