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Die Ufa, Pionier des Merchandising

Ausstellung im Filmmuseum Die Ufa, Pionier des Merchandising

Fritz Langs Zweiteiler „Die Nibelungen“ war einer der ersten Blockbuster der Filmgeschichte. Eine Foyer-Ausstellung im Potsdamer Filmmuseum zeigt, wie professionell die große Tragödie bei Kinostart 1924 vermarktet wurde.

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Kuratorin Ursula von Keitz mit einem Foto des Hunnen Etzel aus den „Nibelungen“.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Potsdam. Die „Nibelungen“ war einer der ersten Blockbuster der Filmgeschichte und mit acht Millionen Mark die bis dahin teuerste deutsche Filmproduktion: Fritz Langs Zweiteiler, gedreht zwischen 1922 und 1924, erzählt in „Siegfried“ und „Kriemhilds Rache“ eine urdeutsche Tragödie griechischen Ausmaßes, es geht um Hass, unerfüllte Liebe, Verrat und grausame Rache, ein gigantisches Rührstück in sieben Akten, bei dem am Ende der Palast Etzels mit den eingeschlossenen Burgundern in einem endzeitlichen Feuersturm untergeht. Entsprechend monumental kommt die Inszenierung daher. Großbauten und Statistenheere breiteten sich in den Babelsberger Studios aus, die Vorbereitungszeit für Bauten und Kostüme dauerte sechs Monate. Die Filmarchitekten erschufen einen künstlichen Wald mit Gipsbäumen, die einen Umfang von zwei Metern hatten, und einen 20 Meter langen, berühmten Drachen, der von 17 Mitarbeitern im Innern bewegt und von einigen weiteren auf einer verborgenen Rampe gezogen wurde.

Eine Foyerausstellung im Filmmuseum widmet sich jetzt den „Nibelungen“, die besonders durch Richard Wagners Ring-Tetralogie als Nationalmythos der Deutschen schlechthin gilt. Fritz Lang macht kein nationalistisches Heldendenkmal aus dem Stoff, er hat alles Mystische verbannt, obwohl man nach dem ersten Tableau mit den Worten „Dem deutschen Volke zu eigen“ einen gegenteiligen Eindruck haben könnte. Die Filmmusik komponierte übrigens der Kölner Gottfried Huppertz. Sie hat mit Wagner wenig gemein.

Die Ufa begleitete den Filmstart 1924 mit einer groß angelegten Werbekampagne. Nicht nur Anzeigen, Plakate und Aushangfotos für Kinofoyers verbreitete die Ufa, sie fand auch Wege, die Bilder der „Nibelungen“ im Alltag zu platzieren. „In den Kaffeepackungen der Firma Dürkop lag eine Postkartenserie mit Farbabbildungen aus den ’Nibelungen’, zum Verschicken, Tauschen oder Sammeln,“ erzählt die Kuratorin der Schau, Ursula von Keitz. „Das zeigt, das die Ufa eine Pionierin des Merchandising war.“ Die großartigen Vorlagen, sehr feine Farb-Gouachen, malte der österreichische Künstler Franz Köck (1886-1975). Sie sind im Filmmuseum zu sehen und gehören zu den Sammlungen des Hauses. Auch die im Postkartenformat hergestellten Porträt-Fotos der Schauspieler erschienen in hoher Auflage, Filmfans nutzen sie auch als Autogrammkarten. An Volksschulen wurde sogar ein Heimatkundeheft verteilt, in dem sich ebenfalls Fotos aus dem Lang-Film befanden. Und das Fanbuch „Jung-Siegfried“, über den Schauspieler Paul Richter, der als barbrüstiger Titelheld viele Zuschauer verzückte, war eine geniale Idee der Ufa-Werbeabteilung.

Am Ende schlägt die Ausstellung einen Bogen zur heutigen Blockbuster-Kultur und präsentiert dafür beispielhaft den „Hobbit“ des neuseeländischen Regisseurs Peter Jackson. Das Fantasy-Spektakel wurde von einer global angelegten Werbekampagne begleitet. Zahlreiche Making Of lassen den Kinofan immer tiefer in die Geschichte und Charaktere eintauchen, Spiele und Objekte sorgen dafür, dass sich die fantastische Welt bis in die Kinderzimmer fortsetzt: Elbenohren, das Elbenschwert, der Schlüssel zum Eingang in den Berg Erebor und natürlich der Ring. Selbst ein Elbisches Wörterbuch ist zu haben. Das Filmerlebnis auf der Leinwand scheint heute nur noch ein Baustein in der Vermarktung des Stoffes.

Info Ausstellungeröffnung im Filmmuseum Donnerstag, 18.30 Uhr, anschließend „Die Nibelungen“, Teil 1

Von Claudia Palma

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