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Ein Auftakt voller Überraschungen

Musikfestspiele Sanssouci Ein Auftakt voller Überraschungen

Worin besteht das gewisse Etwas der Musikfestspiele Sanssouci? Gewiss, viele Besucher kommen wegen der schönen Aufführungsorte nach Potsdam. Aber die Programmmacher setzen auch 2017 wieder auf aparte Programmpunkte und gewagte Programmfolgen. Ein Bericht vom Eröffnungswochenende.

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Musiker, Puppenspieler und Sänger (im Vordergrund links der überragende Tenor Jeffrey Thompson) erzählen Odysseus Heimkehr.

Quelle: Foto: Bernd Gartenschläger

Potsdam. Das hat wirklich Feuer! Die beiden baskischen Zwillingsschwestern Sara und Maika halten dicke kurze Holzpfosten in den Händen und schlagen vertikal mit ihnen auf Metallrohre und Hölzer ein, die horizontal über einfachen Holzböcken liegen. Mit ihren Stampfbewegungen auf dem archaischen Perkussionsinstrument Txalaparta, die sie rhytmisch und tonal fein abstimmen, befeuern sie sich gegenseitig und lassen immer wieder neue akustische Glutnester aufflammen. Kaum ist ihr Feuerwerk verklungen, werden die Besucher durch langgezogene Jaultöne in einer andere Ecke des Arkadenhofes neben der Friedenskirche Sanssouci gelockt. „Das ist irgendetwas Elektronisches“, vermutet ein Besucher, doch da liegt er falsch. Der Bildhauer Tony Di Napoli bringt auf seinem Lithophone durch Reibung mit Gummibällen Sandsteine in Schwingungen und verleiht somit der Erde einen unmittelbaren akustischen Ausdruck.

„Erde, Feuer, Wasser Luft“ ist das Motto der diesjährigen Musikfestspiele Potsdam Sanssouci, die am Wochenende mit sieben Veranstaltungen eröffnet wurden. Dass sie neben einem soliden Angebot an alter Musik auch immer mit aparten Programmpunkten und gewagten Programmfolgen aufwarten, verleiht dem zweiwöchigen Event eine spezielle Würze.

Das Eröffnungskonzert in der Friedenskirche am Freitagabend beginnt mit einem ungewöhnlichen Kontrast. Ein a capella-Weckruf von 17 Sängern des Balthasar-Neumann-Chores in moderner skandinavischer Tonalität geht fast übergangslos in ein Oratorium aus dem 17. Jahrhundert über, das sich dann allerdings als eine ziemlich zähe Angelegenheit erweist. Schwedische Gegenwartskompositionen wechseln sich mit Stücken von barocken Südländern ab. Während die Sänger dem Monteverdi nur wenig Leben einhauchen, zeigen sie bei „A new Heaven and a new Earth“ von Sven-David Sandström, was sie können. Dirigent Olaf Boman wacht darüber, dass die Fülle auch in den Clustern ausbalanciert bleibt, auch wenn die Frauen- den Männerstimmen nicht ganz das Wasser reichen.

Nach dem Konzert in der Kirche folgt ein launiges Nummernprogramm, das nicht wie geplant an der Großen Fontäne unterhalb von Schloss Sanssouci stattfindet. Für den rumänischen Tänzer Mamo Sanno wird aus dem Off eine Musik eingespielt, die durch ihre Poppigkeit aus dem Rahmen fällt. Den Trend zur soften Gefälligkeit bediente aber zuvor auch der Chor mit einem Stück von Thomas Jennefelt.

Auf pointierte Unterhaltung setzen auch zwei andere Formate der Musikfestspiele, die am Wochenende viele hundert Besucher anzogen. Das Fahrradkonzert führte dieses Mal bei stahlendem Sonnenschein um die Havelseen westlich von Potsdam und machte Station in Caputh, Glindow und Pirschheide. Ein erstes Open Air vor der Orangerie mit dem dänischen Kammerorchester Concerto Copenhagen gipfelte in einem Feuerwerk.

Vollwertkost erwartete den Besucher am Samstag im Nikolaisaal, wo zum zweiten Mal in diesem Jahr eine internationale Spitzenleistung aus dem Claudio-Monteverdi-Kosmos Station machte. Würdiger lässt sich der 450. Geburtstag des Erfinders der Oper nicht begehen. Nach Christina Pluhar, die im Januar mit dem Ensemble L’Arpeggiata gastierte, folgt nun die südafrikanisch-belgische Koproduktion „D’Ulisse“.

Aus den sparsam von sieben Saiteninstrumenten begleiteten Liedern setzt sich die Geschichte der Heimkehr des Odysseus zusammen. Texte, Melodien und Szenen atmen die großen Themen des Lebens uns treffen den Menschen heute noch direkt ins Herz. Herrlich, wie der Gesang einmal unverhofft Koloratur-Schrauben dreht, um Prahlereien und Schmeichlertum anzuzeigen. Im Kern aber geht es um unverstellte, tiefe Gefühle, um Freude und Leid in allen Nuancen. Die sieben Sänger verhelfen Monteverdi zu großem Glanz, besonders grandios der Tenor Jeffrey Thompson. Die ungewöhnliche Inszenierung will aber noch mehr. Sie befeuert die Handlung mit Bildern aus dem Hier und Heute. Eine Leinwand liefert Assoziationsketten aus animierten Schwarzweiß-Grafiken, Wolken-Fotos, Ultraschall- und Röntgenaufnahmen. Puppenspieler visualisieren außerdem die Helden mit lebensgroßen, starren Puppen. Die Odysseus-Figur liegt auch nach dem Happyend nicht in den Armen seiner tapferen Frau Penelope sondern im Tiefschlaf in einem Krankenbett. Mit sanften Bewegungen signalisiert ein Puppenspieler, dass er atmet und lebt. Wie die Musik.

Von Karim Saab

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