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02:15 19.12.2015
Die Berliner Sängerin Dota Kehr. Quelle: Promo
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Berlin

Dota Kehr betritt den Kopierladen, erfragt die Nummer des Geräts und legt das Bild unter die Klappe. Für den Moment ist sie wieder Künstlerin und vergleicht die Varianten des Bandfotos für das neue Album „Keine Gefahr“, das im eigenen Label erscheint. Dann eilt sie an die Kasse und nebenan in ein Café zum Interview. Um den Termin hat sich kein Management gekümmert, um die Promo-Fotos auch nicht. Das macht sie selbst.

Dotas Karriere funktioniert aus eigenen Stücken. Angefangen als Straßenmusikerin hat sich die Berlinerin vom Mit-Klampfe-und-umsonst-Klischee ihrer Zunft befreit. Der Sound ist erwachsen geworden, die Texte sind politischer denn je, in einem Song heißt es: „Warum schützt man die Grenzen der Staaten so gut und die Grenzen der Menschen so schlecht?“ Nach weiter Welt klang die Musik schon immer. Vertragsschmeicheleien großer Plattenfirmen verweigert sich Dota seit ebenso langer Zeit, aber der Erfolg wird größer – vielleicht deshalb?

Ob der Selbstvermarktungsstress über den Kopf wachse – Dota antwortet beim Kauen ihres Plunderstücks: „Doch, total!“ Für eine Getriebene wirkt die 36-Jährige zu gefasst. Wie eine Frau mit Plan, wo es hingeht. Auf dem Album, das im Januar erscheint, experimentiert sie mit Elektro-Einflüssen. Es klingt zu groß für Kleinkunst. Des Bandnamens „Die Kleingeldprinzessin und die Stadtpiraten“ hat sie sich entledigt. Gut so, zu sehr klang er nach Kinderbespaßung und Puppentheater, nicht nach professionellem Pop. „Ich mochte nicht, dass der Name klein und niedlich klingt.“ Auf dem neuen Album steht daher schlicht: „DOTA“.

Während im Café Reggae läuft, erzählt Dota, wie ihr Multi-Kulti-Musikgeschmack entstand: Ein brasilianischer Babysitter passte auf sie auf, er hörte Musik aus der Heimat – und Dota auch. „Bis ich’s auswendig konnte, ohne ein Wort Portugiesisch zu verstehen.“ Brasilien blieb wichtig: Mehrere der neuen Songs nahm sie dort auf, die Texte aber entstanden in der Uckermark. „Ich brauche Zeit, in der ich mich nur damit beschäftige, Texte zu schreiben und nicht versuche, E-Mails zu beantworten und Freunde zu treffen“, sagt Dota, „und dort kann ich das vom Aufstehen bis zum Schlafengehen.“

Info: Dota spielt am Samstag um 20 Uhr im Waschhaus Potsdam. Karten gibt es für 21 Euro an der Abendkasse.

Von Maurice Wojach

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