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Die Manns und die Musik

Lesung von Frido Mann in Potsdam Die Manns und die Musik

Eigentlich sind die Manns eine Familie der Buchstabe. Das gilt auch für Frido Mann, Enkel des Schriftstellers Thomas Mann. Doch bei einer Lesung in Potsdam setzte er die musikalische Seite seiner berühmte Sippe in Szene.

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Frido Mann

Quelle: dpa

Potsdam. Frido Mann wirkt aufgeräumt, er hat nicht dieses hagere Gesicht von seinem Großvater, auf den ihn Menschen weltweit ansprechen. Denn der Opa, Thomas Mann, ist eine Attraktion, die man bewundert, vor dessen recht verkniffenem Blick man sich aber mitunter fürchtet. Frido, der Enkel, zeigt die freundliche Seite seiner nicht ganz einfachen Familie – er las am Samstag im Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte aus seinem neuen Buch „An die Musik“. Der Essay ist ein Versuch, in die Familie Mann, die immer zu den Literaten zählte, eine neue Melodie zu streuen.

Frido Mann, 75 Jahre alt, ist der Sohn von Michael Mann, dem jüngsten Kind Thomas Manns und seiner Frau Katia. Michael hat Bratsche und Violine gelernt, aber auch er gab auf, um sich dem Schicksal zu ergeben, das scheinbar über der Familie hängt: Er schulte um auf Literaturwissenschaft. 1977 nahm er sich das Leben. Mutmaßlich deshalb, weil er im Tagebuch des Vaters las, dass er kein Wunschkind war und abgetrieben werden sollte.

Es ist nicht leicht, in der Familie Mann den Platz zu finden, der einen glücklich macht. Frido Mann behauptet sich tapfer, er trägt in Potsdam lila Hemd und graues Jackett, klatscht freundlich, wenn andere das Podium betreten. Etwa die Cellistin Claudia Pérez Inesta, die den Abend musikalisch begleitet. Oder Paulo Soethe, ein Germanist der brasilianischen Universität Curitiba. Soethe legt jene brasilianischen Wurzeln der Familie Mann frei, um die sich Frido zeitlebens kümmerte, als wolle er der norddeutschen Tradition der Sippe, die aus Lübeck stammt, eine Sonnenseite hinzufügen. Soethe sagt, Frido Manns Urgroßmutter, also die Mutter von Thomas Mann, sei „unter Affen und Papageien“ in Brasilien geboren. Mit sechs Jahren zog sie nach Lübeck, doch floh bald vor der „dunklen Hanse“ nach München. Ihre Frohnatur zeigte sich auch im Musizieren. Womit der Bogen gespannt war zum Thema des Potsdamer Abends, der als Teil des studentischen Festivals „Comparte“ veranstaltet wurde, das unterschiedliche Kulturen miteinander vergleicht.

Mozart bereitet Frido Mann Gänsehaut

Frido Mann, der seinen Doktor im Fach Theologie und seine Professur in Psychologie erlangte, betonte, dass die Musik „verführerisches Gift“ sein könne. Als er Anfang 20 war, habe er sich mit Wagners Parsifal beschäftigt. Ein erstes Lodern für die Kunst. Das ihn zügig zu Mozart führte, der als Kupferstich im Arbeitszimmer seines Vaters hing. Was Frido Mann an Mozart fasziniert? Er definiert es im Vergleich zu Joseph Haydn, den er „großartig und mitreißend“ finde, doch nur bei Mozart bekomme Frido Gänsehaut. Mozarts „schwebende Leichtigkeit, abgründige Traurigkeit und sprühender Witz“ seien unerreicht.

Furchtbar fremd sind Frido Mann die Zeiten, in denen die Kirchenorgel als „des Teufels Sackpfeifen“ galten, wie man sie im ersten christlichen Jahrtausend nannte. Fast mitleidig spricht Frido Mann von „Freunden aus Ostdeutschland“, die ihm erzählt haben, sie könnten Beethovens 9. Sinfonie nicht mehr hören, weil die nach SED-Parteitagen gespielt worden wäre. Ihm selbst zumindest scheint Musik wie eine Form der Rettung inmitten der Familie Mann, die auf Buchstaben schwor. Auch Frido Mann ist ein Buchstabenmensch – doch erst, wenn er Mozart hört, fühlt er sich ganz frei.

Von Lars Grote

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