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Ein Aufschrei für die Menschenrechte am HOT

„Illegale Helfer“ in Potsdam Ein Aufschrei für die Menschenrechte am HOT

„Illegale Helfer“ feierte am Donnerstag in der Reithalle des Potsdamer Hans-Otto-Theaters Deutschlandpremiere. Die vier Schauspieler stemmten in kompakten, handwerklich souveränen 75 Minuten das Drama von Maxi Obexer, die mit Flüchtlingshelfern sprach und daraus einen brisanten Text gebaut hat. Dennoch wirkt das Stück auf die Dauer intellektuell etwas dünn.

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Spielszene aus „Illegale Helfer“ am HOT. Hier: Denia Nironen, Friedemann Eckert, Andrea Thelemann

Quelle: HL Böhme

Potsdam. Sie sprechen die Paragrafen im Chor, als sei es eine Zumutung, das ohne Unterstützung durchzubuchstabieren: Rücküberführung, Grenzübertretungsfragen und andere Winkelzüge des Asylrechts. Die Schauspieler stehen auf einer spärlich möblierten Bühne, hinter ihnen eine nackte Wand, das Flair des frisch gebohnerten Behördenflurs macht sich hier breit. Möchte man in diesem Land, das sich mit rigoroser Gründlichkeit um Sauberkeit in den Gesetzesbüchern und den öffentlichen Korridoren sorgt, ein neues Leben nach der Flucht beginnen?

Kompakt und beherzt

Der Rechtsstaat und die Menschenrechte driften manchmal auseinander, das ist der Grundkonflikt des Stückes „Illegale Helfer“, am Donnerstag hat es in der Reithalle des Potsdamer Hans-Otto-Theaters Deutschlandpremiere gefeiert. Die Autorin Maxi Obexer hat mit Menschen gesprochen, die Flüchtlingen geholfen haben, auf eigene Faust, gegen die Rechtslage, aus einem humanistischen Impuls heraus. Diese Zitate hat sie für ihr Stück verwendet.

Vier Schauspieler (Denia Nironen, Andrea Thelemann, Friedemann Eckert und Christoph Hohmann) stemmen das Drama, kompakt und beherzt, knappe 75 Minuten dauert die Inszenierung. Es ist nicht unbedingt ein Schauspiel, das zu sehen ist, eher ein Thesentheater – normalerweise gilt so ein Befund als Einwand, weil dem Stück das Blut und auch plausible Emotionen fehlen, wenn der Schluss und die Moral sich nicht entwickeln, sondern schon von Anbeginn entschieden sind.

Zweigeteilte Bühne

Klar, „Illegale Helfer“ möchte die Kälte des Gesetzes bloßstellen. Das präzise, engagierte Ensemble wechselt die Rollen, spricht den Text, den die Autorin aus Gesprächen mit Flüchtlingshelfern übertragen hat. Regisseurin Yvonne Groneberg bringt mit geschickter, schlichter Strukturierung Leben in den statischen Aufbau des Dramas. Die Bühne dreht sich (Bühne und Kostüme: Nikolaus Frinke), sie ist zweigeteilt, in der Mitte eine Mauer, als solle hier verdeutlicht werden, dass es zwei Seiten der Medaille gibt, wenn man auf dieses Thema schaut, wie man mit Menschen umgeht, die vor Verfolgung zu uns flüchten: Natürlich will man helfen. Aber wie viel Hilfe kann man leisten?

Handwerklich hervorragend, aber...

Die Sprache der Schauspieler ist geschult, theatralisch, klar, entschieden. Wenn sie sich als Studienrätin, Aktivistin, Bergbauer, Verwaltungsrichter und Student gegen das Gesetz erheben, wirkt die Rhetorik souverän. Unsicherheiten werden angedeutet, doch bald schon übertüncht mit eloquentem Eifer. Am Ende klingen ihre Statements wie ein Plädoyer, befreit vom Zweifel, es fügt sich vieles eine Spur zu sicher.

Handwerklich zeigt sich die Inszenierung durchweg glänzend. Doch letztlich fehlt dem Stück die Dialektik, der Wille, das komplexe Thema abzuwägen. Es konzentriert sich auf den Aufschrei, der berechtigt scheint, doch intellektuell auf Dauer etwas dünn wirkt.

Von Lars Grote

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