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Duc Ngo Ngocs vietnamesischer Heimatfilm

Festival des osteuropäischen Films in Cottbus Duc Ngo Ngocs vietnamesischer Heimatfilm

Am Dienstagabend startet die 27. Ausgabe des Cottbuser Festivals für Osteuropäischen Film. Die Reihe „Focus“ ist dem Thema „Vietnam in Europa“ gewidmet: 15 Filme aus Vietnam, Polen, Tschechien, der Bundesrepublik und der ehemaligen DDR beleuchten die Migrationsgeschichte vietnamesischer Vertragsarbeiter und deren Folgegenerationen in Mitteleuropa.

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Szene aus Film „Farewell Halong“.

Quelle: fPham Ngoc Lan

Cottbus. Der 29-jährige Dokumentarfilmer Duc Ngo Ngoc ist in diesem Jahr gleich mit zwei Filmen beim Festival des osteuropäischen Films in Cottbus dabei. Sein Film „Farewell Halong“ feiert dort Weltpremiere. Ein Gespräch über Heimat, improvisierte Dreharbeiten und die Sehnsucht nach Vietnam.

Herr Duc Ngo Ngoc Sie haben einmal gesagt: „Der Mensch hat immer eine Heimat und wäre es nur der Ort, wo er gestern war und heute nicht mehr ist“. Sie sind 1988 in Vietnam geboren und leben seit 1993 in Deutschland. Wo ist Ihre Heimat?

Duc Ngo Ngoc: Heimat ist der Ort, wo ich Freunde und Familie habe und wo ich mich wohlfühle. Daher ist sowohl Deutschland als auch Vietnam meine Heimat. Auf dem Papier bin ich Deutscher, weil ich so ohne große Probleme überall hin reisen kann. In puncto Identität bin ich irgendwo dazwischen. Ich rege mich in Vietnam oft über Dinge auf, die in Deutschland so viel besser funktionieren, weil sie sauber und gründlich durchdacht sind. Andererseits stört mich in Deutschland die Bürokratie. Manches muss man nicht künstlich verkomplizieren. Das würde ich dann am liebsten vietnamesisch regeln: „provisorisch und spontan“. Ich bin eben Deutschvietnamese.

Das Regie-Talent aus Babelsberg

Duc Ngo Ngoc wurde 1988 in Hanoi geboren. 1993 durften er und seine Mutter nach Ost-Berlin zum Vater ziehen. Der war dort zu DDR-Zeiten Vertragsarbeiter.

Nach dem Abitur hat Duc Ngo Ngoc den Studiengang Mediengestaltung und Medienkunst an der Bauhaus-Universität Weimar belegt und ist Mitbegründer von „Kammer11 Filmkollektiv“. Seit zwei Jahren studiert er Regie an der Filmuniversität Babelsberg „Konrad Wolf“.

„Farewell Halong“ feiert am 11. 11. um 20 Uhr im Gladhouse-Kino in Cottbus seine Weltpremiere. Duc Ngo Ngocs Kurzfilm „Obst & Gemüse“ läuft dort im Programm zum „Fokus-Talk“ am 9.11. um 14 Uhr.

Sie sind viel zwischen beiden Welten unterwegs. Ihr Dokumentarfilm „Farewell Halong“ feiert in Cottbus Weltpremiere. Ist Vietnam für Sie ein Sehnsuchtsort?

Meine Filme haben meinst einen vietnamesischen Hintergrund. In meinen Dokumentarfilm „Farewell Halong“ geht es um eine Familie, die in einem schwimmenden Dorf in der Halong Bucht lebt und dann aufs Festland zwangsumgesiedelt wird. Das größte Umsiedlungsprojekt Nordvietnams soll das Weltnaturerbegebiet vor Umweltverschmutzung schützen. Doch was passiert mit den knapp 1000 Bewohnern, die seit Generationen auf dem Wasser leben und arbeiten? Das beantwortet mein sehr persönliches Familienportrait.

Ihr Film ist sehr ruhig erzählt und punktet mit einem überraschenden Ende. Beim Dreh ist auch einiges anders gelaufen als geplant. Erst einen Abend zuvor haben Sie erfahren, dass die Regierung das Umsiedlungsdatum der porträtierten Familie auf den nächsten Morgen gelegt hat...

Ja, da habe ich echt Panik bekommen, weil mein Tonmann an dem Abend sein Handy ausgeschaltet hatte und mein Hauptkameramann in den Flitterwochen war. Da musste ich erst mal durchatmen. Über Freunde habe ich noch jemanden gefunden, der sich bereit erklärt hat, den Ton zu machen. Während der Taxifahrt zum Drehort habe ich ihm die ganze Tontechnik erklärt. Beim Dreh der Umsiedlung habe ich neben der Regie auch die Kamera geführt. In Vietnam muss man mit solchen Katastrophen arbeiten und lernen zu improvisieren. Das war Adrenalin pur und ist zum Glück gut gegangen.

Zur Weltpremiere kommen Sie nach Cottbus. Jetzt sind Sie gerade noch im Rahmen eines Studienaustausches in Hanoi. Will Ihr Vater noch zurück nach Vietnam?

Ich glaube nicht, dass er für immer nach Vietnam zurückgehen möchte. Inzwischen ist er auch sehr deutsch geworden. Er findet in Vietnam alles total durcheinander und unordentlich und sagt immer, man könne nirgends auf der Straße in den Restaurants essen, weil dort ja niemand die Hygiene überprüft. Wir haben unser Glück hier in Deutschland gefunden: Allein die Ausbildung, die ich und meine Geschwister hier genießen dürfen, ist eine echte Bereicherung.

Von Barbara Breuer

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