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Die besten Platten des Jahres

MAZ-Rangliste Die besten Platten des Jahres

Auch im zurückliegenden Jahr gab es Platten, die aus dem üblichen Pop herausragen und bleiben werden. MAZ-Autor Lars Grote hat zehn Alben gefunden, die ihn 2015 besonders beeindruckt haben. Darunter alte Bekannte, Mega-Stars und Pop-Intellektuelle.

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Die Auswahl war wie immer groß: Unser Autor Lars Grote hat seine Top-10-Wahl getroffen.
 

Quelle: dpa

Potsdam.  Was war das für ein Jahrgang? Beim Pop lässt sich das schwerer sagen als beim Wein. Immer mäkelt man über den Pop, er schieße nicht mehr scharf, er wisse nicht mehr, wie man Emotionen schürt. Doch auch 2015 gab es Platten, die bleiben werden. Hier eine ganz subjektive Bestenliste.

 
 

The Libertines: Anthems For Doomed Youth

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1. The Libertines:  Anthems For ­Doomed Youth. Live schien es, als liege Fieber über dieser Band. Pete Doherty, Carl Barat – zwei Männer, die Verbrüderung gefeiert haben, nachdem das Porzellan zerschlagen war. Derangiert und fahrig wirkten diese Auftritte. Doch dann das Album! Konzentriert, beseelt, und irgendwo pulsierte immer eine Wunde. Schwarz oder Weiß, dazwischen ein paar zarte Tupfer.

 

Lou Doillon: Lay Low

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2. Lou Doillon: Lay Low. Lou also, höhere Tochter, stolz-schönes Gesicht, Stimme wie nach zwei durchwachten Nächten. Das Kind von Jane Birkin hat seinen Platz als Sängerin gefunden, obwohl es auch als Model und Schauspielerin gut lief. „Lay Low“ ist ihre zweite Platte, elektrischer als die erste und doch gefühlsecht. Cool, aber nicht kalkuliert. Von dieser Frau dürfen sich auch erwachsene Män­ner ein Poster übers Bett hängen.

 

Dave Gahan: Angels & Ghosts

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3. Dave Gahan: Angels & Ghosts. Das Düstere nimmt man ihm nicht mehr ab, dem Mann geht’s gut. Und trotzdem wieder diese Finsternis auf seinem neuen Album, aufgenommen ohne Depeche ­Mode, dafür mit Soulsouvers, stilvoll schlecht gelaunten Briten – kein guter Umgang, würde Mutti sagen, doch wer hört noch auf Mutti! Gahan ist ein Großer, am größten ist er wohl als Prediger der Nacht.

 

Wilco: Star Wars

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4. Wilco: Star Wars. Eigentlich ein Zwischenalbum, nachdem Wilco-Chef Jeff Tweedy im letzten Jahr noch eine Platte mit dem eigenen Sohn am Schlagzeug aufgenommen hat. Aber Zwischenalben spielen bei Wilco, diesen extrem wachen und beweglichen Folkrockern aus Chicago, in einer Liga, die andere Bands niemals erreichen. Gemüt, Gitarre und Donnerwetter gehen wieder Hand in Hand.

 

Courtney Barnett: Sometimes I Sit And Think...

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5. Courtney Barnett: Sometimes I Sit And Think...  Ein Mädchen aus Aus­tralien, das einem im Bus gegenübersitzen könnte. Sie ist eine begnadete Songwriterin, die das Kuriose zur Kunst erhebt. Glücklicherweise nicht zur allzu großen. Ihre Songs sind Kleinode, nicht mal die Stimme ist besonders stark, doch wie sie Kurt Cobains Musik ins Weibliche hinüberrettet, ist unvergesslich.

 

Wanda: Bussi

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6. Wanda: Bussi. Über Wanda aus Wien ist viel geschrieben worden. Und wenig gesagt. Man weiß nicht, wer sie sind. Rock ’n’ Roller? Kneipenpoeten? Das zweite Album zeigt wieder ungeschützten Wiener Schmäh, der sich die weite Welt herbeisehnt. Die Schwarzhaarige da hinten ... Aber wichtiger ist ein guter Schnaps. Hemmungslos vertonen Wanda unverstellte Jungsträume. Texte, über die Sigmund Freud jubeln würde.

 

Tocotronic: Rotes Album

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7. Tocotronic: Das Rote Album. Die Hamburger zeigten lange einen Ehrgeiz in Musik und Texten, der übermotiviert daherkam und mit seinem Avantgardegehabe auf die Nerven ging. Jetzt das Rote Album: Der Knoten scheint gelöst, die Lyrics sind persönlicher und die Musik ist sich nicht mehr für Rock ’n’ Roll zu schade. Ein Album zum Fühlen und Denken. Endlich!

 
 

Motörhead: Bad Magic

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8. Motörhead: Bad Magic. Was unterscheidet dieses Album von den 20 Alben zuvor? Nichts. Vielleicht ist „Bad Magic“ noch ein bisschen kopfloser, weil Lemmy Kilmister, Anführer der britischen Hard­rocker, sich zu einer Coverversion von „Sympathy For The Devil“ der ­Stones hinreißen ließ. Das Stück ging in die Hose. Der Rest aber ist berauschend kompromisslos und innovationsfeindlich.

 

Blur: The Magic Whip

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9. Blur: The Magic Whip. Das ist ein so erwachsenes Werk, dass man sich gar nicht traut, es nicht zu mögen. Keine Taschenspielertricks, nur seriöses Handwerk. Und Texte, die auch bei „Suhrkamp“ erscheinen könnten.

 

Adele: 25

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10. Adele: 25. Frauen fliegen auf Adele Laurie Blue Adkins, 27 Jahre alt, weil sie nicht dünn ist und trotzdem selbstbewusst. Weil sie das Leben nicht schönt, sondern stilvoll bejammert. Und eine Stimme hat, die eigentlich dem Pop entwachsen ist und auch das Alte Testament gut intonieren könnte. Große, starke, wichtige Platte. Wie gesagt, für Frauen.

Von Lars Grote

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