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Kultur Die Liebe und die Axt
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02:15 29.04.2017
Ruben Wittchow in seinem Tonstudio, er hat es eingerichtet im Kunst- und Kulturzentrum Scholle 51 in Potsdam-West. Quelle: Lars Grote
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Ruben hat sich jetzt die Fender gekauft, „um live mal die Axt auszupacken“ – sie hängt in seinem Studio neben einem Bass und der akustischen Gitarre, akkurat platziert, wie andere den Blumen oder Goethe-Büchern einen schönen Platz im Zimmer suchen.

Die Fender ist eine elektrische Gitarre mit Ruf wie Donnerhall, doch eigentlich sieht Ruben Wittchow, der Freitag 41 Jahre wird, nicht aus wie einer, der die Wucht der Axt benötigt. Wenn man ihn besucht, im Kunst- und Kulturzentrum Scholle 51 in Potsdam-West, hat er Kaffee fertig, und hinten hängt ein Bild von seiner kleinen Tochter, die mit ihm Schlagzeug spielt. Er löst die Dinge freundlich, in Zimmerlautstärke. Wie passt die Fender in sein Leben? „Wenn man sie anzerrt, ist vieles möglich“, sagt er. „Vieles möglich“, das klingt, als werde er bei der Musik ein anderer Mensch.

Genau so sei es, bestätigt er, er wirke wie das „Tier“ aus der Muppet-Show, wenn er am Schlagzeug sitze. Ein Onkel aus Münster hatte ihm die Trommeln nach Buckow in die DDR geschickt, östliches Brandenburg, wo er aufwuchs und sein Vater Pfarrer und Kirchenmusiker war. „20 Mark Porto“ habe der Transport gekostet. Freunde sagten, man könne seine Gedanken lesen, wenn er beim Spielen das Gesicht verzerrt. Das war die Zeit, als er Kreator hörte, eine Band mit Liedern, die wie eine Kriegserklärung klingen.

Der kleine Ruben wird von einem Frauenmund verspeist

Ruben Wittchow, mit dem man schnell beim Du ist, stellt Samstag im Waschhaus sein neues, drittes Solo-Album „Liebesmedizin“ vor, auf dem Cover sieht man einen kleinen Ruben, dargereicht auf einem Löffel, gleich wird er von einem rot geschminkten Frauenmund verspeist. Frauen und Männer, das ist der Keilriemen der Platte, mal klingt es nach Neuer Deutscher Welle, mitunter nach Nena, wenn Nica singt, seine Kollegin, die er über einen befreundeten DJ kennenlernte. Nica bringt das Weibliche in seine Lieder. Das Weibliche ist oft das Unverstandene in diesen Stücken, es lockt, doch muss erobert werden. Ruben unterfüttert das mit Ironie: „Er ist ihr verfallen, so ganz ohne Verknallen / Sie hat ihn verschluckt, er hat nicht mal gezuckt / Sie hat wie Quallen sein Antlitz befallen / mit einem Ruck, federleicht, ohne Druck“ heißt es im Lied „Der Pedant“.

Mitunter klingt er nach Sting, wenn seine Melodien innig werden, euphorisch und emotional farbig. Sting ist für ihn der Musiker, der über die Jahrzehnte ein Vorbild blieb. „Wahnsinn, der Typ ist immer noch voll da“, Ruben ist beeindruckt.

„Liebesmedizin“ hat er alleine aufgenommen, Bass, Gitarre, Schlagzeug, Klavier und Gesang, der von Nica ergänzt wird. Für die Bühne hat er sich eine Band gesucht, dort spielt er nur Gitarre – „das ist etwas anderes als Schlagzeug“, sagt Ruben, „bei der Gitarre musst du mehr denken.“ Er nimmt nicht immer seine Fender, oft greift er zur akustischen Gitarre, gute 25 Jahre alt, sie sieht geliebt aus, die Kratzer wirken wie Falten.

„Das Leben ist ein Wahnsinn, ich will es voll auskosten“

Ruben hat, da war er 16, seine Schwester und einen Freund bei einem Autounfall verloren, seither lässt er sich nicht auf Kompromisse ein. „Das Leben ist ein Wahnsinn, ich möchte es voll auskosten“ – darum macht er Musik, „sie gibt mir Schaffenskraft.“

Er hat in Bands gespielt, gibt Unterricht, doch immer wollte er beweisen, dass er ein Album auch alleine aufnehmen kann. Das ist ihm nun gelungen. Auf der Bühne wird aus dem ruhigen, introvertierten Mann ein Kerl, der die Fender packt und dann sein Publikum – mit offenem Ausgang. Wenn er am Samstag im Waschhaus das neue Album vorstellt, ist das erneut ein Aufbruch in die Welt, die Ruben liebt. Eine weite Welt, in der es Raum für Liebe und die Axt gibt.

Info: Ruben Wittchow: Record-Release-Konzert. Waschhaus, Samstag, 20 Uhr. Karten unter 0331/2840284. Album „Liebesmedizin“ zu beziehen unter www.rubenwittchow.de

Von Lars Grote

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