Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Kultur Die Regisseure mögen es Trump- und Putinfratzenfrei
Nachrichten Kultur Die Regisseure mögen es Trump- und Putinfratzenfrei
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
02:15 07.05.2017
Theatertreffen-Chefin Yvonne Büdenhölzer. Quelle: dpa
Anzeige
Berlin

„Das Theater der Gegenwart ist ein unentdecktes Land, das wollen wir erforschen“, sagte am Donnerstag Kay Voges, Intendant des Dortmunder Theaters, in Berlin. Am Samstag wird im Haus der Festspiele das 54. Theatertreffen eröffnet, das jedes Jahr im Mai die zehn bemerkenswertesten Inszenierungen aus dem deutschsprachigen Raum in die Hauptstadt einlädt. Als aufwendigstes Gastspiel erweist sich „Die Borderline Prozession“ in der Regie von Kay Voges. Allein die Aufbauarbeiten für das multimediale und dezentrale Spektakel in einer Industriehalle in Berlin-Schöneweide nehmen vier Wochen in Anspruch.

Der 44-Jährige im karierten Anzug und Glamour-Shirt erklärte das Internet zum Maßstab für die Bühnenkunst einer Generation, die mit Computerspielen und Online-Banking aufwachse und der Netflix nun einmal näher sei als Lessing oder Goethe. „Die Geschichten, die ich am Computer mitkriege, sind dreidimensional, interaktiv und vernetzt“, sagte Voges und forderte ein Theater, das „nicht so tun dürfe, als würden wir noch auf Schreibmaschinen schreiben“. Das Theater müsse sich einem Strukturwandel stellen wie das Ruhrgebiet, aus dem er komme.

Vom „Mut zu neuen Formen“ schwärmte auch Theatertreffen-Leiterin Yvonne Büdenhölzer. Das Theater nehme Impulse aus den benachbarten Künsten auf und werde dadurch vielschichtiger, offener und durchlässiger, sagte sie. Die sieben Juroren haben in dieser Saison vor allem Inszenierungen ausgewählt, die auf imposante Bild- und Rauminstallationen setzen. Es geht weniger darum, alte dramatische Texte zu vergegenwärtigen. Eine opernhafte Großinszenierung von Schillers „Die Räuber“ vom Münchner Residenztheaters beruht auf so exquisiter Bühnentechnik, dass sie in Berlin nicht gezeigt werden kann. Eine 3sat-Aufzeichnung soll diese Lücke schließen. Gestern wurde außerdem bekannt, dass auch ein zweites Gastspiel auf der Strecke bleibt. Das Hamburger Thalia Theater musste die Vorstellungen von Theodor Storms „Der Schimmelreiter“ wegen Krankheit im Ensemble absagen.

Gegenwartsdramatik im engeren Sinne sucht man auf dem Festivalspielplan vergeblich. Claudia Bauer hat eine Bühnenversion des anekdotenreichen Tagebuches „89/90“ von Peter Richter hergestellt, das dem Schauspiel Leipzig eine Einladung zum Theatertreffen einbrachte. In Berlin erzählte sie gestern, dass sie die Form des Oratoriums gewählt habe, da die Vorlage keinerlei Figurenentwicklung aufweise. „Ich stand vor der Frage, wie die Bewegung von großen Menschenmengen darstellen?“, so Bauer.

Das Theatertreffen beginnt mit den „Drei Schwestern“ aus Basel. Anders als in den Vorjahren bezieht die Eröffnungsinszenierung keine gesellschaftspolitische Position. Juror Till Briegleb dazu: „Es ist die Qualität des deutschsprachigen Theaters, dass es dieses Sprechen über große Befürchtungen – im Gegensatz zu Journalismus und Satire – ziemlich Trump- und Putinfratzenfrei inszeniert hat.“ Was aber gab den Ausschlag für diese Inszenierung, die „den Esprit einer Daily Soap atmet“? „Es handelt sich um eine aktuelle Überschreibung und es kommt kein einziges Wort von Tschechow vor“, hebt Festivalchefin Yvonne Büdenhölzer hervor.

Von Karim Saab

Das Gestern auch nicht. Der amerikanische Songwriter Matthew Logan Vasquez macht auf seinem Album „Does What He Wants“ traumhaft schönen Poprock. Musik, von der man eigentlich dachte, sie werde nicht mehr gemacht.

04.05.2017

Heute hier, morgen fort: Bob Wayne pflegt ein entspanntes Verhältnis zur Country-Musik. Wenn es ihm gefällt, dann pflegt er die Beatles, Adele oder liebevoll ins Genre ein. Am Freitagabend stellt er in Berlin seine neueste Platte vor. Sie heißt „Bad Hombre“, aber ein böser Wicht ist der Musiker deshalb nicht.

04.05.2017
Kultur Lindenberg-Tourneeauftakt - Auf Odyssee mit dem Udonauten

Er kam mit Hut und Sonnenbrille von der Hallendecke und hob gut zweieinhalb Stunden später im Astronautenanzug wieder ab: Udo Lindenberg feierte in der ausverkauften Sparkassen Arena den Auftakt seiner „Stärker als die Zeit“-Tour mit einer überirdischen Show und purer Lebenslust.

04.05.2017
Anzeige