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02:16 02.07.2015
Ein bisschen Bollywood in Berlin: Szene aus der Komödie „Marry Me! Aber bitte auf Indisch“ – Kinostart ist am Donnerstag. Quelle: Wüste Medien
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Babelsberg

Abenteuer Familie, Abenteuer Film: Damit kennt sich Neelesha Barthel aus. Die gebürtige Potsdamerin (38) verbrachte ihre ersten Lebensjahre praktisch in der damaligen Hochschule für Film und Fernsehen „Konrad Wolf“ (HFF). Weil ihre jungen Eltern dort studierten – die indische Mutter Regie, der Erfurter Vater Kamera. Nach dem Studium heiratete das Paar, um für ein Dokumentarfilmprojekt über indische Ureinwohner die DDR verlassen zu können. Die kleine Neelesha kam mit, blieb bei den Protagonisten ihrer Eltern. Nach dem Filmprojekt ging die Familie nach Westberlin, dort arbeitete Neeleshas Vater Lars als Kameramann. Für seine eigene Doku „Mein Tod ist nicht dein Tod“ (2006), eine persönliche Reflexion über „die DDR, Indien und Westberlin, die Liebe und den Tod“ erhielt Barthel etliche Preise.

Wen wundert’s, dass sich seine Tochter mit dem Filmvirus ansteckte. Auch Neelesha studierte (wiederum mit ihrer Erstgeborenen) an der HFF, die jetzt Filmuniversität heißt, drehte zunächst ebenfalls Dokus. Am Montagabend feierte ihr erster Spielfilm, die süße Culture-Clash-Komödie „Marry Me! Aber bitte auf Indisch“ Premiere. Obwohl in Berlin etwa 3000 Menschen indischer Herkunft leben, hat Bollywood made in Germany Seltenheitswert. Neelesha Barthel erzählt – autobiografischen angehaucht – von der alleinerziehenden Deutsch-Inderin Kissy, die doch bitte endlich den Vater ihres Kindes heiraten soll. Sonst wird sie von der traditionsbewussten Oma aus Indien enterbt. Doch Kissy will weder ihren Ex heiraten noch zu sehr auf ihre Wurzeln gucken und sich selbst hinterfragen...

Als die Regisseurin die Idee zu „Marry Me!“ mit sich herum trug, war sie gerade selbst vom Vater ihrer Tochter getrennt gewesen. So seien Patchwork-Familien für Inder schwer zu akzeptieren. Neeleshas 85-jährige Oma, momentan zu Besuch, habe selbst außerhalb ihrer Kaste geheiratet und wurde von der Familie verstoßen.

Mit ihrem Film setzt Neelesha Barthel ihrer Mutter, die sie früh verloren hat, ein Denkmal. Denn auf den Fotos, die in „Marry Me!“ Kissys verstorbene Mutter zeigen, ist in Wahrheit ihre Mutter abgebildet. „Sie hat sich in diesen Film eingeschlichen“, verrät die Regisseurin lächelnd. Als indische Dokumentarfilmerin habe es die Mama in Westberlin immens schwer gehabt, Fuß zu fassen. So sehr, dass Neeleshas Mutter darüber in heftige Depressionen fiel.

„Marry Me!“ ist auch eine Liebeserklärung an Kreuzberg – an einen bunten, multikulturellen, solidarischen Kiez – wie aus dem Bilderbuch. „So erlebe ich Kreuzberg aber tatsächlich“, erzählt die Regisseurin. Neelesha Barthel und ihre Hauptdarstellerin, die Deutsch-Iranerin Maryam Zaree (31, „Shahada“), kennen sich vom HFF-Studium, wollten schon lange zusammen drehen. Bei „Marry Me!“ klappte es. „Wir wussten: das funktioniert.“ Und Maryam Zaree war froh, ihr komödiantisches Talent ausleben zu dürfen.

Von Ricarda Nowak

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