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Doppelter „Terror“ und die Frage der Schuld

Theater in Potsdam Doppelter „Terror“ und die Frage der Schuld

Die Schuld in Zeiten des Terrors: Strafverteidiger Ferdinand von Schirach hat mit seinem ersten Bühnenstück „Terror“ ein viel diskutiertes Werk vorgelegt. Nun macht sich das Potsdamer Hans-Otto-Theater an den Stoff. Und auch Kinogänger können in Potsdam am Freitag „Terror“ erleben. Der Clou: Die Zuschauer entscheiden als Richter über die Schuld.

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Jonas Götzinger (l.) als Pilot und Bernd Geiling als Richter.

Quelle: HOT/Böhme

Potsdam. 164 Menschenleben gegen 70 000 Menschenleben. Kann man so eine Rechnung aufmachen? Bundeswehrpilot Lars Koch hat gerechnet – und entschieden. Er hat eine mit 164 besetzte Passagiermaschine abgeschossen. Nun steht er vor der großen Strafkammer des Berliner Schwurgerichts. Als Angeklagter in einem Mordprozess.

„Terror“ in Potsdam

In Ferdinand von Schirachs Theaterstück entscheidet das Publikum über „schuldig“ oder „nicht schuldig“.

Premiere ist am Freitag, 14. Oktober um 19.30 Uhr in der Reithalle des Hans-Otto-Theaters in Potsdam.

Weitere Vorführungen gibt es am 22. und 27.Oktober sowie im November und Dezember.

Eine Verfilmung des Stückes ist am Montag um 20.15 Uhr in der ARD mit Live-Abstimmung zu sehen.

Der Film läuft Freitag um 20 Uhr vorab im Thalia-Kino in Babelsberg .

Das Flugzeug, das Koch vom Himmel holte, war in der Gewalt eines Terroristen der damit drohte, es über der voll besetzten Münchner Allianz-Arena zum Absturz zu bringen. Ist Lars Koch ein Held, weil er 70000 Menschen das Leben gerettet hat? Oder ein Mörder, weil er 164 andere in den Tod schickte? Der bekannte Strafverteidiger und Autor Ferdinand von Schirach stellt in seinem Justizdrama „Terror“ jene Fragen, die an den Grundfesten der Gesellschaft in Zeiten der Terrorangst rütteln. Beantworten muss sie der Zuschauer – in Potsdam Freitagabend sogar an zwei verschiedenen Orten. In der Reithalle des Hans-Otto-Theaters feiert das Stück mit dem 25 Jahre alte Jonas Götzinger in seiner ersten Hauptrolle Premiere. Regie führt Andreas Rehschuh. Den Richter gibt Bernd Geiling, seit 2006 Ensemblemitglied des HOT.

Zuschauer werden zum Richter: Schuldig oder nicht?

Auf anderen Bühnen sorgte das 2015 uraufgeführte Stück schon für Furore. Denn: Die Zuschauer schlüpfen in die Rolle des Richters und bestimmen den Ausgang des Dramas. Der Verlag Kiepenheuer Bühnenvertrieb, in dem Schirachs erstes Theaterstück erschienen ist, dokumentiert die Abstimmungsergebnisse aller Aufführungen. 59,9 Prozent der bislang 157040 Zuschauer-„Schöffen“ weltweit haben für Freispruch plädiert.

Terror und die Frage der Schuld

In der Gewalt von Terroristen: Ein Luftwaffenpilot schießt 164 Menschen ab und rettet damit 70000 Menschen das Leben. Dann steht er vor Gericht wegen Mordes: Schuldig oder nicht?

Interessant: Die Schuldfrage wird in verschiedenen Kulturen offenbar unterschiedlich beantwortet. In Japan wurde der Pilot zum Mörder gemacht. In sämtlichen vier Vorstellungen, zwei in Tokio und zwei in Hyogo, plädierte die Mehrheit für eine Verurteilung. Auch am Deutschen Theater in Berlin wurde das Stück bereits gezeigt. In 20 von 25 Vorstellungen endete es auf Wunsch des Publikums mit einem Freispruch.

Die ARD zeigt den Film am Montag

Am Montag zeigt die ARD die Verfilmung des viel diskutierten Schirachschen Theaterstücks mit Florian David Fitz, Lars Eidinger und Martina Gedeck. Im Babelsberger Thalia-Kino kann der Streifen bereits diesen Freitag gesehen werden. Auch die Kinogänger müssen voten und über den Piloten richten. Wo wirkt „Terror“ besser – auf der Bühne oder auf der Leinwand? Auch darüber muss man sich nun ein Urteil bilden.

Von Marion Kaufmann

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