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Kultur Doppeltes Vergnügen
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22:53 22.11.2017
Race und Russo polieren den Blues nicht auf Hochglanz. Ihre Interpretation driftet heftig hinüber in den Bereich der Ambient Music. Quelle: Rimmer
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Potsdam

Dies ist eine Befragung, ein Nachsinnen, eine Meditation darüber, was Blues – dieses Genre, dem der Rock ‘n‘ Roll beinahe alles verdankt – noch alles sein könnte. Die beiden Musiker, die den legendären John Lee Hooker (1917–2001) zu ihrem Säulenheiligen erkoren haben, finden ihre überaus eigene Lesart. Bei Hugo Race und Michelangelo Russo verschwindet der stampfende Boogie, das wilde Heulen ist passé, das rohe Spiel in Luft aufgelöst.

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Schon der erste Song von WellBad ist eine Ansage schlechthin. „Wake-up Call“ heißt er. Der Hamburger Daniel Welbat kriegt sie alle: Dieses Raukehlchen irgendwo zwischen dem coolen Röcheln von Tom Waits oder dem heiseren Schmirgeln eines Chris Rea kann den Blues. Er liefert ab. Der 27-Jährige mit Band liefert Klasse. Geschmeidig, seidig, samt auf der einen Seite, bis in den Jazz und Soul ragend. Und heftig aufbrausend auf der anderen. Wer also nach dem Hören des ganzen Albums noch nicht euphorisiert in den Tag startet, der braucht einen anderen Wecker. Neue Stimme – Hut ab!

WellBad: The Rotten. Blue Central Records.

Alte Liebe rostet nicht: Sagte sich Joe Bonamassa. Der wohl angesagteste Blues-Gitarrist dieser Tage rief seinen Kumpel Glenn Hughes (Bass bei Deep Purple) an und die Auszeit der gemeinsamen Super Group, zu der noch Jason Bonham am Schlagzeug und der Tastenmann Derek Sherinian gehören, war prompt beendet. Rasch hatten Joe und Glenn die Songs für die auferstandene Black Country Communion beisammen. Ihr Metier ist Hard Rock. Quicklebendig, von immenser Wucht und stark in den Aussagen. Eine schlackenlos harte und unbändige Demonstration ihrer Stärke.

Black Country Communion: BCC IV. Mascot/Rough Trade.

Allenfalls der Talking Blues bleibt als erzählerischer Gestus erhalten. Race, einst Gitarrist und Gründungsmitglied von Nick Cave and the Bad Seeds, und Russo, Teil von Hugos Hauptband The True Spirit, machen sich ihren Reim. Auf ihrem in diesem Jahr vorgelegtem Album „John Lee Hooker’s World Today“ zerlegen sie den Rhythmus, verwenden Echos und Halleffekte, die Gitarrenfiguren werden vorsichtig ausformuliert. Die Mundharmonika weht melancholisch durch die acht Songs. Ihr Soundbild verlässt das Schema. Es hat Schlieren, Schlaufen und Schwingungen. Es mäandert hinüber in die Ambient Music. Resignativ, mitternächtlich, visionär. Selten wagen sich Künstler an eine so hypnotische Ausdeutung – höchstens Rainer Ptacek oder Skip McDonald beim Projekt Little Axe.

Popa Chubby aus New York spielt in Berlin. Quelle: Harrison O'Brien

Der mächtige Mann ist wieder da: Popa Chubby aus New York. Das Straßenkind, groß geworden mit Punk und Motörhead, wird er wohl immer bleiben. Doch urbane Härte oder gar Lautstärke allein ist schon einmal gar nicht das Metier des Blues-Musikers. Dann schon lieber quer durch die Genres fegen und – wie gerade auf seiner neuesten Platte „Two Dogs“ geschehen – seine Ader für etwas Pop entdecken. Soll heißen: Auf der eine Seite kann der Sänger und Gitarrist wie gewohnt den harten Hund geben. Den Boogie krachen lassen und sich die eine oder andere Reminiszenz an Götter wie Jimi Hendrix gönnen. Auf der anderen Seite zeigt Popa Chubby gerade beim Live-Mitschnitt von „Hallelujah“ (Leonard Cohen), welcher Gemütsmensch eigentlich im Blues-Schwergewicht steckt.

Die Konzerte: Hugo Race & Michelangelo Russo spielen am Montag, dem 27. November, um 20 Uhr im Badehaus in Berlin-Friedrichshain.

Popa Chubby tritt schon am Freitag und Sonnabend, dem 24. und 25. November, um 20 Uhr im Quasimodo in Berlin-Charlottenburg auf.

Von Ralf Thürsam

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