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Ehren-Oscar: Jackie Chan, der Retter des Kinos?

Der König und der Dödel Ehren-Oscar: Jackie Chan, der Retter des Kinos?

Der Oscar ist die härteste Währung der Filmbranche. Wer den Oscar gewinnt, hat oft kultivierte Schießereien und verknotete Liebesgeschichten zu bieten oder kommerziell viel Beute gemacht. Viel Kunst wird übersehen. Doch nun bekommt Jackie Chan einen Ehren-Oscar. Einer, der sonst für den Oscar wohl eher ein bauernschlauer Schläger war. Eine Revolution - mit Folgen.

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Einer, der Kampfsport mit Komödie vereint: Jackie Chan.

Quelle: AAP / EPA FILE

Los Angeles. Der Oscar ist ein schlanker Mann, viel Gold und wenig Muskeln, er mag die kultivierte Schießerei (wenn sie von Tarantino kommt), nervlich nicht ganz stabile Komödien (wenn Woody Allen sie dreht) und die verknoteten Liebesgeschichten (wenn sie „Vom Winde verweht“ heißen).

Der Oscar ist ein Schnösel, denn er übersieht die Kunst, die kommerziell zu wenig Beute macht – seine Feste in Los Angeles sind legendär, denn sie enden wie eine aus dem Ruder gelaufene Cocktailparty. Trotzdem bleibt Oscar die härteste Währung der Filmbranche. Einen Typen wie Jackie Chan, mal ehrlich, hielt Oscar bislang für einen kleinen, bauernschlauen Schläger. Mehr nicht.

Jackie Chan setzt die Marktwirtschaft außer Kraft

Dass Jackie Chan nun einen Ehren-Oscar für sein Lebenswerk erhält, ist wiederum genau die Sorte von Pointe, die man auf Cocktailpartys gerne sieht. Jackie Chan ist ein, nun ja, Schauspieler aus Hongkong, der in 150, nun ja, Filmen mitgespielt hat. Im Grunde sind das Therapiesitzungen. Er bringt sie ins Kino, um die Marktwirtschaft mal außer Kraft zu setzen und das freie Spiel der Kräfte ungeniert zu kultivieren. Chan ist immer der Kräftigste, der Rest bleibt verhandelbar.

Es geht verlässlich darum, dass Jackie Chan, heute 62 Jahre alt, seine Gegner zu Dödeln degradiert. Der Dödel schneidet hektisch mit den Armen durch die Luft, er haut, sticht, schreit, das sieht nicht mehr nach Kampfsport aus, sondern nach einem Mann, der den Kopf verliert, weil eine Biene hinter ihm her ist.

Die Kinobranche kämpft leider nicht so lustig wie Chan

Jackie Chan gibt diesen Männern schnell den Rest. Er springt durch einen Bilderrahmen, zieht sich eine Hose an, und nebenbei hält er sich dieses Pack vom Leib. Er schlägt die Gegner, macht sie lächerlich. Das wirkt sehr lustig, wenn man zwischen zwölf und 16 Jahre ist und tief im Bauch das ungute Gefühl tobt, man müsste raus aus dem Kokon und aus dem Kino, um erwachsen zu werden.

Die Kinobranche kämpft, leider kämpft sie nicht so lustig und erfolgreich wie Chan. Das Kino büßt an Kräften ein, Zuschauerzahlen sinken – was sich aber rechnet und die Kassen füllt, sind Superstars in eingeführten Fortsetzungen. Tom Cruise in „Mission Impossible“, Harrison Ford in „Star Wars“, Jackie Chan in irgendwas.

Jackie Chan eröffnet neue Märkte

Darum also der Oscar für das Lebenswerk von Chan, denn junge Männer zwischen zwölf und 16 sind ein treues Publikum. Wenn Oscar weiterhin diese entgrenzten Cocktailpartys schmeißen will, dann muss er was verdienen. Chan öffnet neue Märkte.

Oscar hat sich jahrelang mit weißem, gut situiertem Filmvolk geschmückt. Nur schleppend hat er die schwarzen Talente wahrgenommen und gekürt. Bei Asien hatte er noch ausgeprägtere Berührungsängste. Mit Jackie Chan pflegt er jetzt spät die Fans im Fernen Osten.

Man müsste Chan nicht zwingend einen Oscar geben, um das Kino zu retten. Man könnte ihn auch fragen, ob er die Krise privat begleichen will: Sein Vermögen liegt bei 1,88 Milliarden Dollar.

Von Lars Grote

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