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Domkurator: „Das Jubiläum kostet sehr viel Geld“

MAZ-Interview Domkurator: „Das Jubiläum kostet sehr viel Geld“

Ganze sechs Monate feiert die Stadt Brandenburg das 850-jährige Bestehen des Doms. Am Sonntag steht zum Tag der Grundsteinlegung ein Festgottesdienst an – eines der Highlights im Festprogramm. Domkurator Cord-Georg Hasselmann zieht im MAZ-Interview Bilanz über die Festlichkeiten zum Jubiläum und verrät, ob es dem Dom jetzt finanziell besser geht.

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Der Dom zu Brandenburg ist die älteste Institution der alten Mark.

Quelle: Julian Stähle

Brandenburg/Havel. Ein halbes Jahr lang feiert Brandenburg an der Havel das 850-jährige Bestehen seines Doms, dessen Grundstein am 11. Oktober 1165 gelegt wurde. Anlässlich dieses Jubiläums wird am Sonntag ein Festgottesdienst veranstaltet. Im MAZ-Interview blickt Domkurator Cord-Georg Hasselmann (59) auf die bisherigen Festlichkeiten zurück und erzählt, warum der Dom so bedeutend für die ganze Region ist.

MAZ: Herr Hasselmann, der Dom zu Brandenburg gilt als die Wiege der Mark. Warum ist das so?

Cord-Georg Hasselmann : Weil an diesem Ort die Christianisierung der Region begann und weil das Domstift die älteste Institution der alten Mark ist. Aber das erklärt noch lange nicht die vielseitige Bedeutung des Doms, denn der Dom ist nicht irgendeine Kirche. Er war Fixpunkt und Legitimationsgrundlage der Herrschenden und stellte häufig die Schnittstelle zwischen Staat und Kirche dar. Aber auch als Bildungsstandort spielt er mit seiner langen Tradition immer noch eine große Rolle.

Inwiefern?

Hasselmann: Von 1705 bis in die 1930er Jahre befand sich hier die Ritterakademie. Jetzt haben wir auf dem Burghof rund um den Dom eine evangelische Grundschule und ein evangelisches Gymnasium. Etwa 600 Schüler leben und lernen hier mit dem Dom und prägen das Leben auf dem Burghof. Aber das ist noch nicht alles: Die Orgel ist fast 300 Jahre alt. Sie ist die größte noch erhaltene Orgel, die von Joachim Wagner, dem bedeutendsten märkischen Orgelbauer seiner Zeit, gefertigt wurde. Seit mehreren Jahrzehnten veranstalten wir regelmäßige Orgelkonzerte und bereichern damit auch das kulturelle Leben der Stadt.

Schon seit fünf Monaten feiert Brandenburg das Domjubiläum. Wie sieht Ihre Bilanz bisher aus, sind Sie zufrieden?

Hasselmann: Vollkommen. Wir haben bewusst ein breites Programm vorbereitet, um ein möglichst großes Publikum anzusprechen. Wir hatten top Konzerte vor allem auf der Orgel, die Resonanz war sehr positiv. Auch die historische Ausstellung ,Beständig Neu’ wurde bisher sehr gut besucht und die verschiedenen Vorträge von Autoren, Theologen, Politikern und Juristen haben an Dienstagabenden sogar Berliner nach Brandenburg gelockt. Die Buga, die ja gleichzeitig hier in Brandenburg stattfindet, war ebenfalls eine große Chance für uns.

Konnten Sie von Buga-Besuchern profitieren?

Hasselmann: Ja, viele Gäste haben das tatsächlich als Kombi genutzt. Allein in der Stadt Brandenburg findet die Buga an drei Orten statt und einer davon ist nur zehn Minuten zu Fuß von hier entfernt. Aber nicht nur die Buga hat uns sehr geholfen, sondern auch die gute Zusammenarbeit mit der Stadt.

Das hat Ihnen doch bestimmt eine Menge Einnahmen gebracht.

Hasselmann: Einerseits. Aber ein Jubiläum, das mit rund 200 Veranstaltungen über sechs Monate dauert, kostet natürlich sehr viel Geld, das wir mit den Eintrittsgeldern allein nicht wieder reinholen können. Also bleibt es auch nach dem Jubiläum dabei, dass unsere Einnahmen in Gänze geringer sind als die Ausgaben. Das Jubiläum ist finanziell nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Besonders gravierend ist es, wenn wie jetzt Sanierungsarbeiten anstehen, denn die Baukosten bei Arbeiten im denkmalgeschützten Bereich sind immens hoch. Und auch wenn die Domkirche saniert ist, müssen dringend eine Reihe alter Gebäude restauriert werden. Das können wir alleine nicht stemmen.

Womit finanzieren Sie die Festlichkeiten zum Domjubiläum?

Hasselmann : Abgesehen von den Eintrittsgeldern mit Unterstützung unserer Förderer wie die Ostdeutsche Sparkassenstiftung und das Land Brandenburg. Wir haben bei null angefangen und mussten jeden Cent umdrehen. Das ist ein mühsames Geschäft. Aber es hat sich sehr gelohnt: Das Jubiläumsprogramm wurde gut angenommen, wir hatten bei aller Arbeit viel Spaß und der Dom und die vielen mit ihm verbundenen Einrichtungen sind weit über die Stadt Brandenburg hinaus bekannt geworden.

Ist der Festgottesdienst zum Tag der Grundsteinlegung am Sonntag ein Highlight im Programm?

Hasselmann: Absolut. Neben dem Eröffnungsgottesdienst am 3. Mai, dem ZDF-Fernsehgottesdienst und dem Jubiläumsgottesdienst im Juni mit Bundespräsident Gauck, ist der Gottesdienst am Sonntag einer der Höhepunkte des Jubiläums. Wir haben nicht nur Vertreter der Evangelischen Landeskirche zu Gast, sondern auch andere Domkapitel, etwa aus Naumburg, die dabei sein werden. Außerdem halten die beiden Architekten, die seit 19 Jahren am Dom werkeln, einen Vortrag zum Thema 850 Jahre Bauen am Dom. Zum Abschluss des Jubiläums am Reformationstag wird es noch einmal einen großen Gottesdienst geben.

Brandenburger Freiheitspreis

Cord-Georg Hasselmann stammt ursprünglich aus Hamburg, wohnt derzeit in Berlin und ist des Doms wegen ins Land Brandenburg gekommen.

27
Jahre lang hat er als Anwalt und Notar gearbeitet und engagiert sich nun seit 2014 ehrenamtlich als Kurator des Domstifts.

Er initiierte den Brandenburger Freiheitspreis, der im Rahmen des Festgottesdienstes am Sonntag erstmals ausgelobt werden soll.

Der Freiheitspreis wird alle zwei Jahre am 11. Oktober verliehen, zum ersten Mal im Jahr 2016. Ausgezeichnet
werden Persönlichkeiten oder Institutionen, die durch ihre Tätigkeit in den
Gebieten Kultur, Religion, Wirtschaft oder Politik maßgeblich zur Verwirk­lichung des Freiheitsgedanken bei­getragen haben.


Von Luise Fröhlich

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