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Treffen der großen Filmfamilie

Party für Ex-Defa-Leute im Filmpark Babelsberg Treffen der großen Filmfamilie

Wie ein Klassentreffen – nur viel größer – muss man sich das vorstellen, wenn ehemalige Defa-Leute zusammenkommen. Mehr als 1000 Gäste haben sich zur Sause am 19. Juni bereits angesagt. Eingeladen hat Filmpark-Babelsberg-Chef Friedhelm Schatz.

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Friedhelm Schatz lädt am 19. Juni zur großen Sause ein.

Quelle: Julian Stähle

Babelsberg. Wer einst bei der Babelsberger Defa arbeitete, fühlte sich geborgen wie in einer großen Familie. Mit allem, was dazu gehörte: Liebe, Sympathie, auch Streit. Und nicht Wenigen wurde das „Defa-Gen“ vererbt. Beispielsweise Torsten Kroll: „Mein Vater war Beleuchter bei der Defa, deswegen war’s für mich leichter, dort ’ne Lehrstelle zu bekommen.“ Von 1983 bis 1985 lernte Kroll Tischler im volkseigenen Filmbetrieb, spezialisierte sich auf Dekorationsbau. Für Lehrlinge galt während der Dreharbeiten „nur gucken, nicht anfassen“, erinnert sich der inzwischen 46-Jährige lachend: „Später durften wir ran.“ Für viele namhafte Produktionen, darunter „Fallada – letztes Kapitel“ und „Treffen in Travers“ (beide 1988), baute Kroll Dekorationen, passte Originalmotive den filmischen Gegebenheiten an – „umdressen“ heißt das heutzutage.

Nach der Wende kamen Projekte wie Loriots Komödie „Pappa ante Portas“ (1991) nach Babelsberg: „Im Film ist seine eigene Wohnung zu sehen – die haben wir nachgebaut. Loriot meinte damals, er sei ja nicht doof und lasse Filmleute in seine vier Wände.“ Kroll freut sich diebisch über diese Anekdote, schließlich gehörte der Ex-Defa-Mann zu dieser besonderen Spezies, die für das richtige Kinobild gern mal alles auf den Kopf stellt.

Der Anekdotenreichtum wird unerschöpflich sein, wenn sich am 19. Juni ein Teil der Defa-Großfamilie im Filmpark Babelsberg trifft. Tischler, Maskenbildnerinnen, Maler, Sekretärinnen, Schauspieler, Kameraleute, Regisseure. Filmpark-Betreiber Friedhelm Schatz lädt alle zu einem bunten Wiedersehen ein, denn: „Den Defa-Leuten wird zu selten gedankt. Dabei wäre ohne sie aus der Medienstadt Babelsberg in der Vergangenheit nicht das geworden, was sie inklusive aller kleinen und großen Firmen heute ist.“ Nachdem Schatz Ende April seine Party-Pläne via MAZ verkündet hatte, klingelte bei seiner Sekretärin Conny Losansky tagelang das Telefon heiß. Binnen kurzer Zeit meldeten sich zum Defa-Klassentreffen einige hundert Gäste an, inzwischen liegt deren Zahl bei rund 1000.

Zum Vergleich: Die DDR-Filmschmiede hatte einst mehr als 2000 Angestellte, nach der Wende wurden die meisten Kollegen entlassen. Am 15. August 1991 startete unter dem Titel „Film- und TV-Erlebnis“ die Vorform des Filmparks: Das Defa-Studio-Gelände an der August-Bebel-Straße öffnete sich für Besucher. Aus der Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für Defa-Leute entstand der Filmpark mit heute rund 150 Mitarbeitern. Schatz beschäftigt etwa zwanzig Kollegen mit „Defa-Stallgeruch“, darunter Torsten Kroll. Nach etlichen zufriedenen Jahren bei einem privaten Tischlermeister stieß der Wildenbrucher auf ein Stellengesuch des Filmparks, bewarb sich und arbeitet seit 2010 in der Nähe seiner alten Wirkungsstätte, ist längst „rechte und linke Hand“ von Filmpark-Technik-Chef Oliver Humke – der ebenfalls bei der Defa lernte. Auf die große Sause am kommenden fiebern die ehemaligen Kollegen schon hin, so Kroll. Das bestätigt Filmpark-Guide Ursula Schulze nur zu gern. „Da freuen sich viele drauf, sich wiederzusehen.“ Innerhalb der Gewerke bestehe nach wie vor Kontakt – aber eben nicht auf der ganz großen Ebene. Die Babelsbergerin begann 1969 als Lehrling im Kopierwerk, war in der Fotoabteilung, im Labor, in der Endfertigung tätig. Wenn es die Zeit erlaubte, standen die Lehrlinge sogar als Komparsen vor der Kamera. Nach der Wende verlor sie ihren Job, führt seit 1997 Besucher durch den Filmpark und nimmt sie im russischen Atom-U-Boot aus dem Film „Hostile Waters“ (1997) mit auf Tauchstation. „Eine tolle Arbeit mit immer anderen Gästen – und manchmal bekommt man direkt ein Lob.“

Hunderte Defa-Filme

Die Defa (Deutsche Film AG) wurde 1946 gegründet. Erster Spielfilm der Nachkriegszeit war Wolfgang Staudtes Drama „Die Mörder sind unter uns“ mit Hildegard Knef. Rund 700 Spielfilme, außerdem 220 Dokumentar- und Kurzfilme drehte die Defa zwischen ihrer Gründung und der Privatisierung 1992. Rund 8000 Filme wurden synchronisiert.

Zu den bekanntesten Defa-Regisseuren gehören Konrad Wolf (1925-1982, „Solo Sunny“), Frank Beyer (1932-2006, „Spur der Steine“), Herrmann Zschoche (80, „Bürgschaft für ein Jahr“), Rainer Simon (74, „Die Frau und der Fremde“).

Jurek Beckers Romanverfilmung „Jakob der Lügner“ (1974) war die einzige Defa-Produktion, die für einen Oscar nominiert war.

Für Kurzentschlossene: Wer sich noch für den „Tag der offenen Tür für ehemalige Defa-Mitarbeiter“ am 19. Juni anmelden möchte – bitte bei Conny Losansky im Filmpark-Sekretariat unter 0331/7 21 27 35 oder per E-Mail unter closansky@filmpark.de

 

Promimente Mimen wie Gojko Mitic oder Annekathrin Bürger werden am 19. Juni wohl fehlen. Schatz hält ohnedies die „Mitarbeiter und das, was sie geschaffen haben“ für die eigentlichen Promis. Die Gäste tummeln sich am kommenden Freitag im Filmpark, können Musketier- und Stunt-Shows genießen, sollen aber vor allem Zeit zum ausgiebigen Schnack finden. Ein Rundgang übers Gelände von Studio Babelsberg – Nachfolger der Defa-Studios – oder ein Blick in die Werkstätten steht nicht auf dem Programm. Der Grund dürfte die einstigen Filmschaffenden erfreuen: In den Hallen wird bis zum Anschlag gearbeitet, sowohl für das Actiondrama „The Lake“ und für die US-Agentenserie „Homeland“.

Von Ricarda Nowak

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