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Die großen Kultur-Momente 2015

Jahresrückblick für Brandenburg Die großen Kultur-Momente 2015

Konzerte, Filme, Ausstellungen und Theater: Den Brandenburgern wurde in den vergangenen Monaten einiges geboten. Die MAZ-Kulturredaktion gibt einen sehr subjektiven Rückblick auf die Höhepunkte des Kulturjahres 2015.

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Udo Lindenberg.

Quelle: dpa

Potsdam . Konzerte, Filme, Ausstellungen: Den Brandenburgern wurde in den vergangenen Monaten einiges geboten. Die MAZ-Kulturredaktion gibt einen sehr subjektiven Rückblick auf die Höhepunkte des Kulturjahres 2015 in Brandenburg.

Konzerte

1. Udo Lindenberg: Das sicherlich geglückteste Konzert des Jahres, das man aus Brandenburg erreichen konnte, fand im Berliner Olympiastadion statt – einer Arena, die nicht berühmt ist für gepflegten Fußball oder atmosphärisch dichte Popmusik. Doch Udo Lindenberg hat es geschafft, die Geister der Vergangenheit aus diesem schroffen, monumentalen Beton zu vertreiben. Er kam im Sommer, auf grünen Socken, mit Hut und einer Energie, die sprachlos machte. Eine Agenda der guten Laune und Nachdenklichkeit. Meine Güte, was für ein Entertainer! Klarer Platz eins.

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2. Wanda: Sie spielten im Potsdamer Waschhaus, als die Hysterie um diese Band aus Wien auf ihrem Gipfel stand. So viel Schnaps wird selten ausgeschenkt, wenn Rock ’n’ Roll gepredigt wird, zumal in derber Mundart. Niemand wollte Bier. Man brauchte Härteres, um diesen schönen Wahnsinn zu ertragen. Es war August, es war heiß, man hatte Durst. Was für eine hochprozentige Prozedur, die Wanda uns bescherten.

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3. Lionel Richie kam aufs Potsdamer Stadtwerkefest – kaum war seine Messe gesungen, knapp vor dem Regenguss mit Blitz und Donner in der schwülen Sommernacht, wurde er von der Jury des Grammy, des weltweit wichtigen Musikpreises, als Persönlichkeit des Jahres gekürt. In Brandenburg kommen Karrieren, selbst von Schmusesängern, wieder auf Touren. Ein fabelhafter dritter Platz in diesem Ranking.

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4. AC/DC: AC/DC kamen ebenfalls ins Olympiastadion, doch mit einer grundsätzlich anderen Philosophie als Udo Lindenberg. Bitte, wir reden bei AC/DC von der Geste, nicht von der Musik. Wir hören nicht genau auf die Gitarrensoli, sondern schauen auf die Schuluniform von Angus Young. Laut und lustig ist die Band, auch wenn sie böse tut. Sie bietet Comedy und Hardcore per Gitarre, das ist groß und reicht zu einem Platz in unserer Spitzengruppe.

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5. U2: Sie sind immer gut, bestens vorbereitet und sagen die richtigen Worte zur richtigen Zeit. Das ist ein bisschen langweilig, aber doch auch wieder sehr professionell. U2 spielten in der Berliner Mercedes-Benz-Arena, einer großen, kalten Scheune, in der man eigentlich nur Eishockey erlauben sollte. Die irische Band U2 aber holte Riesenmonitore raus, auf denen sie zu Songs wie „Sunday Bloody Sunday“ ihre Kindheit in Dublin illustrierte. Tolle Show. Die Musik ordnete sich brav unter. Das reicht für Platz fünf!

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Szene aus „Men & Chicken“

Szene aus „Men & Chicken“

Quelle: Rolf konow

Kino

1. „Men & Chicken“: Schräge Komödie über fünf mutantische, sexhungrige, tierliebende Brüder, die sich gern prügeln und doch irgendwie zusammenraufen. Eine Ode an schwierige Familienverhältnisse! Der dänische Regisseur Anders Thomas Jensen, Spezialist für skurrile Geschichten, versammelt seine Lieblingsschauspieler, darunter Superstar Mads Mikkelsen – in der Rolle als Elias mit Lockenperücke, Porno-Balken und Oberlippennarbe sowie chronischem Masturbationsdrang! Gedreht wurde „Men & Chicken“ (bereits auf DVD) in den ehemaligen Lungenheilstätten in Beelitz und koproduziert von Studio Babelsberg.

2. „Er ist wieder da“: David Wnendt hat Timur Vermes’ gleichnamigen Bestseller für die Leinwand kongenial umgesetzt. Adolf Hitler (grandios: Oliver Masucci) ist im Berlin der Gegenwart wiederauferstanden und staunt – über Türken, Fernsehkochshows, das Internet. Wnendt, Absolvent der Babelsberger Hochschule für Film und Fernsehen „Konrad Wolf“ (HFF), entlässt den Führer auf eine halbdokumentarische braune Reise – zu Touristen ans Brandenburger Tor oder zu Wutbürgern in die Provinz. „Er ist wieder da“ (noch im Kino) ist oft brüllend komisch – und manchmal verstörend.

3. „Heil“: Nazi-Hipster, Verfassungsschutzleute, Intellektuelle, Gutmenschen außer Rand und Band. Alle bekommen in der turbulenten Gesellschaftskomödie von Regisseur und HFF-Absolvent Dietrich Brüggemann eins übergebraten. Wer „Heil“ im Kino verpasst hat, kann die Satire inzwischen auf DVD nachholen.

4. „Bridge of Spies – Der Unterhändler“: An Steven Spielbergs Agententhriller mit Tom Hanks als schlitzohrigem Anwalt scheiden sich die Geister: Meisterwerk oder Mist? Etwas weniger Tristesse in den DDR-Szenen hätte gut getan, ja. Aber hey, es ist Hollywood! Dafür ist die Glienicker Brücke als Ort des ersten Agentenaustauschs spektakulär inszeniert. Und darin sind sich dann wieder alle einig: Mark Rylance liefert als sowjetischer Spion Rudolf Abel eine absolut Oscar-würdige Performance ab! Über einen Goldjungen würde man sich auch beim Koproduzenten Studio Babelsberg freuen.

5. „Alki Alki“: In seinem neuesten Streich (noch in Berliner Kiezkinos) schickt Axel Ranisch, ebenfalls HFF-Diplomand, seine beiden Lieblingsschauspieler Heiko Pinkowski und Peter Trabner auf Sauftour. Das ist oft absurd komisch, häufig tragisch – und sehr bewegend: Die Charaktere tragen autobiografische Züge. Pinkowski und Trabner sind trockene Alkoholiker.

Szene aus „Nathan der Weise“

Szene aus „Nathan der Weise“

Quelle: Christel Köster

Bühne

1. „Nathan der Weise“: Die freie Theatergruppe Poetenpack bewies einen guten Riecher. Noch bevor die Flüchtlingspolitik zum beherrschenden Thema wurde, setzte Impresario Andreas Hueck Lessings „Nathan der Weise“ auf den Spielplan. Da ihm das Geld fehlte, warb er von Bürgern fast 30 000 Euro Spenden ein und baute eine Potsdamer Willkommensklasse in seine Inszenierung ein. Die Sprösslinge aus Syrien, Indien und Afrika machten aus dem Credo gegen religiöse Orthodoxie eine sinnfällige Veranstaltung.

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2. Festival Intersonanzen: Am 3. Oktober präsentierte das Philharmonische Orchester des Staatstheater Cottbus beim Festival Intersonanzen in Potsdam gleich zwölf Uraufführungen. Alle Fünf-Minuten-Kompositionen stammten von Mitgliedern des Brandenburgischen Verein Neue Musik. Sie vertonten ihre Haltung zum Thema „25 Jahre Deutsche Einheit“. Das war überaus reichhaltig, aussagekräftig, intensiv und erquickend.

3. „Der doppelte Liebesgarten“: Bei der Vergegenwärtigung von Barockmusik setzen die Musikfestspiele Potsdam Sanssouci immer auch zeitgenössische Akzente. In der Potsdamer Schinkelhalle kam im Juni eine verblüffende Kammeroper mit Musik von Scarlatti und Bach in der Regie von Isabel Ostermann zur Aufführung. Die wunderbaren, grell geschminkten Sänger und ihre leuchtenden Kostüme entsprangen modern-abstrakten Fantasien.

4. „Chambre privée“: Die Schauspieler Meike Finck und Michael Schrodt haben ein charmantes Talkformat entwickelt, um jeweils zwei Kollegen vom Potsdamer Hans-Otto-Theater vorzustellen. Ihr „Chambre privée“ leitet sich augenzwinkernd von einschlägigen TV-Quasselrunden ab. Es kann aber mit viel mehr Esprit aufwarten, weil die Kamera fehlt und nur ein kleines Publikum den Lebensbeichten folgt. Das Theater wäre gut beraten, auch mal Leute aus Stadt und Land diesem öffentlichen Sympathie-Check zu unterziehen.

5. „Plastic Heroes“: Der israelische Puppenspieler Ariel Doron erzählte mit handelsüblichem Kriegsspielzeug eine sehr persönliche Geschichte. In der ­intimen 40-minütigen Show „Plastic Heroes“ rechnete der Satiriker mit seiner dreijährigen Militärzeit ab, lässt Soldaten ­Streife gehen, Miniaturpanzer rattern und Hubschrauber blinken. Am Ende verabschiedete sich der Gast des Theaterfestivals Unidram bei jedem seiner Zuschauer mit einer Tüte Gummibärchen.

„DDR-expressiv – die 80er-Jahre“

„DDR-expressiv – die 80er-Jahre“

Quelle: dpa

Kunst

1. „DDR-expressiv – die 80er-Jahre“: Ein Farbenrausch – wild, nervös, expressiv. Das Museum Junge Kunst zeigt seit Mai die Jungen Wilden der DDR. No Future war ein Gefühl, das auch den Osten beherrschte. Ein Gefühl, dass gerade hier nichts mehr ging und der Einzelne sich nur noch auf sich selbst verlassen kann. Künstler wie Hans Scheib, Johannes Heisig, Claus Hensel oder Elke Riemer zählten zu den sogenannten Neoexpressionisten, die sich mit ästhetischen Mitteln gegen den Untergang stemmten. Eine hinreißende Schau – noch geöffnet bis 24. Januar. Platz eins für die Ost-Moderne.

2. „The Botticelli Renaissance“: Seine Musen sind zu Ikonen der Moderne geworden. Sandro Botticelli wurde und wird seit mehr als 100 Jahren zitiert und kopiert: die englischen Präraffaeliten des 19. Jahrhunderts fingen damit an, bei Warhol hörte es noch lange nicht auf. Die zeitgenössische Kunst hat den Renaissance-Maler ebenso verarbeitet wie die Modeindustrie. Die Berliner Gemäldegalerie zeigt das alles, zudem viele Bilder, die der Werkstatt des norditalienischen Malerstars zugeschrieben werden und einige wenige, die ganz sicher von Botticelli sind. Noch bis 24. Januar. Die Renaissance kommt ganz klar auf Platz zwei.

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3. „Bonjour tristesse“: Poppig Platz drei. Diese Bilder haben einen Sound. Der ostdeutsche Künstler Klaus Killisch integriert nicht nur Schallplatten in seine Collagen, Popmusik ist auch sein Thema. Die Schau im Dieselkraftwerk Cottbus zeigt seit November riesige Werke, die das freiheitliche Lebensgefühl des Pop transportieren: rauschhaft, aufrührerisch, bunt und laut. Ein Trip, der sich lohnt. Noch bis 17. Januar.

4. „Impressionismus Expressionismus“: Wie oft hat man die Bilder schon gesehen? Manet, Monet, Degas, Kirchner. Doch so überzeugend wurden sie lange nicht mehr präsentiert, wie diesen Sommer in der Alten Berliner Nationalgalerie. Zwei Stile, eine Epoche, in der neue Blicke auf die Welt entstanden. Platz vier für die Moderne.

5. „Apokalypse“: Weltuntergang war diesen Sommer bei Rohkunstbau im Schloss Roskow (Potsdam-Mittelmark) angesagt. Die Macher der Schau, die jährlich Stars der zeitgenössischen Kunstszene nach Brandenburg holen, hatten das Thema „Apokalypse“ ausgegeben. Angesichts von Klimakrise, Euro-Krise, Flüchtlingskrise keine verkehrte Idee. Elf Künstler haben sich der Krisen dieser Welt mit viel Witz und Fantasie angenommen. Und gezeigt: So können Krisen sogar Spaß machen. Platz fünf geht an die zeitgenössische Kunst.

Von Lars Grote, Ricarda Nowak, Mathias Richter, Karim Saab

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