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Die Sängerin Etta Cameron und die DDR

RBB-Dokumentation Die Sängerin Etta Cameron und die DDR

Nach dem Zweiten Weltkrieg geriet die Musik zwischen die Fronten des Kalten Krieges. Eigentlich galt in der DDR alles, was aus den USA kam, als böse. Aber dann war da die Antiapartheidbewegung, die von der SED unterstützt wurde. Als Kronzeugin durfte die afroamerikanische Sängerin Etta Cameron in der DDR auftreten. Doch warum war mit ihr kein Staat zu machen?

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Die Sängerin Etta Cameron wurde in der DDR gefeiert.

Quelle: Zerbe/RBB

Potsdam. In den filmischen Nachrufen auf Manfred Krug tauchte sie als Duettpartnerin plötzlich wieder auf. Etta Cameron, eine afroamerikanische Sängerin, die von 1968 bis 1972 im Prenzlauer Berg in Ostberlin lebte und die in der DDR nicht nur im offiziellen Programm des DDR-Fernsehens auftrat, sondern auch in vielen Kirchen.

„Die Stimme Amerikas – US-Musik in der DDR“ heißt eine RBB-Auftragsproduktion, die am heutigen Dienstagabend zur besten Sendezeit ausgestrahlt wird. Die sehenswerte Dokumentation zeigt, wie die lange Zeit verteufelte Jazz-Musik im SED-Staat langsam salonfähig wurde. Wegbereiter waren Paul Robeson und Louis Armstrong, die 1960 und 1965 in der Hauptstadt der DDR wie Staatsgäste empfangen wurden. Sie galten als „Stimmen des anderen Amerikas“ und wurden als Aktivisten gegen Rassendiskriminierung und als Botschafter für den Weltfrieden von der Politik vereinnahmt.

Als Zeitzeugen kommen in dem Film neben Autoren wie Walter Kaufmann und Christoph Dieckmann der Saxophonist Ernst-Ludwig Petrowsky und der Musikjournalist Karlheinz Drechsel zu Wort. Erinnert wird auch an den Fall Reginald Rudorf, der 1957 als Jazz-Anhänger und Gründer des Jazzkreises Leipzig zu einer zweijährigen Zuchthausstrafe verurteilt wurde. Zehn Jahre später galt Jazz nicht mehr als „akustische Geheimwaffe“ des Klassenfeindes.

Doch mit der Sängerin Etta Cameron, die im Gospelchor einer Methodistenkirche ihre spirituelle Freude am Singen entdeckt hatte, war in der DDR kein Staat zu machen. Sie entzog sich weitgehend einer ideologischen Vereinnahmung und tourte mit der Jazzband des Pianisten Hannes Zerbe von Kirche zu Kirche. Hier wurde sie als Botschafterin des christlichen Glaubens bejubelt. Etta Cameron ist 2010 gestorben, aber zwei ihrer Kinder erzählen lebendig, wie sie damals in Ostberlin wohnten und vielleicht die einzigen Schüler waren, die jeden Tag in Westberlin zur Schule gingen.

Die Stimme Amerikas. US-Musik in der DDR. RBB, 8. November 2016, 20.15 Uhr.

Von Karim Saab

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