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Die private Seite der politischen Malerin Annemirl Bauer

Ausstellung im Dieselkraftwerk Cottbus Die private Seite der politischen Malerin Annemirl Bauer

Die 1989, kurz vor dem Mauerfall verstorbene Malerin Annemirl Bauer ist vor allem als politische Malerin bekannt, die das DDR-Regime grundlegend kritisierte. Das Museum Dieselkraftwerk Cottbus zeigt in einer knapp 100 Arbeiten umfassenden Ausstellung auch Arbeiten, die sich mit privaten Themen befassen.

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„Mutter & Kind“ nannte Annemirl Bauer dieses zirka 1980 gemalte Bild.

Quelle: Foto: VG Bild-kunst Bonn, 2015

Cottbus. Eine richtige Dissidentin war Annemirl Bauer nicht. Offen politisch engagiert hat sie sich selten. Denn eigentlich wollte sie nur malen – was sie wollte und wo sie wollte. Doch weil die heute vor allem durch ihre politischen, regimekritischen Bilder bekannte Malerin das nicht immer durfte, meldete sie sich gelegentlich lautstark zu Wort.

So wie 1984. Eine Reise nach Frankreich war ihr untersagt worden. Und dann kam auch noch ihre Freundin, die Malerin und Bürgerrechtlerin Bärbel Bohley in den Knast nach Hohenschönhausen. Bauer schrieb einen offenen Brief an Willi Sitte, den Präsidenten des Verbandes der Bildenden Künste in der DDR und forderte Reisefreiheit, Pressefreiheit und die Selbstbestimmung des Einzelne. Die Folgen waren der Ausschluss aus dem Künstlerverband, was einen Arbeitsverbot gleichkam und politische Schikanen durch die Stasi.

Die weniger politische Seite der Annemirl Bauer zeigt die Ausstellung „Ich möchte kein Gefangener im Käfig sein“ in Cottbuser Dieselkraftwerk. Offen politisch ist nur ein Teil der knapp 100 Arbeiten umfassenden Schau der Künstlerin, die vor ihrem Tod im Sommer 1989 in der Nähe von Bad Belzig (Potsdam-Mittelmark) gelebt hatte. Sehr private Porträts von Familienmitgliedern sind dort zu sehen – geliebte Menschen mit all ihren Verletzlichkeiten. Es sind Zeugnisse von Sehnsucht nach Geborgenheit, die die Malerin offenbar nur in ihrem privaten Umfeld spürte. Trotz Bauers häufig recht brachialer Maltechnik haben diese Werke etwas ungemein Zärtliches.

Breiten Raum nehmen Arbeiten ein, die Annemirl Bauers Fernweh thematisieren. Vor allem Frankreich, das Land der klassischen Moderne hatte es der Malerin angetan. Noch vor dem Mauerbau war sie in den 50er-Jahren dort auf einer Reise mit den Arbeiten von Picasso, Matisse und Chagall konfrontiert worden. Bezüge zu diesem Künstlern tauchen auch in ihrem späten Werken auf.

In Cottbus sind mehrere Collagen zu sehen, die 1988 auf einer illegalen Frankreich-Reise entstanden. Bauer hatte bei einem genehmigten Besuch in der Bundesrepublik einfach ein Zugticket in das Land ihrer Träume gelöst. Die Collagen sind Zeugnisse der Auseinandersetzung mit der Kultur eines anderen Landes. So montierte Bauer etwa Ausschnitte aus Zeitungen und Illustrierten mit Bilder von der südfranzösischen Küste und übermalt sie mit Frauengesichter. Nicht nur die Friedenstaube auf der Schulter einer der Damen erinnert an Picasso, das Bild „Diskutierende Frauen von Arles“ ist eine Verneigung vor dessen berühmten „Desmoiselles d’Avignon“.

Bauer sah die Welt durch die Brille der bürgerlichen Kunstgeschichte. Dafür wollte sie Reisen. Das sie daran gehindert wurde, machte sie von einer Sozialistin zur Regimekritikerin.

Annemirl Bauer: Ich möchte kein Gefangener Vogel im Käfig sein. Dieselkraftwerk Cottbus, Dienstag bis Sonntag 10 bis 18 Uhr. Noch bis zum 21. Juni.

Von Mathias Richter

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