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Die Festspiele Sanssouci widmen sich Frankreich

Festival Die Festspiele Sanssouci widmen sich Frankreich

Vom 10. bis 26. Juni beherrscht die Musikwelt Frankreichs die Musikfestspiele Potsdam-Sanssouci. In den Schlössern und Gärten von Potsdam zeigen 81 Konzerte, Opern und Führungen die Geschichte und einzigartige Kreativität Frankreichs, das seit Jahrhunderten eng mit der Stadt verbunden ist. Schon ein berühmtes Schloss verweist darauf.

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Ein Höhepunkt der Musikfestspiele im letzten Jahr: Die Barockoper „Der Goldene Apfel“.

Quelle: Stefan Gloede

Potsdam. Tilman Muthesius hat sich mit den Naturgesetzen angelegt – er hofft auf einen Sieg, sagt er, und seine Locke, die störrisch in der Luft hängt, unterstreicht den Kampfeswillen. „Was ich gebaut habe, geht gegen die Physik“, sagt er, und nimmt die Gambe in den Arm. Ihre höchste Saite ist zu straff gespannt, sie übersteigt den mathematisch errechnete Punkt des Reißens. Die Gambe hat acht Saiten, das sind zwei mehr, als dieses Instrument sonst braucht – Gamben gibt es ohnehin kaum noch, sie wurden abgelöst vom Cello. Muthesius, Potsdams berühmter Geigenbauer, hat das Instrument quasi frisiert, seine Potenz erweitert, und alles für Rameau, den Komponisten des französischen Barock, der fünf kleine Konzerte schrieb, die man rein handwerklich nicht spielen kann. Jean-Philippe Rameau, der von 1683 bis 1764 lebte und das siebte von elf Kindern war, schrieb Stücke für die Gambe, zu denen er notierte, die Gambenstimme sei sehr schwierig, ab und zu müsse man eben ein paar Töne überspringen.

Haha, Tilman Muthesius lacht unmerklich. Überspringen – mit ihm ist sowas nicht zu machen! Er zimmerte also ein Instrument, das diesen rigorosen Stücken von Rameau gewachsen ist. Es ist die einzige spielbare Gambe weltweit, mit der man Rameau meistern kann. Sie orientiert sich an einem Instrument aus Zeiten des Komponisten, es hängt in Paris, ist aber nur ein Schaustück.

Höhepunkte der Musikfestspiele 2016

Open-Air-Konzert: Eine Nacht in Versailles. Königliche Festmusik für alle. Jordi Savall und Le Concert des Nations. Terrassen Orangerieschloss Sanssouci, 11. Juni, 22 Uhr.

Fahrradkonzert „Tour de Potsdam“ (Logo links im Text). Zwei Touren er-fahren das französisch inspirierte Potsdam und erkunden dessen Geschichte, Lebensart, die Impulse des französischen Geschmacks. 12. Juni, 11 Uhr.

Open-Air-Konzert: Sanssouci Jazznacht. Tradition neu aufgemischt: Alte Musik trifft Jazz. 18. Juni , 21 Uhr. Areal rund um Schloss Sanssouci.

Messe für Notre Dame – Ensemble Organum. Frankreichs Spitzenen­semble für die Musik des Mittelalters mit dem Gipfelwerk der Vokalpolyphonie des 14. Jahrhunderts. 19. Juni, 20 Uhr. Friedenskirche Sanssouci.

Karneval der Tiere. Mit Flair und Witz im Originalklang. 24. Juni, 20 Uhr, Friedenskirche.

Sanssouci Prom Konzert mit Feuerwerk: Paris Mon Amour. Abschlusskonzert mit Feuerwerk.

Karten unter  03 31 / 2 84 02 84. www.musikfestspiele-potsdam.de

Ob Muthesius, ein großgewachsener Mann , ein Abenteurer, der dennoch durch und durch besonnen wirkt, die Wette gegen die Natur gewinnt, zeigt sich am 25. Juni im Raffaelsaal des Orangerieschlosses Sanssouci, wo seine Gambe Premiere feiert. Myriam Rignol wird sie spielen, in Begleitung von Cembalo und Geige. Hält die hohe, zu straff gespannte, physikalisch unhaltbare Saite? „Man muss gucken, ob sie ausfranst oder kleine Fäden wirft, mehr kann man nicht tun“, sagt Tilman Muthesius. Er begibt sich in Gottes Hand. Und wird seine achtsaitige Gambe dem Konzertpublikum an diesem Abend vorstellen.

Die Musikfestspiele Potsdam-Sanssouci schmücken sich mit diesem Drahtseilakt, doch haben im Festivaljahr 2016, das vom 10.  bis 26. Juni bespielt wird und „Bonjour Frankreich!“ im Motto trägt, auch Stücke im Programm, die auf der sicheren Seite stehen. In den Schlössern und Gärten Potsdams zeigen 81 Konzerte, Opern und Führungen die wechselvolle Geschichte und Kreativität Frankreichs, das seit Jahrhunderten eng mit der Stadt verbunden ist: Das berühmteste Denkmal Potsdams heißt eben „Sanssouci“ und nicht „Ohne Sorgen“.

Die Musikfestspiele zeichnen ein musikalisches Porträt des Landes: von Guillaume de Machat bis Jean-Baptiste Lully, von Edith Piaf bis Camille Saint-Saens, von Opéra-ballet bis Jazz und Chanson. Künstler aus acht Regionen Frankreichs treten auf, darunter Stars wie Richards Galliano und Christophe Rousset, junge Musiker wie Jean Rondeau und das Ensemble Les Ambassadeurs. Den Besucher erwarten drei Musiktheaterpremieren, ein Fahrradkonzert, Pariser Salons und viele Open-Airs.

Die Planungen für das französische Programm wurden überrascht und überschattet von den Anschlägen auf Paris am 13. November. So bekommt das Programm unversehens einen politischen Beiklang: Schauspieler werden Friedrich II. und Voltaire auf Potsdams Straßen darstellen, wie sie streiten und diskutieren – immer im Dienste der Meinungsfreiheit und Menschlichkeit.

Von Lars Grote

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