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19:21 03.12.2018
Hannah Höch, Kubus, 1926 Quelle: VG Bild-Kunst, Bonn 2018, Repro: Kai-Annett Becker
Berlin

Ein kampfbereiter Säugling, der erstaunlicherweise schon aufrecht stehen kann, klammert sich an eine rote revolutionäre Fahne. Die expressive Schrift warnt vor Unordnung und Brudermord, ruft auf zu Ruhe und Besonnenheit. Das Plakat stammt von Max Pechstein und ist der Auftakt zu einer Ausstellung in der Berlinischen Galerie über die radikal-avantgardistische Künstlervereinigung Novembergruppe. Die Revolution sollte nicht gleich wieder ihre Kinder fressen. Vielmehr sollte sich die Gesellschaft mit Hilfe der Kunst nach und nach zum Positiven wenden. Noch in den Wirren der Novemberrevolution, welche die Abschaffung der Monarchie zur Folge hatte, gründete sich die Novembergruppe, mit dem festen Vorsatz, Kunst und Volk aufs Engste zu verbinden.

Für die damalige Zeit avantgardistisch und revolutionär – und zum Teil auch heute noch: die Bilder der Novembergruppe. Die MAZ zeigt eine kleinen Auswahl aus der Ausstellung.

Plakate wurden dann keine mehr gemacht, jetzt ging es darum, die Avantgarden, die vorher einem kleinen elitären Zirkel vorbehalten waren, einem größeren Publikum vorzustellen. Diese Öffentlichkeit suchte die Novembergruppe, als „Vereinigung der radikalen bildenden Künstler“ von Max Pechstein und Georg Tappert initiiert, vor allem in ihren jährlichen Auftritten auf der Großen Berliner Kunstausstellung. Von 1919 bis 1932 richtete die Gruppe knapp 40 Ausstellungen aus – in Berlin, Deutschland und im europäischen Ausland. 3000 Werke von über 480 Kunstschaffenden wurden vorgestellt, unter ihnen etwa 200 Mitglieder.

Insgesamt 69 Künstler werden ausgestellt

An diesen Ausstellungen hangelt sich die Schau entlang und präsentiert exemplarisch Werke zu unterschiedlichen Kapiteln. 119 Werke von 69 Künstlern sind zu sehen, darunter 48 Gemälde, 14 Skulpturen, 12 Architekturmodelle und -zeichnungen, 27 Grafiken und 5 Filme bekannter Avantgardegrößen und vieler in Vergessenheit geratener Künstler. Das meiste stammt aus den eigenen Beständen. Was die Novembergruppe auszeichnete war ihr interdisziplinärer Ansatz – Bildende Künste spielten eine ebenso große Rolle wie Musik, Film und Architektur – und ihr wilder Stilmix aus Kubismus, Futurismus, Expressionismus und Dadaismus, Abstraktion, Neuer Sachlichkeit und Neuem Bauens.

Die Kritik war entsetzt

In den frühen Ausstellungen der Gruppe war die Kritik entsetzt von der neuen Kunst, sah sie darin doch die Instabilität der noch jungen Demokratie der Weimarer Republik gespiegelt. Die grellen Farben und das abstrahierte Figurengewirr in Georg Tapperts „Komposition I“ von 1919 zeugen davon ebenso wie das collagenartige Gemälde „Straßenlärm“ von Otto Möller aus dem Jahr 1920. Die Gruppe stellte auch internationale Avantgarde aus, in der Berlinischen Galerie sind Arbeiten von Piet Mondrian, Iwan Puni und El Lissitzky als Vertreter der Abstraktion sahen. Dada hatte mit Hannah Höch und anderen 1920 seinen großen Auftritt und wurde als „Müllgrubenkunst“ verschrien. Provokante Werke wurden in Selbstzensur wieder aus der Ausstellung entfernt, was schließlich zum Bruch mit den Dadaisten führte.

Ausstellung noch bis zum März zu sehen

Die Ausstellung „Freiheit. Die Kunst der Novembergruppe 1918 bis 1935.“ wird in der Berlinische Galerie. Landesmuseum für moderne Kunst, Fotografie und Architektur. Alte Jakobstraße 124-128, 10969 Berlin gezeigt.

Die Exposition kann noch bis zum 11. März 2019 besucht werden.

Geöffnet: Mittwoch bis Montag 10 bis 18 Uhr. Dienstag ist geschlossen.

Der Eintritt beträgt zehn, ermäßigt sieben Euro.

Der Katalog zur Ausstellung hat 272 Seiten und kostet 34,80 Euro.

Nach ersten Skandalen gierte das bald regelrecht nach den neuen Schockeffekten in der Kunst. Dem Anspruch nach radikaler Innovation konnten Maler und Bildhauer nicht allein nachkommen, so dass andere Medien in den Vordergrund traten wie das Neue Bauen. Ab 1922 wurden Projektentwürfe und Architekturmodelle etwa von Mies van der Rohe und Hans Poelzig präsentiert, die großen Anklang fanden. Das wiederum führte zum Bruch mit den Architekten, die 1927 nahezu geschlossen aus der Novembergruppe austraten. 1925 gab die Novembergruppe – sehr fortschrittlich – dem abstrakten experimentellen Film eine Plattform in einem mit 900 Plätzen ausverkauften UFA-Filmtheater am Kurfürstendamm.

Von den Nazis als „kulturbolschwistisch“ diffamiert

Ab Mitte der 1920er-Jahre verlor die Novembergruppe immer mehr an Bedeutung. Das Publikum hatte seinen Geschmack den Avantgarden angepasst, sie waren weitgehend akzeptiert. Zum 10-jährigen Jubiläum zeigte die Gruppe vor allem sozialkritische Kunst von George Grosz, Conrad Felixmüller und anderen und erinnerte damit an den revolutionären Impetus des Anfangs. Schon bevor sie mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten als „kulturbolschewistisch“ diffamiert wurde, war die Novembergruppe aufgrund der schwierigen Wirtschaftslage ihrer Mitglieder nach Ausbruch der Wirtschaftskrise und finanzieller Probleme nicht mehr wirklich aktiv. 1933 durfte sie dann nicht mehr an der Großen Berliner Kunstausstellung teilnehmen, viele galten später als „entartete Künstler“.

Eine erste umfassende Überblicksschau

Das Verdienst der Gruppe besteht darin, die Avantgarden der Klassischen Moderne einem breiten Publikum vorgestellt zu haben. Umso erstaunlicher ist es, dass sie heute fast in Vergessenheit geraten ist und für viele eine spannende Wieder- oder Neuentdeckung sein wird. Denn man mag es kaum glauben: Die Ausstellung in der Berlinischen Galerie ist die erste umfassende Überblickschau über die Novembergruppe.

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Von Angela Hohmann

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