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Nachrichten Kultur Diese DDR-Kunst hängt bald im Barberini
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00:18 06.10.2017
Der Maler Ralf Winkler, bekannt unter dem Namen A. R. Penck, entwickelte in Dresden eine Bildsprache, die der DDR-Staat bekämpft hat.
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Potsdam

Bisher war es ein großes Geheimnis, welche Bilder das Museum Barberini für die Sonderausstellung „Hinter der Maske. Künstler in der DDR“ aus privaten und öffentlichen Sammlungen ausleiht. Vier Wochen vor Eröffnung liegt der MAZ die Liste der 117 Werke vor, die in den beiden unteren Etagen im neu errichteten Palais am Alten Markt in Potsdam gezeigt werden.

Allein von den Werken ausgehend

Die konkrete Auswahl wurde von Valerie Hortolani und Michael Philipp getroffen. Beide Kunstwissenschaftler haben nie in der DDR gelebt, sind also Außenstehende, die sich ohne ideologische Scheuklappen dem seit 1990 abgeschlossenen Sammelgebiet DDR nähern. „Die Kuratoren sind keine Zeitzeugen“, betont Direktorin Ortrud Westheider. „Es war ihr Auftrag, allein von den Werken auszugehen. Auch die Künstlerbiografien sollten nicht mitentscheidend sein.“ Das Museum Barberini habe viel Post mit Anregungen und Empfehlungen bekommen. „Ich weiß, für Künstler und auch für ihre Angehörigen ist es oft ein schmerzhafter Prozess, historisiert zu werden“, so Westheider.

Valerie Hortolani, Gastkuratorin am Barberini. Quelle: Bernd Gartenschläger

Gefahndet wurde nach den interessantesten Motiven, in denen das Selbstverständnis von Künstlern zum Ausdruck kommt, die unter den Bedingungen der DDR gearbeitet haben. Westheider spricht gern von der „Selbstbehauptung der Künstler“ – denn alle Künstler, ob von den Zielen des Sozialismus überzeugt oder nicht, waren mit den oft schwankenden kunstpolitischen Vorgaben von Partei und Staat konfrontiert. Sie reagierten darauf auf unterschiedliche Weise.

Auch ein Penck ist dabei

Die Ausstellungsmacher haben darauf geachtet, dass jedes Werk wirklich zwischen 1945 und 1989 in der DDR entstanden ist. Manch einen mag es überraschen, dass auch ein Bild von A.R. Penck (1939-2017) aufgetrieben wurde, das man als solches wegen des Strichmännchens und der grafischen Bildzeichen sofort erkennt. „Ich“ heißt das extreme Breitformat, das der gebürtige Dresdner 1970, zehn Jahre vor seiner Ausbürgerung, anfertigte. In den 1980er Jahren erlebte Penck dann mit derartigen Motiven auf dem internationalen Markt einen atemberaubenden Durchbruch.

Der Raum, in dem der Penck hängen wird, ist mit „Spiegelungen. Freie Zugänge zum Selbst“ überschrieben. Abstrakte Arbeiten, etwa auch von Gerhard Altenbourg oder Hartwig Ebersbach, werden hier realistisch-allegorischen Darstellungen gegenübergestellt: Ölbilder wie „Verlorene Illusion“ (1945) von Elisabeth Voigt oder das „Selbstbildnis“ (1970) von Willy Wolff, ein „Stillleben mit Selbstbildnis“ (1971) von Eberhard Löbel oder das „Selbstbildnis in Leipziger Häusern“ (1978) von Irene Kiele.

Willi Sitte: „Sich Stützende“ (1957) Quelle: Museum Barberini

Auch unbekanntere Namen und Bilder

Der frische Blick der Kuratoren hat dafür gesorgt, dass auch unbekanntere Namen und Bilder ins Rampenlicht rücken. So taucht ein „Selbstbildnis“ (1977) von Gerda Lepke auf, das sich aus Wolken schwarzer Farbsprenkel zusammensetzt. Die Technik erinnert an die launig-strengen Porträts von Max Uhlig, der mit Lepke seit 1973 zusammenlebt. Warum ist Uhlig in der Ausstellung nicht vertreten?

Hätte das Barberini die Ausstellung „Hinter der Maske“ nicht auch noch auf das zweite Obergeschoss ausdehnen können, um noch viel mehr Beispiele zu zeigen, die sich dem Kunst-Kenner aufdrängen? „Das haben wir alles genau abgewogen, auch die Frage Uhlig oder Lepke“, beteuert Museumsdirektorin Westheider und fügt hinzu: „Durch mehr Bilder wäre unsere Erzählung nicht schärfer geworden, im Gegenteil.“

Vier Malergenerationen im Blick

Die Kuratoren haben es wirklich gewagt, vier Malergenerationen in den Blick zu nehmen. Natürlich kann die Schau einem einzelnen Maler und seinem Werk nicht gerecht werden. Das möchte sie auch gar nicht. Wer zum Beispiel die wilden, vergnügten comicartigen Wuselbilder von Frieder Heinze kennt, mag erstaunt sein, im Barberini auf ein vergrübeltes Frühwerk mit dem Titel „Selbstverständnis“ (1979) zu treffen. Noch ganz im Stile der Leipziger Schule gestaltet der Tübke- und Heisig-Schüler hier ein erzählendes Tafelbild, würzt es aber auch bereits mit surrealistischem Witz.

Dass es auch Maler gibt, die mit mehreren Bildern vertreten sind, ist bei dem knapp bemessenen Platz durchaus als Statement zu werten. Die Kuratoren brechen eine Lanze für den Dresdner Konstruktivisten Hermann Glöckner (1889-1987), von dem sechs Arbeiten im Barberini hängen werden. „Wir bewundern seine Autonomie, er ließ sich nie reinreden“, begründet Ortrud Westheider diese Entscheidung. Glöckner lässt sogar Wolfgang Mattheuer hinter sich, obwohl es von dem Leipziger viele Bilder zum Masken-Thema gibt. Ihm will das Barberini demnächst eine Personalausstellung einräumen.

Heute in der MAZ: „Das Kunstleben in der DDR war reicher als es beschrieben wird“ – Interview mit der Gastkuratorin Valerie Hortolani

Von Karim Saab

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