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19:02 29.11.2017
Rangelei zwischen Antifa und Rechten auf der Frankfurter Buchmesse bei einer Veranstaltung des Antaios-Verlages im Oktober 2017. Quelle: dpa
Potsdam

Da grinsten die Rechten. Sie hatte es mal wieder geschafft. Sie waren die Opfer. Dabei war es doch die linke Antifa, die von der Polizei auf der Frankfurter Buchmesse aus der Halle verwiesen wurde, weil sie lautstark mit „Nazis-raus-Parolen“ gegen eine Veranstaltung des rechten Antaios-Verlag protestiert hatte. Doch die Rechten konnten sich am Ende zum Opfer stilisieren, das in der bürgerlichen Demokratie mundtot gemacht werden sollte. Nur weil man anderer Meinung als der Mainstream ist. „Das wird man ja wohl noch sagen dürfen!“

Die Rechten brauchen die Linken

Zu sagen hatten die Rechten auf der Frankfurter Veranstaltung freilich nichts – außer dass lautstark gegen die Linken gepöbelt wurde. Was für ein Glück, dass es die Linken gibt. Das ist auch die zentrale These des Buches von Per Leo, Maximilian Steinbeis und Daniel-Pascal Zorn. „Mit Rechten reden“ soll ein Leitfaden für die Auseinandersetzung mit rechten Populisten sein. Der Titel führt allerdings ein wenig in die Irre. Denn das Autorentrio bietet im Kern keine Argumentationsanleitung, um im Streit mit rechten Parolen zu bestehen. Vielmehr geht es darum, die Diskursstrategien der Rechten zu durchschauen. Und dabei fällt auf: Die Rechten brauchen die Linken.

Hier setzen die Autoren an. Wie kommt es, dass Linke, aber auch bürgerliche Liberale – die für Rechte freilich auch nichts anderes als verkappte Linke

Ein Leitfaden zur Diskursstrategie der Rechten. Quelle: Klett-Cotta

sind – immer wieder auf die Strategie der Rechten hereinfallen? Wieso spielen sie deren Spiel mit? Die drei gehen über weite Strecken streng argumentationslogisch vor. Sie zeigen, wie die Sarrazins, Gaulands, Höckes & Co mit völlig aus der Welt gegriffenen Behauptungen gezielt provozieren (Stichwort: „Denkmal der Schande“), um einen moralischen Aufschrei des linksliberalen Gewissens auszulösen. Wird dieser Behauptung dann mit guten Gründen widersprochen, ziehen sich die Rechten in der Regel auf nebulöse Empfindungen zurück, die tief mit dem Volk verbunden und daher mit logischen Mitteln nicht erklärbar sein sollen. Ist das Gegenüber nicht bereit, dies zu akzeptieren, steht eben Meinung gegen Meinung, Wahrheit gegen Wahrheit. Doch so lange die liberale Öffentlichkeit die Wahrheit der Rechten nicht ohne Weiteres durchgehen lässt, stilisieren sich die Rechten zum Opfer des Mainstreams. Dagegen hilft dann nur noch der Aufstand.

Die Kraft des besseren Arguments genügt nicht

Es sind diese vier Diskurspositionen, zwischen denen die Rechte konstant hin- und herspringt: Behauptung, Zweifel, Patt und Kampf, die Autoren nennen die letzte Position den „Männerpunkt“. Alle vier lassen sich im rechten Stellungskrieg nur einnehmen, wenn die Linke brav mitspielt. Durchkreuzen lässt sich diese Strategie allerdings nur, in dem ein demokratischen Öffentlichkeit beharrlich auf die Begründungspflicht jeder Behauptung besteht anstatt sich moralisch zu empören. Hierin liegt die Schwäche des Autorentrios, das in seinem zum Teil auch noch recht penälerhaft und besserwisserisch geschriebenen Leitfaden, schlicht auf die Vernunft und damit auf die Kraft des besseren Argumentes baut. So sympathisch das ist, politische Auseinandersetzungen werden bedauerlicherweise selten allein mit Gründen geführt. Trotzdem ist es ein lesenswertes Buch, denn es analysiert messerscharf, wie die Rechten ticken und wie sie versuchen, politische Deutungsmacht zu erlangen.

Per Leo, Maximilian Steinbeis, Daniel-Pascal Zorn: Mit Rechten reden. Ein Leitfaden. Klett-Cotta, 183 Seiten, 14 Euro.

Von Mathias Richter

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