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Kultur Die erste Generation der Bildhauerinnen
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14:01 21.02.2018
Renée Sintenis: Große Daphne, 1930, Bronze, Sammlung Karl H. Knauf Quelle: Bernd Sinterhauf, © VG Bild-Kunst, Bonn 2018
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Potsdam

Renée Sintenis’ Plastiken beschrieb er als „bizarr und graziös“, die von Käthe Kollwitz als „sehr innerlich (wie in ihren Radierungen), aber gänzlich verunglückt in der Behandlung der Gliedmaßen“, „Milly Steger äfft Lehmbruck nach“ und „Margarete Moll strebt einen Scheußlichkeitsrekord an“. So verunglimpfte der Kritiker Franz Servaes 1916 die Arbeit etlicher Bildhauerinnen. Damit brachte er manches männliche Vorurteil auf den Punkt, herrschte unter Künstlern doch die Meinung vor, dass die Bildhauerei nichts für zarte Frauenhände sei.

Frauen durften erst 1919 an einer Kunstakademie studieren

Dass sich dennoch viele Künstlerinnen darin versuchten und erfolgreich damit waren, ist umso erstaunlicher, als es ihnen erst ab 1919 gestattet war, die Kunstakademien zu besuchen. Vorher hatten sie entweder gar keine Ausbildung genossen oder nur Kunstgewerbeschulen besucht. Das brachte ihnen wiederum von der männlichen Kritik den Vorwurf ein, ihr bildhauerischer Ansatz sei zu kunstgewerblich. Dennoch bot die Zeit ihnen Chancen: Es gab Künstler wie Max Liebermann und Georg Kolbe, die sie unterstützten. Außerdem organisierten sie sich in Frauenverbänden wie dem Verein der Berliner Künstlerinnen. Und ihre Arbeiten stellten sie auf der Freien Sezession aus.

Nun widmet das Georg Kolbe Museum mit rund 100 Werken zehn Bilderhauerinnen der Berliner Moderne eine wunderbare Ausstellung und zeigt die ganze Vielfalt sowie das schöpferische Potenzial der Künstlerinnen auf diesem Gebiet. Alle wirkten sie in Berlin und waren teils eng mit der Kunstszene der Weimarer Republik verwoben. Milly Steger (1881-1948) verstand sich als Schülerin Kolbes und wurde von ihm gefördert. Von ihr sind einige Plastiken mit fein geschwungene Silhouetten zum Thema Tanz zu sehen, das in den 1920er-Jahren hohe Beliebtheit genoss. Eine der interessantesten Künstlerinnen ist Marg Moll (1884-1977). Ihre Plastiken sind vom Kubismus geprägt und zeigen eine eigenwillige kantig-avantgardistische Formensprache. Sophie Wolff (um 1875 - etwa 1944) ist die älteste der vorgestellten Künstlerinnen und war eng mit Käthe Kollwitz befreundet. Mit ihr besuchte sie 1904 Auguste Rodin in seinem Atelier und beschloss sich der damals noch Männern vorbehaltenen Bildhauerei zuzuwenden.

Käthe Kollwitz fing erst spät mit der Bildhauerei an

Käthe Kollwitz (1867-1945) selbst versuchte sich erst sehr spät in ihrer Karriere an Plastiken und schuf insgesamt nur 19 Stück. Ihr ist ein ganzer Raum gewidmet. Ihre Skulptur „Mutter mit zwei Kindern“ von 1926-36 verdeutlicht, wie sehr sie ihre Arbeiten aus geschlossenen Formen herausarbeitete. Kollwitz ist die bekannteste Künstlerin der Ausstellung, für viele war sie ein Vorbild.

Ein neues Frauenbild

Ebenfalls von Georg Kolbe sehr gefördert wurde Renée Sintenis, die in den 1920er-Jahren, vertreten von dem legendären Galeristen Alfred Flechtheim, eine der erfolgreichsten Künstlerinnen war. Mit Bubikopf, maßgeschneiderten Herrenanzügen und Autofahrten durch Berlin in ihrem geliebten amerikanischen Studebaker entsprach sie ganz dem Bild der neuen Frau. Der Bär, der alljährlich auf der Berlinale für die besten Filme und Darsteller vergeben wird, stammt von ihr und ist ebenfalls im Kolbe Museum zu bewundern.

Viele ihrer Werke galten bei den Nazis als „entartet“

Viele der Künstlerinnen waren Jüdinnen, die Arbeiten der meisten galten in der Zeit des Nationalsozialismus als „entartet“. Manche konnte nach dem Zweiten Weltkrieg weiterarbeiten. Jenny Wiegmann-Mucchi (1895-1969) war in der ehemaligen DDR sehr bekannt. Auch ihr Werk hat seine Wurzeln im Berlin der 1920er-Jahre. Ganz wunderbar ist ihre Liegende, eine Bronze von 1935. Während der NS-Zeit lebte sie in Italien und schloss sich dort dem antifaschistischen Widerstand an.

Das Georg-Kolbe-Museum in Berlin-Westend

Die erste Generation. Bildhauerinnen der Berliner Moderne. Kolbe-Museum, Sensburger Allee 25, 14055 Berlin, 18.02.– 17.06.

Geöffnet Di-So, 10-18 Uhr.

Eintritt: 7 Euro/ 5 Euro. Führungen: (Eintritt + 2 Euro (So 14 Uhr).

Als jüngste Künstlerin ist Louise Stomps (1900-1988) vertreten, deren Werk nur selten gezeigt wird. Sie interessierte die formale Reduktion des menschlichen Körpers und zählt zu einer frühen Vertreterin der organischen Abstraktion.

Ihre Figuren sind von abstrakten Zeichnungen flankiert, die an El Lisitzky und Wassily Kandinsky erinnern. Überhaupt sind neben den Plastiken etliche Zeichnungen zu sehen. Renée Sintenis erweist sich dabei als exzellente Zeichnerin, und die Tierskizzen von Christan Winsloe (1888-1944) offenbaren ganz wunderbar das humorvoll Heitere ihrer nach solchen Entwürfen entstandenen Tierplastiken. Die Ausstellung stellt bekannte Bildhauerinnen der Moderne vor, aber auch manche Entdeckung und gibt so einen guten Einblick in das Schaffen der Künstlerinnen dieser Zeit.

Von Angela Hohmann

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