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Die Regisseure mögen es Trump- und Putinfratzenfrei

Theatertreffen Die Regisseure mögen es Trump- und Putinfratzenfrei

Das 54.Theatertreffen in Berlin steht vor der Tür. Wieder ermittelte eine siebenköpfige Jury die zehn bemerkenswertesten Inszenierungen aus dem deutschsprachigen Raum. Wie politisch ist der Jahrgang? Was treibt das deutsche Regietheater um?

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Theatertreffen-Chefin Yvonne Büdenhölzer.

Quelle: dpa

Berlin. „Das Theater der Gegenwart ist ein unentdecktes Land, das wollen wir erforschen“, sagte am Donnerstag Kay Voges, Intendant des Dortmunder Theaters, in Berlin. Am Samstag wird im Haus der Festspiele das 54. Theatertreffen eröffnet, das jedes Jahr im Mai die zehn bemerkenswertesten Inszenierungen aus dem deutschsprachigen Raum in die Hauptstadt einlädt. Als aufwendigstes Gastspiel erweist sich „Die Borderline Prozession“ in der Regie von Kay Voges. Allein die Aufbauarbeiten für das multimediale und dezentrale Spektakel in einer Industriehalle in Berlin-Schöneweide nehmen vier Wochen in Anspruch.

Der 44-Jährige im karierten Anzug und Glamour-Shirt erklärte das Internet zum Maßstab für die Bühnenkunst einer Generation, die mit Computerspielen und Online-Banking aufwachse und der Netflix nun einmal näher sei als Lessing oder Goethe. „Die Geschichten, die ich am Computer mitkriege, sind dreidimensional, interaktiv und vernetzt“, sagte Voges und forderte ein Theater, das „nicht so tun dürfe, als würden wir noch auf Schreibmaschinen schreiben“. Das Theater müsse sich einem Strukturwandel stellen wie das Ruhrgebiet, aus dem er komme.

Vom „Mut zu neuen Formen“ schwärmte auch Theatertreffen-Leiterin Yvonne Büdenhölzer. Das Theater nehme Impulse aus den benachbarten Künsten auf und werde dadurch vielschichtiger, offener und durchlässiger, sagte sie. Die sieben Juroren haben in dieser Saison vor allem Inszenierungen ausgewählt, die auf imposante Bild- und Rauminstallationen setzen. Es geht weniger darum, alte dramatische Texte zu vergegenwärtigen. Eine opernhafte Großinszenierung von Schillers „Die Räuber“ vom Münchner Residenztheaters beruht auf so exquisiter Bühnentechnik, dass sie in Berlin nicht gezeigt werden kann. Eine 3sat-Aufzeichnung soll diese Lücke schließen. Gestern wurde außerdem bekannt, dass auch ein zweites Gastspiel auf der Strecke bleibt. Das Hamburger Thalia Theater musste die Vorstellungen von Theodor Storms „Der Schimmelreiter“ wegen Krankheit im Ensemble absagen.

Gegenwartsdramatik im engeren Sinne sucht man auf dem Festivalspielplan vergeblich. Claudia Bauer hat eine Bühnenversion des anekdotenreichen Tagebuches „89/90“ von Peter Richter hergestellt, das dem Schauspiel Leipzig eine Einladung zum Theatertreffen einbrachte. In Berlin erzählte sie gestern, dass sie die Form des Oratoriums gewählt habe, da die Vorlage keinerlei Figurenentwicklung aufweise. „Ich stand vor der Frage, wie die Bewegung von großen Menschenmengen darstellen?“, so Bauer.

Das Theatertreffen beginnt mit den „Drei Schwestern“ aus Basel. Anders als in den Vorjahren bezieht die Eröffnungsinszenierung keine gesellschaftspolitische Position. Juror Till Briegleb dazu: „Es ist die Qualität des deutschsprachigen Theaters, dass es dieses Sprechen über große Befürchtungen – im Gegensatz zu Journalismus und Satire – ziemlich Trump- und Putinfratzenfrei inszeniert hat.“ Was aber gab den Ausschlag für diese Inszenierung, die „den Esprit einer Daily Soap atmet“? „Es handelt sich um eine aktuelle Überschreibung und es kommt kein einziges Wort von Tschechow vor“, hebt Festivalchefin Yvonne Büdenhölzer hervor.

Von Karim Saab

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