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Kultur Die Toten im Brandenburger Dom
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00:35 27.03.2015
Gedenkstein für ein Kindergrab im Dom zu Brandenburg an der Havel. Quelle: Detlev Scheerbarth
Brandenburg/Havel

Im Dom zu Brandenburg sind zahlreiche Grabdenkmale mit der Darstellung der Verstorbenen erhalten. Darunter sind viele figürlich geschmückte Platten, die ursprünglich die Gräber im Dom bedeckten. Die Menschen liefen über sie hinweg und sollten an die Toten erinnert werden, ähnlich wie bei den modernen „Stolpersteinen“ im Straßenpflaster. Manche Grabplatten sind deshalb bis zur Unkenntlichkeit abgetreten wie die des Heinrich von Gatersleben (gest. 1296). Karl Friedrich Schinkel ließ die Platten aufnehmen und wie in einer Ahnengalerie an der Wand aufreihen.

Andere Denkmäler, die Epitaphien, müssen nicht zwangsläufig mit der Bestattung verbunden sein. Sie dienten als Erinnerungsbild und können irgendwo im Dom aufgestellt worden sein.

Alle haben sie aber gemeinsam, dass sie den Toten so darstellen, wie die Nachwelt ihn in Erinnerung behalten sollte.

Hund und Löwe

Im südlichen Querhaus nahe dem Böhmischen Altar steht die Platte des Bischofs Stefan Bodecker (gest. 1459). Mitra und Krummstab zählen zu den Insignien eines Bischofs. Das kleine Schreibpult betont die hohe Bildung des Verstorbenen. Es fällt der Hund an der Unterkante der Platte auf. Dieser treue Begleiter weicht nie von der Seite seines Herrn und so wurde der Hund zum Sinnbild für die Treue allgemein. Im christlichen Umfeld steht er für die Treue im Glauben. Bodecker legt also wert auf seine tiefe Frömmigkeit. Ganz ähnlich möchte auch Marquard von Krummensee (gest. 1412) gesehen werden: An seinem Bein springt ein kleiner Schwanzwedelnder Hund. Bischof Dietrich von der Schulenburg (gest. 1393) war ebenfalls sehr fromm und hat Gott gelobt, wie die etwas ungelenk eingemeißelte Inschrift betont. Er steht aber auf einem Löwen und zeigt sich so bewusst als mächtiger Mann von nobler Herkunft.

Demut in Marmor und Alabaster

Gläubig und fromm zeigt sich auch der Domdechant Adam von Königsmarck (gest. 1621). Sein Epitaph im Langhaus des Domes ist ein Meisterwerk der späten Renaissance und ein Fall für den Feldstecher: Erst beim genauen Hinsehen entfalten die detailreichen Szenen ihre ganze Dramatik: Hier steigt ein Mensch, der mit gefalteten Händen um Gnade fleht, aus dem Grab. Dort schleppen gehörnte Teufel die Verdammten in die Hölle. Sie zerren sie an den Haaren und rechts unten sind die ersten unglücklichen Seelen bereits im weit aufgerissenen Höllenmaul verschwunden. Mühevoll hat der Künstler individuelle Gesichter herausgearbeitet. Einer trägt einen Oberlippenbart, ein anderer einen Spitzbart und langes welliges Haar. Ein Kahlkopf hält die Hand an die Stirn als spräche er: „Was habe ich nur getan?“. Über diesem turbulenten Geschehen thront Christus auf der Erdkugel. Über ihm fliegt der Heilige Geist in Gestalt einer Taube. Kumuluswolken stellen den Himmel dar: Trompetespielende Putten und barock-korpulente Heilige wie Katharina mit dem Rad umgeben den Weltenrichter.

Der Verstorbene kniet neben dieser Darstellung des Jüngsten Gerichts, die das ganze Hauptfeld einnimmt. Es scheint, als wolle er den Weltenrichter um Gnade bitten. Seine Hoffnung auf das Ewige Leben wird durch die Himmelfahrt Christi im Bild darüber ausgedrückt. Christus, die Siegesfahne in der Linken und die Rechte im Segensgestus erhoben, steigt aus einem geöffneten Sarg.

Einst auf dem Fußboden abgetreten, dann von Friedrich Schinkel im Zuge von Renovierungsarbeiten aufgestellt: Die Grabmalplatten der im Brandenburger Dom Bestatteten. In diesem Jahr wird das teils in spätromanischem, teils in frühgotischem Baustil errichtete Gebäude 850 Jahre alt.

Ganz unten über der Vitentafel steht Hesekiel auf dem Totenfeld Israel (Hesekiel Kap. 37). Hinter ihm liegen die Gerippe kreuz und quer übereinander. Durch Gottes Odem lässt er sie wieder lebendig werden. Vor ihm recken sich die wieder zum Leben Erweckten.

Diese Kombination aus Altem und Neuem Testament ist nicht zufällig gewählt. Sie verdeutlicht den Heilsplan Gottes, der im Alten Testament durch die Worte des Propheten angekündigt und im Neuen Testament in der Auferstehung Christi erfüllt wird.

Adam von Königsmarck inszeniert sich hier selbst als einen frommen, demütig bittenden Mann, allerdings wenig zurückhaltend, und weithin sichtbar in Marmor und Alabaster.

Von der christlichen Hoffnung auf Erlösung ist bei dem rund 100 Jahre jüngeren Bild des Albert Ludwig Friedrich Graf von Pappenheim (gest. 1733) nichts mehr zu sehen. Es zeigt sich vielmehr die Vorliebe des Barock für die Antike: Der Verstorbene soll sich als junger Zögling der Ritterakademie durch einen besonders wachen Geist hervorgetan haben, heißt es in seiner Leichenrede. Das Epitaph zeigt ihn als Musensohn, dem die trauernde Minerva, die Schutzgöttin der Künste und Wissenschaften, zum Abschied die Hand reicht. Links wartet schon der geflügelte Tod mit dem Stundenglas in der Hand.

Die lateinischen Inschriften nehmen diese Aussage auf: „Dolente Minerva - Die Schmerz empfindende Minerva“ steht auf dem Medaillon zu lesen. Die Inschrift auf der Vitentafel lautet wörtlich übersetzt: „Die ritterliche Muse betrauert den durch den geflügelten Tod zum Begräbnis hinweg genommenen Herrn Albert Ludwig Friedrich Graf von Pappenheim.“

Die toten Zwillinge

Im südlichen Seitenschiff ist in die Wand der Gedenkstein für die Zwillingskinder Dietrichs von Brösigke und seiner Frau Agnes eingelassen. Unter all den anderen Steinen nimmt er eine Sonderstellung ein: Er ist tot geborenen Kindern gesetzt worden. Die pausbackigen Kinder mit Spitzenhäubchen liegen einander zugewandt im Totenbett. Mühevoll hat der Bildhauer Muster und Falten der Spitzendecke herausgearbeitet. Pflanzliches Dekor schmückt das Kopfkissen.

Die Inschrift auf der Vitentafel lautet: „A[nn]o 1623 Den 4 Martii seindt diese beiden Kinder als ein Söhnlein u[nd] ein Töchterlein thodt zur Welt geboren v[on] der woledlen und vielthugendreichen Frawe[n] Agnesen G v[on] S[c]hlieben Dietrich Brösiken Eh[e]f[rau]“

Der Gedenkstein beeindruckt durch seine qualität- und liebevolle Gestaltung und gibt der Trauer Ausdruck, die Agnes und Dietrich über den Tod ihrer beiden Kinder empfunden haben müssen. Wahrscheinlich kann nur eine Mutter wirklich nachempfinden, was es bedeutet, in den Wehen zu liegen und dann tote Kinder zur Welt zu bringen.

Leiter des Dommuseums

Am 11. Oktober 2015 jährt sich die Grundsteinlegung des Doms in Brandenburg/Havel zum 850. Mal.

Rüdiger von Schnurbein (43) übernahm 2009 die Leitung des Dommuseums.

Gleichzeitig dokumentiert der Stein eine neue Art im Umgang mit tot geborenen Kindern. Im Mittelalter und bis in die Neuzeit hinein galten tot geborene oder ungetauft gestorbene Kinder als noch von der Erbsünde behaftet und vom ewigen Leben ausgeschlossen. Sie sollten in ungeweihter Erde jenseits der Kirchhofsmauer verscharrt werden. Doch konnte diese Sichtweise im Alltag nicht überzeugen: Eltern, die schon den Schmerz wegen des Todes ihres Kindes ertragen mussten, war es schwer zu vermitteln, dass diese Kinder auch noch vom ewigen Leben ausgeschlossen bleiben sollten. So gibt es auch archäologische Beweise dafür, dass die rigorose Ausgrenzung solcher Kinder nicht ganz durchgehalten wurde: Man bestattete sie in einer entlegenen Ecke der Friedhöfe oder auch im Traufbereich der Kirche, in der Hoffnung, das vom Kirchendach herabrieselnde Regenwasser würde die Kinder doch noch von der Erbsünde reinigen. Dies zeigt das starke Bedürfnis, auch tot geborne Kinder im Reich Gottes zu wissen.

Das Zitat aus dem Matthäus-Evangelium auf dem Rahmen des Gedenksteins betont dies: „Auch ists für Euren Vater im Himmel nicht der Wille, dass jemand von diesen Kleinen verloren werde.“ Auch tot geborene Kinder werden am ewigen Leben teilhaben, eine Sichtweise, der sich die unsere Kirche anschließen kann. Heute werden Kinder auf Wunsch ihrer Eltern christlich bestattet und der Gnade des barmherzigen Gottes anbefohlen, unabhängig davon, ob sie tot geboren wurden oder die Taufe empfangen haben.

Bei Sonderführungen wie „Alte Bärte – alte Hüte“ am 25. Juni oder „mit dem Operngucker durch den Dom“ am 23. Juli werden diese Stücke eine Rolle spielen.

Von Rüdiger von Schnurbein

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