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Tschechen feiern schräge Neonazi-Satire „Heil“

50. Internationales Filmfestival Karlovy Vary Tschechen feiern schräge Neonazi-Satire „Heil“

Erst umjubelte Weltpremiere auf dem Filmfest München, jetzt beim Internationalen Filmfestival Karlovy Vary: Der Babelsberger Filmhochschul-Absolvent Dietrich Brüggemann wird für seine voller grandioser Einfälle steckende Neonazi-Satire „Heil“ gefeiert. Am 14. Juli kommt er mit dem Film ins Babelsberger Thalia-Kino.

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Das „Heil“-Team in Karlovy Vary (v.l.): Schauspieler Benno Fürmann, Regisseur Dietrich Brüggemann, Produzentin Katrin Goetter und Schauspieler Jerry Hoffmann.

Quelle: AFP

Karlovy Vary. Schon mal von einem „Nipster“ gehört? Ist ein Mix aus Nazi und Hipster: Jemand, der versucht, rechtes Dumpfbackentum urban und hip erscheinen zu lassen. Was zum Vergnügen der Zuschauer grandios misslingt. Den „Nipster“ hat Regisseur Dietrich Brüggemann für seine voller Absurditäten steckende Neonazi-Satire „Heil“ erfunden und freut sich noch immer diebisch darüber: „Super Einfall, oder?“

Das Publikum beim 50. Internationalen Filmfestival Karlovy Vary hat „Heil“ am Wochenende bejubelt. Brüggemann (39), Absolvent der Filmhochschule „Konrad Wolf“, läuft im Hauptwettbewerb des tschechischen Traditionsfestivals, war 2014 er mit seinem antiklerikalen Drama „Kreuzweg“ zu Gast. „Ich liebe dieses Festival, es ist der absolut richtige Platz für meinen Film. Die Menschen hier haben einen speziellen Sinn für Humor.“ Allein der „Heil“-Vorspann ist dank der schön respektlosen Ideen ein Ereignis! Dann ein dreisekündiges Weltkriegsbilder-Intro. In der Gegenwart sind die Gespenster der Vergangenheit vom Verfassungsschutz gesteuerte, doofe Neonazis (sie pinseln „Weit Bauer“ auf Wände) in der Brandenburger Provinz. Sie hauen einem afro-deutschen Autor eins auf die Nuss, er verliert sein Gedächtnis und plappert braune Parolen nach. Brüggemanns Humor: erfrischend politisch unkorrekt. Medienleute, Gutmenschen, Intellektuelle – alle bekommen eins drauf, die braunen Typen sowieso. Rekordverdächtige mehr als 120 Sprechrollen hat Brüggemann in 107 Minuten „Heil“ untergebracht. Zu sehen sind etwa Benno Fürmann, Jerry Hoffmann, Michael Gwsidek, in Gastauftritten die Regie-Kollegen Andreas Dresen, Jakob Lass, Axel Ranisch.

Filmuni-Ton-Professor Martin Steyer spielt in „Heil“ nicht mit, fühlt sich ohnehin mehr im Studio zu Hause. In Karlovy Vary ist er mit zwei Filmen dabei, verantwortete den Sound für Stepan Altrichters Filmuni-Abschluss „Schmitke“ und für das deutsch-indische Drama „Umrika“. Dort spielt mit Tony Revolori mit – ein alter Bekannter aus der Oscar-gekrönten Studio-Babelsberg-Koproduktion „Grand Budapest Hotel“ (er war der Page Zero). Von Babelsberg schwärmt Tony: „Tolle Leute, tolles Studio – ein bisschen Deutsch hab’ ich auch gelernt: ,Bitte’ und ,Guten Tag’.“

Festival mit Tradition

Seit 1946 findet im tschechischen Kurort Karlsbad jährlich Anfang Juli das „Karlovy Vary International Film Festival“ (KVIFF) statt. Das bis Sonnabend dauernde KVIFF zählt zu den weltweit 13 wichtigen A-Festivals. Zur 50. Auflage wurde am vergangenen Freitag Hollywoodstar Richard Gere („Pretty Woman“) mit dem Kristallglobus für sein Lebenswerk ausgezeichnet.

„Heil“ hat am 14. Juli um 19 Uhr im Babelsberger Thalia-Kino Vorpremiere. Regisseur Dietrich Brüggemann bringt seine Schauspieler Liv Lisa Fries, Jacob Matschenz und Jerry Hoffmann mit. Kinostart ist am 16. Juli. Ticketreservierung unter 0331/743 70 20.

 

Von Ricarda Nowak

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