Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Kultur Drei Männer am Abgrund
Nachrichten Kultur Drei Männer am Abgrund
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:58 22.11.2015
Serge (v.l. Bernd Geiling), Marc (Jon-Kaare Koppe) und Yvan (Philipp Mauritz) reden über Kunst – und mehr. Quelle: HL Böhme
Anzeige
Potsdam

Drei Männer auf der Bühne. Ist das lustig? Die Kerle sind von einer Frau entworfen, Yasmina Reza hat sie in ihr Drama „Kunst” gepackt, natürlich kommen sie schlecht weg. Vielleicht konnten sie früher miteinander Fußball gucken, doch mittlerweile sind sie über 40. Die Abgründe werden jetzt tiefer, der Witz findet oft eine Wendung hin zum Fatalistischen. Rezas Stück, das am Potsdamer Hans-Otto-Theater (HOT) Samstag Premiere gefeiert hat, ist der Abgesang auf eine Freundschaft, die zwischen diesen Männern offenbar einmal geherrscht hat.

Serge (Bernd Geiling) hat sich ein weißes Bild gekauft, moderne Kunst. 200 000 Francs hat er dafür bezahlt. 200 000! Marc (Jon-Kaare Koppe) ist ein Spötter, als ihm das Bild gezeigt wird, lacht er: Weiße Scheiße! So viel Offenheit verträgt die Freundschaft nicht, ihr Abgesang dauert am HOT 90 Minuten. Yvan (Philipp Mauritz) mischt sich dazwischen, auch er ein Freund: Ein Clown ohne Rückgrat, ein weicher Mann mit Hoffnung auf den Kompromiss. Bald wird er heiraten. Die Braut ist hysterisch, darin sind sich die Männer einig. Sonst aber über gar nichts mehr.

Quelle: HLBOEHME.COM

Mit Wortwitz und Elan wird das Zerwürfnis dekliniert von der Französin Reza, ihr Stück verlässt sich auf die Sprache, motorisch wird von dem Ensemble kaum etwas verlangt – die Männer drehen sich in einem engen Kreis auf einer weißen, schlichten Bühne, hier ein Stuhl, da ein Tisch, eher zufällig verliert sich dort das Mobiliar (angemessen kühl gestaltet von Alexander Wolf). Die Inszenierung in Potsdam aber findet keinen eigenen Ton für diesen wendigen, vor Kraft strotzenden Text. Ratlos wirkt die Entwicklung dieser Rollen unter der Regie von Tobias Wellemeyer. Man hat sich aufs Klischee geeinigt, also auf die Lösung mit der geringsten Vitalität. Das Ensemble spielt hochtourig, überdeutlich, kaum wird der Ton je variiert. Fehlende Ideen werden mit viel Temperament überdeckt. Nein, das wirkt nicht ärgerlich, denn dieses Stück von Reza ist zu stark, um es vollkommen in den Sand zu setzen. Doch die Stereotype der Männer werden in Potsdam zementiert.

Serge also ist der Gockel, jeder Schritt rutscht ins Stolzieren, ein König ohne Krone, ein Bildungsbürger ohne Glauben an die eigenen Ideale, der sich in die Allüren flüchtet – Serge arbeitet als Hautarzt, berufsbedingt ist er also ein Mann der Oberfläche. Marc gibt den Choleriker, er rühmt sich seiner unbequemen Wahrheiten – zu diesen Wahrheiten zählt freilich auch, dass sich der Mann selber ein Rätsel ist, leicht reizbar und in seiner Renitenz äußerst berechenbar. Yvan schließlich richtet sich als Außenseiter ein, als Mann mit Herz, doch diesem Herzen traut er nicht. Er geht den Gang des geringsten Widerstandes. In dieser Gruppe angegrauter Männer heißt das: Sein Wort wird nicht gehört, nur noch belächelt.

Unglücklich wirkt die Wahl des Stückes, weil „Kunst“ bereits Anfang des Jahres gut 100 Meter um die Ecke auf dem Spielplan stand. Die freie Theatergruppe „Poetenpack“ hat Rezas Drama beherzt geschultert – das Hans-Otto-Theater hat dieser Inszenierung kaum etwas hinzugefügt.

Info: Hans-Otto-Theater Potsdam: „Kunst“. Weitere Aufführungen am 28. 11. (19.30 Uhr), 29. 11. (15 Uhr).
Karten unter 0331/98118.

Von Lars Grote

Spott und Kritik für die Nominierung - und nun Spott und Kritik für den Rückzug: Mit der Personalie Xavier Naidoo hat der NDR in den vergangenen Tagen viel Wirbel rund um den Eurovision Song Contest ausgelöst. Wer soll dort jetzt für Deutschland antreten?

22.11.2015

Chris Martin (38, "Viva la Vida") hat den Rummel im Musikbusiness früher als Belastung empfunden. "Ich war ängstlich und introvertiert, ja. Das ist heute ein bisschen anders", sagte der Coldplay-Frontmann dem Magazin "Focus".

22.11.2015

Für den Agententhriller "Bridge of Spies - Der Unterhändler" holt Hollywood-Regisseur Steven Spielberg zum vierten Mal Tom Hanks vor die Kamera. Das auch an Schauplätzen in Berlin und im Filmstudio Babelsberg gedrehte Spionagedrama beruht auf einer wahren Gegebenheit.

23.11.2015
Anzeige