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Eike Schmidt bringt frischen Wind in die Uffizien

Museen Eike Schmidt bringt frischen Wind in die Uffizien

Die Uffizien in Florenz sind für ihre Kunstwerke berühmt - doch berüchtigt sind die langen Schlangen am Eingang. Letzteres soll sich ändern, verspricht der neue deutsche Direktor.

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Eike Schmidt ist der neue Direktor der Uffizien in Florenz.

Quelle: Dan Dennehy/Minneapolis Institute of Arts

Florenz. An seinem neuen Arbeitsplatz in Florenz spürt Eike Schmidt den Atem der Geschichte Tag für Tag. "Das ist ganz fantastisch, wenn man seine Besprechungen in Räumlichkeiten hat, in denen die Medici-Familie ihre Besprechungen abhielt", sagt der neue Direktor der Uffizien in Florenz. "Und wir haben einen Vortragssaal, das ist tatsächlich der Ort, an dem Dante selber, als er Mitglied des Stadtrats von Florenz gewesen war, seine Rede gehalten hat".

Seit November leitet der 47-jährige Kunsthistoriker aus Freiburg in Florenz die Uffizien, eines der berühmtesten Kunstmuseen der Welt. Er ist einer von 20 "neodirettori", der neuen Direktoren der größten italienischen Museen, mit deren Hilfe die Regierung in Rom das behäbige italienische Museumswesen flottmachen will. Sieben von ihnen sind Ausländer, aus Deutschland stammen auch die neue Leiterin der Galleria dell'Accademia in Florenz, Cecilie Hollberg, und der Direktor des Archäologischen Parks in Paestum, Gabriel Zuchtriegel.

In den Uffizien mit ihren um die 10 000 Gemälden, 180 000 Zeichnungen und Druckgrafiken, ihren unzähligen Skulpturen, Fresken und Möbeln gibt es für Schmidt viel zu tun. "Zunächst einmal möchte ich wirklich die Besuchererfahrung verbessern", sagt der neue Chef. Bisher sei das Museum zu sehr von den Wänden her konzipiert worden, man habe sich viele Gedanken über die Abfolge der Gemälde gemacht, aber nicht über die Frage, ob das auch besuchergerecht sei. "Ein Besuch in den Uffizien, das ist für viele Menschen ein Tag in ihrem Leben, und sie kommen nie wieder zurück. Und ich möchte nicht, dass die Leute sich dann einfach nur an lange Schlangen erinnern, sondern ich möchte, dass sie wirklich die Kunstwerke im Kopf bewahren", sagt Schmidt.

Die Uffizien in Florenz sind für ihre langen Schlangen berüchtigt, vor allem zur Hauptreisezeit im Sommer. Schmidt hat mit Architekten, Technikern und Informatikern die Situation analysiert und 15 Faktoren gefunden, die zu den Schlangen beitragen. "Eine Sache ist zum Beispiel, dass man gleich mit einem Preisaufschlag bestraft wird, wenn man sein Ticket im Internet vorbestellt. Man muss, wenn überhaupt, den ökonomischen Anreiz umgekehrt schaffen", sagt Schmidt.

Außerdem sollen mehrere stillgelegte Treppenhäuser wieder geöffnet werden. Dann gelangen Besucher schneller zum Ausgang. Sie können sich auch leichter gezielt nur einen Teil des Museums anschauen. "Ab Herbst gibt es Möglichkeiten, direkt in eine Sonderausstellung zu gehen, ohne das Museum mitnehmen zu müssen", sagt Schmidt im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. Es werde auch an einem Programm gearbeitet, um Tickets per Handy zu verkaufen - verbunden mit einer Software zur Erfassung und Leitung der Besucherströme. Auch die Öffnungszeiten - derzeit bis 18.30 Uhr - sollen verlängert werden.

Florenz ist für Schmidt kein Neuland, denn in der Geburtsstadt Dantes hat er schon von 1994 bis 2001 gelebt. Er forschte dort für seine Doktorarbeit, war Stipendiat und dann wissenschaftlicher Assistent am Deutschen Kunsthistorischen Institut. Während die Ernennung ausländischer Direktoren in italienischen Medien im Sommer zum Teil heftig kritisiert wurde, hat Schmidt selbst keine Ausländerfeindlichkeit erlebt. "Ich bin mit einer solchen Freundlichkeit von allen Mitarbeitern begrüßt worden, das Wichtigste ist, glaube ich, dass man die Sprache spricht", sagt er.

Sorgen macht ihm die Sicherheitsfrage, vor allem seit den Anschlägen in Paris. "Ich habe gleich am Samstagmorgen alle meine Sicherheitsleute zusammengerufen und eine Ortsbegehung gemacht, um die Sicherheit ganz systematisch Punkt für Punkt zu prüfen", erzählt er. Die Metalldetektoren am Eingang würden jetzt noch rigoroser eingesetzt als zuvor, zusätzliche Überwachungskameras installiert. Vorher seien die Sicherheitsmaßnahmen stärker auf den Schutz vor Raub und Diebstahl als vor Anschlägen ausgerichtet gewesen. "Auf Anschläge müssen wir einfach vorbereitet sein. Das haben wir jetzt gesehen, dass man nirgendwo in Europa sicher ist", sagt Schmidt.

dpa

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