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Drei Schwestern und ein Luder

Premiere im Hans-Otto-Theater in Potsdam Drei Schwestern und ein Luder

Anton Tschechows Drama „Drei Schwestern“ hat am Freitag Potsdamer Premiere gefeiert. Unter der Regie von Tobias Wellemeyer kommt das Stück nach anfänglichen Längen auf Temperatur, es stützt sich auf eine starke Ensemble-Leistung und kluge Ideen, die der Tristesse immer wieder einen Witz, und sei es den der Verzweiflung, abtrotzen. Ein ergreifender Abend.

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Marianna Linden (Mascha), Melanie Straub (Olga), Nina Gummich (Irina).

Quelle: HL Böhme

Potsdam. Irina wird 20. Und bekommt die gleichen Bücher wie im letzten Jahr. Das Militär reißt müde Witze. Die alten Herren flirten, obwohl sie’s längst verlernt haben. Provinz. Und Moskau, wo man mit der Mode geht, ist weit.

Zuviel Platz zum Grübeln tut nicht immer gut

Der Inszenierung von Tobias Wellemeyer fällt es zunächst nicht leicht, die kaum zu bändigende Langeweile der drei Schwestern auszustellen, die drei Frauen vorzustellen und irgendetwas in den Ring zu werfen, das nach Spannung, Leben oder immerhin nach Herzschlag klingt. Die drei Schwestern: Schwer am Zweifeln, ob sie den nächsten Morgen noch erleben wollen. Mascha (Marianna Linden), Olga (Melanie Straub) und Irina (Nina Gummich) sitzen in der viel zu großen Wohnung (Bühne: Harald Thor), wo die Gedanken Auslauf haben – doch so viel Platz zum Grübeln tut nicht gut.

Auch das Publikum weiß zunächst nicht, wohin die Reise geht. Diffus sitzen die Schwestern außerhalb von allen Kraftzentren, umgeben von Provinz. Moskau ist weit. Moskau ist die Sehnsucht. Dort weiß man sich zu kleiden (Kostüme: Tanja Hofmann) und die Sünde mit Schwung zu feiern.

Natalja, das Luder, vereint Sex-Appeal und Krawall

Die „Drei Schwestern“, von Anton Tschechow im Jahr 1900 veröffentlicht und am Freitag im Hans-Otto-Theater in Wellemeyers Fassung als Potsdamer Premiere aufgeführt, kommen dann in Schwung, wenn sich die Masse auf der Bühne auflöst und das Augenmerk des Stückes aufs Vier-Augen-Gespräch schwenkt. Fortan wird der Charakter der Figuren deutlich, die Tiefenschärfe ist erkennbar. Geheimnisse und Küsse werden ausgetauscht, Seitensprünge, Zigaretten, DJs übernehmen nun die Szenerie. Schön der Kniff, wie aus dem Nichts ein Kind in der Wiege liegt, kaum dass sich Natalja (Larissa Aimée Breidbach) auf Andrejs Schoß gesetzt hat. Andrej ist der Bruder der drei Schwestern, stark, vital, erst aufbegehrend, dann erlöschend in Szene gesetzt von René Schwittay. Natalja, das Luder und die Lebedame, die den Krawall mit Sex-Appeal vereint, setzt all das Streben nach Kultur, das bei den Schwestern zunächst herrschte, außer Kraft.

Theaterabend geht drei Stunden – inklusive Pause

Die Provinz erhebt bei Tschechow ihr Haupt – trotzig zeigt sie auf der Potsdamer Bühne: Was Moskau kann, können wir auch. Moral kippt hintüber und draußen fällt der Schnee. Er kann nicht übertünchen, wie schwarz die Seele dieser Inszenierung ist, die Regisseur Wellemeyer gerade im zweiten und dritten Akt dieses auf drei Stunden angelegten Abends (eine Pause) sicher und zuweilen glänzend in den Griff bekommt.

Im letzten Akt, der sich rein textlich in die Lethargie zurückzieht, wären Kürzungen angebracht gewesen. Das Fazit aber bleibt durchgehend positiv: Starke Ensemble-Leistung, klug gedachte Ideen der Regie. Ein Abend, der sein Temperament nach anfänglichen Dehnübungen doch noch findet.

„Drei Schwestern“, Hans-Otto-Theater, Schiffbauergasse 11, Potsdam. Nächste Vorstellungen: 10.4. um 18 Uhr, 16. April um 19.30 Uhr, 17. April um 15 Uhr. Karten unter 0331/ 98118.

Von Lars Grote

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