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Kultur „Dust“ von der Babelsberger Filmstudentin Udita Bhargava läuft auf der Berlinale
Nachrichten Kultur „Dust“ von der Babelsberger Filmstudentin Udita Bhargava läuft auf der Berlinale
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07:45 09.02.2019
In Indien gedreht: „Dust" von Udita Bhargava. Quelle: Unafilm
Potsdam

Wie kann man ein so komplexes Land wie Indien verstehen? Wie kann man zumindest anfangen, es zu verstehen? Vor dieser Frage steht David, der Protagonist aus Udita Bhargavas Film „Dust“ ebenso wie die Regisseurin selbst. Der junge Deutsche begibt sich auf eine Spurensuche in Zentralindien – entlang den letzten Lebenszeichen seiner Ex-Freundin Mumtaz, einer aus Indien stammenden Fotografin, die kurz zuvor verstorben ist. An Malaria, wie es heißt. Hinterlassen hat sie David ein Foto. Es zeigt einen kleinen Jungen, der sein zerschundenes Gesicht in die Kamera hält. David fühlt sich in der Heimat seiner Freundin unendlich fremd, zunächst will ihm keiner bei seiner Suche helfen. Doch der junge Mann bleibt hartnäckig: Er will verstehen, was Mumtaz in dieser von brutalen Auseinandersetzungen zwischen maoistischen Guerillas und dem Staat zerrissenen Region gesehen hat.

Die Welten verbinden sich

Udita Bhargava ist selbst in Indien geboren. Studiert hat sie an der Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf. „Dust“ ist ihr Abschlussfilm, er wurde für die Reihe „Perspektive Deutsches Kino“ bei der diesjährigen Berlinale ausgewählt. Bhargava gelingt das Kunststück, in einer sehr eigenen, poetischen Erzählweise eine komplizierte Realität greifbar zu machen, indem sie verschiedene Zeitebenen miteinander verwebt: „Ich hatte eigentlich die Intention, einen Film zu machen, der eine Art Zeitportrait meiner Heimat schafft. Aber je mehr ich dieser Idee nachging, desto klarer wurde es, dass Zukunft und Vergangenheit von der Gegenwart nicht getrennt werden können“, sagt sie. So taucht ein kleines Mädchen, das in den mehr als zehn Jahre zurück liegenden Kämpfen seine Heimat verliert, auf einmal in Davids Gegenwart wieder auf. Der kleine Junge auf dem Foto gerät in einem Lager für Kindersoldaten zwischen die Fronten. David spürt ihn auf, heftet sich an seine Fersen und sieht ihn zuletzt genau so, wie Mumtaz ihn Monate zuvor fotografiert hatte, mit frischen Wunden im Kindergesicht. „An dieser Stelle verbinden sich die Welten“, erklärt Bhargava, „David sieht den Jungen mit den Augen seiner verstorbenen Freundin Mumtaz.“

Das Gefühl von Fremdsein überwinden

Die Zeit gehorcht in diesem Film ihren eigenen Regeln. Ein langsam aus der Entwicklungsflüssigkeit hervortretendes Foto, Spinnweben im Wind, ein Ventilator: In einzelnen Bildern verweilt die Zeit, hält inne, gibt uns Raum, das eben Gesehene wirken zu lassen. Erstaunlich ist: Die Vermischung von Raum und Zeit verwirrt weniger, als dass sie die Zusammenhänge auf einer tieferen Ebene verbindet und damit erhellt. Udita Bhargavas Herangehensweise beweist ein großes Vertrauen in ihre Zuschauer: „Die Situation ist wesentlich komplexer als der Film zeigen kann“, sagt die junge Regisseurin. „Also zeige ich Bruchstücke davon – die Erfahrungen meiner Charaktere. Hinterlassen die Charaktere einen prägenden Eindruck, werden sich die Zuschauer mit meiner Welt vertraut machen.“ „Dust“ gibt uns jeden Grund dafür, das Gefühl von Fremdsein überwinden zu wollen.

 

„Dust“ von Udita Bhargava läuft am 9. Februar um 22 Uhr im Closseum und am 17. Februar um 14 Uhr im Cinemaxx 5

Von Tiziana Zugaro

Am 7. Februar startet die Berlinale, der Vorverkauf beginnt bereits am Montag. Aber wie kommt man am besten an die begehrten Tickets? MAZ hat die Infos – und bei uns gibt es auch Karten.

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