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Dieses Beben in der Stimme

MAZ-Konzerttipp Dieses Beben in der Stimme

Alles begann in kleinen Kellerlokalen. Von dort schafft es Gisela Joao auf die großen Bühnen. Die gefeierte Sängerin aus dem Norden Portugals verschafft dem Fado – dem musikalischen Nationalheiligtum ihres Landes – neue Impulse. Mit Stimme und Haltung behauptet sie sich gegen die hochklassige Konkurrenz ihrer Heimat und besucht nun Berlin.

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Frischt den Fado auf: Gisela Joao.

Quelle: Estelle Valente

Potsdam. Eines Tages landet ein kleines grünes Männchen in ihrem Vorgarten. Gisela Joao kommt bald mit ihm ins Gespräch. Man schwatzt über dieses und jenes – auch darüber, ob es auf dem fernen Planeten ihres Gastes auch Sardinen und Stockfisch gibt. Geschichten dieser Art gehören gewöhnlich nicht zum tragisch-schönen Themenspektrum einer Fadista. Aber die Sängerin erlangte ihre viel bewunderte nahezu unbegrenzte Ausdruckskraft auch nicht in den Gassen der Altstadt von Lissabon. Sie wuchs im ländlichen Norden Portugals auf – in Barcelo. Hört Radio, kümmert sich um ihre Geschwister und singt in einem Lokal. A capella, denn Begleiter auf der Gitarre sind knapp.

Man könnte nun behaupten, Gisela hat aus der Not eine Tugend gemacht. Doch das trifft nur zum Teil zu. Bald geht sie nach Porto und findet in der Band Atlantihda großen Gefallen daran, Tango und Pop mit Folklore zu mischen. Schließlich erhält sie in Lissabon, dem Kraftzentrum des Fado, prominente Unterstützung. Helder Moutinho verschafft ihr Auftritte, Gisela lernt, sich gegen ihre hochklassige Konkurrenz zu behaupten, dann klettert ihr Debüt die heimischen Charts nach oben.

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Wo Grenzen zerfließen, wo sich Tag und Nacht berühren, wo Menschen das Spiel mit den Möglichkeiten lieben - dort fühlt sich Yasmine Hamdan wohl. Die Libanesin, die um die Welt zog, verschiedene Kulturen aufgesogen hat und die inzwischen in Paris lebt, ist eine mutige Weberin. Zwar machen die farbenfrohen Fäden ihrer arabischen Heimat sie gesanglich aus. Doch Yasmine liebt die Überschreitung, die Herausforderung, den Neubeginn. Bekannte Formen nimmt sie her, wendet und verändert sie und immer greift sie beherzt nach der Welt. Soll heißen elektronische Bässe und Beats, Chöre und Halleffekte werden organisch mit herkömmlichen Instrumenten verbunden. Ein Teppich aus Tradition und Moderne. West und Ost. Pop trifft Folklore. Damit schafft Yasmine Hamdan, die dem Vampir-Film „Only Lovers Left Alive“ von Jim Jarmusch mit ihrem Song „Hal“ einen Höhepunkt beisteuerte, Begegnungsräume. Offen und inspirierend.

Yasmine Hamdan: Al Jamilat. Crammed Discs/Indigo.

Konzert: Yasmine Hamdan tritt am Donnerstag, dem 4. Mai, um 20 Uhr im Columbiatheater in Berlin-Kreuzberg auf.

Auf „Nua“, dem aktuellen Nachfolger, weicht die Sängerin nicht wesentlich ab vom gewohnten Klangbild: Stimme plus Begleitung aus portugiesischer Gitarre, Fado-Gitarre und Bass. Doch ihre Vortragskunst rührt die Seele. Sicher, von nichts anderem als Sehnsucht, Schicksal und Liebe kündet der Fado. Doch wie Gisela bebt, schmachtet, klagt, sich verzehrt oder nachdenklich gibt, das ist schon besonders. Der Name der unsterblichen Amalia Rodrigues muss da gar nicht aufgeboten werden. Die Lieder von Gisela Joao sprechen für sich selbst und für ein gesundes neues Selbstbewusstsein im Fado. Nahbar, glaubhaft und ohne Pathos agiert die Mittdreißigerin. Selbst Reime eines Rap-Poeten leiht sie sich und greift Stücke aus Brasilien und Mexiko auf.

Konzerte: Gisela Joao spielt am Dienstag, dem 25. April, um 21 Uhr im Lido in Berlin-Kreuzberg.

Von Ralf Thürsam

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