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Kultur Die unbekannte Fotografin Vivian Maier
Nachrichten Kultur Die unbekannte Fotografin Vivian Maier
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14:55 02.03.2015
Straßenszene in New York, September 1953. Quelle: Freundeskreis Willy Brandt Haus
Berlin

Es ist eine der aufregendsten Geschichten in der Fotografiehistorie. Eigentlich suchte der junge Chicagoer Immobilienmakler und Hobby-Historiker John Maloof nur nach Fotos, um ein Buch über alte Stadtansichten Chicagos zu illustrieren. Als er 2007 an einer Zwangsversteigerung teilnahm und eine Kiste alter Negative für wenige hundert Dollar ergatterte, wusste er nicht, dass er von nun an einen der größten Schätze der amerikanischen Fotografie des 20. Jahrhunderts besitzt – von der zeit ihres Lebens unbedeutenden Fotografin Vivian Maier. Er ließ die Negative erst einmal ruhen, erst 2009 – zufällig in dem Jahr, in dem Maier starb – holte er sie wieder heraus, ließ sie entwickeln und veröffentlichte einige Abzüge davon auf seinem Internetblog, die sich schnell im Netz verbreiteten. Von dem Ruhm, der folgte, sollte Maier nie etwas mitbekommen.

Selbstporträt in New York, September 1955. Quelle: Freundeskreis Willy Brandt Haus

Erstmalig in Deutschland präsentiert der Freundeskreis Willy-Brandt-Haus die Ausstellung „Vivian Maier – Street Photographer“. Eine Auswahl von 120 Werken der Künstlerin werden noch bis zum 12. April 2015 ausgestellt. Die 1926 geborene Hobbyfotografin stieg innerhalb weniger Jahre zu einer der wichtigsten amerikanischen Fotografinnen des 20. Jahrhunderts auf. Maiers Geburtsort ist unklar, es wird vermutet, dass es New York oder ein Ort in Frankreich ist. Sie ließ im Laufe ihres Lebens nur wenige Filmrollen entwickeln und zeigte sie fast niemandem. Ihren Lebensunterhalt verdiente sie als Kindermädchen, lebte jedoch auf den täglichen Spaziergängen mit ihren Schützlingen ihr großes Hobby aus. Sie hängte sich eine analoge Rolleiflex-Kamera um und fing damit das urbane Leben auf den Straßen New Yorks und Chicagos ein. Der Betrachter bekommt beim Anblick ihrer Fotos eine Ahnung, wie der Großstadtalltag und die Wohn- und Lebensverhältnisse in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts aussahen. 2013 zeigte die BBC den preisgekrönten Dokumentarfilm „Vivan Maier: Who took Nanny’s Pictures?“, der Entdecker Maloof legte mit der Doku „Finding Vivian Maier“ 2014 nach und ist auch ist Nachlassverwalter der etwa 150.000 Aufnahmen. In beiden Dokumentationen sprechen jene, für die Maier als Nanny gesorgt hat.

Vivian Maier fotografierte über Jahrzehnte Straßenszenen und oft auch sich selbst. Wir zeigen eine Auswahl der 120 in der Ausstellung zu sehenden Fotografien der Amerikanerin.

Vivian Maier schoss viele Selbstporträts, während sie in der Stadt unterwegs war: Im Bus, in einer Nische einer Seitenstraße oder im Supermarkt. Ihr Gesicht verzieht auf keinem Bild eine Miene, sie blickt auf den kunstvoll arrangierten Bildern meist nie direkt in die Kamera. Ihre Aufnahmen sind ausgewogen komponiert wie Gemälde, mit Wiederholungen in der Formgebung und Linienführung oder sind als Dreieckskompositionen arrangiert. Oft behandeln sie ein spezielles Thema, wie beispielsweise die Liebe zwischen alten Menschen. Auf einem der Bilder lehnt sich eine ältere Frau zärtlich an die Schulter ihres Mannes, während sie im Bus nebeneinander sitzen, die Köpfe zueinander geneigt. Die beiden ahnen nicht, dass dieser Moment gerade für immer festgehalten wird.

Die eindringlichen Porträtstudien der Fotografin zeigen oft schöne, traurige oder verliebte Menschen und vor allem Kinder. Ein weinender Junge an der Hand seiner Mutter oder ein Mädchen mit glasigen Augen – die Bilder transportieren immer eine erschreckende Emotionalität. Oft fotografiert sie Details, wie die Arme und Hände eines Pärchens, die sich gerade inmitten einer Menschenmenge berühren – es sind flüchtige Momente des Großstadtdschungels. Fast voyeuristisch dringt sie in das Leben von fremden Personen ein und hält ihre intimsten Momente fest, ohne dass ihre Fotoobjekte es merken. Zudem hat die Künstlerin ein Faible für Abnormalitäten und lichtet einen übergroßen Mann, einen verbrannten Stuhl oder einen schlafenden Kioskverkäufer ab, der von Unmengen Zeitungen umrahmt wird.

Bildungsprogramm zu Vivian Maier

Öffnungszeiten: Dienstags bis sonntags von 12 bis 18 Uhr, Eintritt frei. An Karfreitag geschlossen, sonst an allen Osterfeiertagen inclusive Ostermontag geöffnet.

Adresse: Willy-Brandt-Haus, Stresemannstraße 28, 10963 Berlin

6. März um 16.30 Uhr: Der Salon für Kritische Kunstvermittlung ist zu Gast

26. März um 16.30 Uhr: Wem gehört Vivian Maier? Ausstellungsgespräch zur Rezeption und Deutung einer Kunstfigur mit der Kunstwissenschaftlerin Wiebke Trunk

Jeden Sonntag um 15 Uhr: Dialogische Rundgänge

Angebote für Schulklassen: Das Spiel mit der Identität – Workshop zu Vivian Maier

Aber sie schafft es auch, mit der damaligen Technik Nachtaufnahmen von der Skyline New Yorks zu schießen oder fängt ganze Szenen am Strand ein, in denen das Leben ausgelassen zelebriert wird. Ein weiterer Fokus der Künstlerin sind architektonische Bezugspunkte wie Linien, Muster, Schattierungen oder Fassaden, denen sie Detailaufnahmen widmet.

Was sie abbildete, war nicht nur das öffentliche Leben, das sie auf ihren langen Stadtspaziergängen mit den von ihr betreuten Kindern erkundete. Es war auch ihr ganz privates. Vivian Maier starb kinderlos und verarmt 83-jährig in Chicago.

Von Melanie Höhn

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