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Nachrichten Kultur Donna Leon will keinen Venedig-Tourismus
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20:53 30.06.2017
Die weltweit erfolgreiche Bestseller-Autorin Donna Leon (74). Quelle: dpa
Potsdam

Donna Leon freut sich auf Potsdam. Am nächsten Samstag stellt sie im Rahmen des Literaturfestivals LIT:potsdam ihren neusten Venedig-Krimi vor.

Frau Leon, kein Wunder, dass Ihr venezianischer Polizist Commissario Guido Brunetti nach 25 Fällen an einem Burnout leidet. Suchen Sie auch die Nähe zur Natur, wenn Sie einmal ganz zu sich kommen wollen? Oder bevorzugen Sie Barockmusik?

Ich verbringe die meiste Zeit in einem kleinen Bauerndorf in den Schweizer Bergen. Es gibt Kühe, etwa 300 Menschen, Pferde, Berge und noch mehr Kühe und so gut wie keine Barockmusik. Hier ist wenig zu tun, außer lesen, im Garten arbeiten und in den Bergen wandern. Das verschafft mir eine perfekte Balance mit dem beruflichen Teil meines Lebens, in dem ich viel reise und Zeit in Städten verbringe.

Ihr 26. Brunetti-Krimi handelt von kapitalistischen Umweltzerstörern, die auch vor der Schönheit der Lagune in Venedig keinen Respekt haben. Welche Gefahren sehen Sie für das einzigartige Ökosystem, in das die Stadt Venedig gebaut wurde?

Nahe der Altstadt Venedig wurden zum Beispiel in den letzten Jahren mehrere petrochemische Fabriken gebaut, die mit ihren Schadstoffen das Wasser verschmutzen. Hinzu kommen die vielen Kreuzfahrtschiffe. Gerade in diesem Sommer wurde eine neuartige Alge festgestellt, die es in Italien bisher nicht gab und die in den letzten Jahren unkontrolliert wachsen konnte. Als Folge des Mangels an Sauerstoff in den Gewässern kam es unter dem Algenteppich vor einem Monat zu einem entsetzlichen Fisch- und Krabbensterben. Die Fische in diesen Gewässern ersticken an Sauerstoffmangel, treiben an der Oberfläche und verrotten. Einige Experten berichten von enormen Veränderungen des Ökosystems der Lagune durch das im Bau befindliche Sturmflutsperrwerk, das sogenannte Mose-Projekt. Dieses ist nach dreißig Jahren immer noch nicht vollendet. Und es wird angezweifelt, ob es je funktionieren kann. Außerdem existiert der Plan, einen Kanal auszubaggern, der es den Kreuzfahrtschiffen weiterhin ermöglicht, mitten in die Stadt hineinzufahren.

Sie beklagen oft den Massentourismus, der Venedig bedroht. Aber haben Ihre Krimis nicht den Venedig-Hype gefördert?

Es gibt sicher einige Leute, die Venedig besuchen, weil sie meine Bücher gelesen haben. Aber ich denke, es sind nur wenige. Ich vermute, dass eher Leute, die Venedig schon für sich entdeckt haben, gern zu meinen Büchern greifen. Diese Annahme erlaubt es mir, meine Hände in Unschuld zu waschen und nicht dafür verantwortlich zu sein, dass zu viele Touristen die Stadt heimsuchen.

Was tun oder lassen Sie persönlich für die Verbesserung des Weltklimas?

Ich tue viel weniger, als ich sollte. Ich habe keine Klimaanlage, kein Telefon und keinen Fernseher. Ich habe ein Auto, fahre aber sehr selten und versuche immer öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen. Aber ich fliege mehr als die meisten Menschen.

Würden Sie als Autorin die Einladung zu Lesungen auf Kreuzfahrtschiffen annehmen?

Das hat nichts damit zu tun, dass ich Autorin bin. Auch als Hunde-Friseur würde ich nicht auf so ein Schiff.

Was wissen Sie von Potsdam und über die preußische Geschichte? Worauf sind Sie besonders gespannt?

Ich kenne die Stadt bereits und finde sie nett. Die großen, eleganten Villen, Parkanlagen und die Seen vermitteln ein Gefühl der Leichtigkeit und des Komforts. Ich interessiere mich mehr für Preußens Kulturgeschichte als für seine Militärgeschichte.

Sie leben schon seit vielen Jahrzehnten nicht mehr in den USA. Interessieren Sie sich noch für amerikanische Innenpolitik?

Es ist schon fünfzig Jahre her, dass ich in Amerika gelebt habe. Die USA erscheint mir heute in vielerlei Hinsicht wie ein fremdes Land. Ich habe kein wirkliches Gespür mehr für das Land. Mir macht es den Anschein, dass Innen- und Außenpolitik oft nicht schlüssig aufeinander abgestimmt sind.

Meinen Sie, dass sich mit gesellschaftskritischen Krimis die Welt verbessern lässt?

Nein.

Literaturfestival LIT:potsdam

Das Literaturfestival LIT:potsdam wird am 1./2. Juli auf Schloss Reckahn (Kloster Lehnin, Landkreis Potsdam-Mittelmark) eröffnet. Am 1. Juli, ab 15 Uhr, sprechen die beiden Autoren Bruno Preisendörfer und Moritz Rinke über Luther und die heutige Leselust. Am 2. Juli stellen sich Feridun Zaimoglu, John von Düffel, Willi Winkler und Dominique Horwitz im Schlosspark vor. Der CDU-Politiker Heiner Geißler hat seinen Auftritt abgesagt. Am Sonntag, 11.30 Uhr, wird ihn sein Parteikollege Christoph Stölzl vertreten und einen Vortrag halten zum Thema „Was ist das? Vom kleinen Katechismus zum Bildungsbürger – eine autobiografische Spurensuche“.

Donna Leon (74) ist Stargast der Kriminacht am nächsten Samstag (8. Juli 20.30 Uhr) im Potsdamer Nikolaisaal. Im Gespräch mit dem RBB-Moderator Jörg Thadeusz wird sie ihren aktuellen Comissario-Brunetti-Krimi vorstellen und über ihre Arbeit plaudern. Die US-Amerikanerin lebt seit 1981 in Venedig und seit einigen Jahren auch in der Schweiz. Ihre „Brunetti“-Romane sind internationale Bestseller. Aus Leidenschaft für Barockmusik fördert sie als Sponsorin das Orchester Il Pomo d’Oro.

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